Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?51154

"Menschenverachtender Hass"

Tessa Ganserer wird nicht erneut um ein Bundestagsmandat kämpfen

Nach nur einer Legislaturperiode scheidet Tessa Ganserer wieder aus dem Bundestag aus.


Tessa Ganserer (li.) und Nyke Slawik zogen im Herbst 2021 als erste offen trans Personen in den Deutschen Bundestag ein (Bild: IMAGO / Political-Moments)

Die grüne Bundestagsabgeordnete Tessa Ganserer wird für die nächste Legislaturperiode des Deutschen Bundestages nicht erneut kandidieren. Das teilte die 47-jährige Abgeordnete aus dem Wahlkreis Nürnberg-Nord am Mittwoch mit. Als Gründe für ihren Rückzug nannte sie unter anderem den Hass gegen sie als trans Person und den Tod ihres Vaters. Was sie in Zukunft tun werde, ließ die Politikerin offen.

"So bereichernd die Mandatstätigkeit ist, so herausfordernd ist sie auch. Ich habe mein Leben meinen politischen Zielen und Werten untergeordnet. In dem Mandat als Abgeordnete bin ich voll und ganz aufgegangen", erklärte Ganserer. "Es hat mich einerseits erfüllt, andererseits aber auch stark vereinnahmt und der menschenverachtende Hass, der mir nicht wegen meiner politischen Inhalte, sondern aufgrund meines Seins entgegen gebracht wurde, ist mir gewaltig an die Nieren gegangen. Nicht zuletzt hat mich der Tod meines Vaters Anfang August tief zum Nachdenken gebracht."

Seither sei in ihr die Entscheidung gereift, nicht erneut für den Bundestag zu kandidieren. Ganserer betonte, dass der Rückzug nichts mit den jüngsten Querelen innerhalb der Grünen nach dem Rücktritt der Vorsitzenden Omid Nouripour und Ricarda Lang zu tun habe.

- Werbung -

"Entscheidung ist kein Weglaufen"

"Die Entscheidung ist sicherlich auch kein Weglaufen vor denen, die mich seit Jahren verspotten, beleidigen und bedrohen", betonte Ganserer. "Bis zum Ende der Legislaturperiode und auch darüber hinaus will ich für eine nachhaltige Lebensweise, für Freiheit, für unsere Demokratie und für Menschenrechte eintreten. Allerdings ist es für mich an der Zeit, meinem Leben nochmal eine andere Richtung zu geben, mir andere Aufgaben und Wirkstätten zu suchen."

Ganserer ist seit 1998 Mitglied der Grünen. 2013 zog sie in den bayerischen Landtag ein und outete sich Ende 2018 als trans (queer.de berichtete). 2021 zog sie dann in den Bundestag ein – neben Nyke Slawik als erstes offen trans Mitglied des Hohen Hauses (queer.de berichtete). Im Bundestag schlug Ganserer wegen ihrer Geschlechtsidentität viel Hass insbesondere von der AfD entgegen. Gegen die AfD-Vizefraktionschefin Beatrix von Storch wurde deshalb sogar ein Ordnungsgeld verhängt (queer.de berichtete).

Anders als Ganserer würde Nyke Slawik dem Bundestag gerne weiter erhalten bleiben: Die 30-Jährige aus dem Wahlkreis Leverkusen – Köln IV erklärte bereits im Juni, dass sie bei der Wahl 2025 erneut antreten möchte. "Ich bin in den letzten drei Jahren im Parlament persönlich gewachsen, aber vor allem ist in mir eine große Liebe nicht nur zu unserer Demokratie, sondern auch zum deutschen Parlamentarismus gewachsen", schrieb sie auf ihrer Homepage. "In diesem Parlament und für dieses Parlament zu streiten, das mache ich mich mit ganzem Herzen." (dk)

-w-