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Berlin
Historiker Jens Dobler gestorben
Kaum jemand hat in den letzten Jahren mehr als Jens Dobler dazu beigetragen, die queere Geschichte in Deutschland zu analysieren und zu bewahren.

Jens Dobler wurde 59 Jahre alt (Bild: privat)
- 26. September 2024, 12:04h 2 Min.
Der Historiker, Autor und Herausgeber Dr. Jens Dobler ist bereits am 13. September im Alter von 59 Jahren nach einer schweren Krankheit gestorben. Wie die Akademie Waldschlösschen mitteilte, findet die Beisetzung am 1. November auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof an der Großgörschenstraße in Berlin-Schöneberg statt.
Dobler ist in der queeren Geschichtsforschung in Deutschland nicht wegzudenken. Die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft listet mehr als 50 Publikationen auf, die sich meist mit Themen über Homosexualität im Deutschland der letzten zwei Jahrhunderte beschäftigen. In seiner Dissertation befasste er sich mit der Homosexuellenverfolgung durch die Berliner Polizei von 1848 bis 1933. Seine Beiträge zur queeren Geschichtsschreibung, insbesondere zur überraschend ambivalenten Rolle der Berliner Polizei in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, bezeichnete das Schwule Museum in Berlin als "bahnbrechend und eine bleibende und inspirierende Grundlage der Forschung".
Von 2010 bis 2015 war Dobler Archiv- und Bibliotheksleiter des Schwulen Museums, von 2015 bis 2022 leitete er die Polizeihistorische Sammlung im Polizeipräsidium Berlin. Seit Oktober 2022 führte er für die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft das Forschungsprojekt "Die Plünderung des Instituts für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld in der NS-Zeit" durch.
Im Waldschlösschen wirkte Jens Dobler als Referent mehrerer Veranstaltungen mit und schrieb Beiträge für Publikationen wie zum Beispiel im Band "Rosa Radikale" über "Schwule Lesben. Vom Etikettenschwindel der Schwulenbewegung".
"Jens Doblers Beiträge zu unserem kollektiven Wissen sind tiefgreifend", erklärte Ben Miller vom Vorstand des Schwulen Museums. "Es ist unmöglich, über die queere Geschichte Deutschlands zu schreiben, ohne entweder auf seine akademischen Argumente oder auf Sammlungen, die er zu bewahren und zu fördern half, zu stoßen. Als ich ein sehr junger Wissenschaftler war, hat er meine Arbeit mit Respekt und Ermutigung unterstützt. Wir werden ihn zutiefst vermissen." (cw)













