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Kevin Kühnert im "Spiegel"-Interview

"Es kommt in meinem Erleben aus muslimisch gelesenen Männergruppen häufiger zu einem homophoben Spruch"

Im "Spiegel" spricht der offen schwule SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert über Homosexuellenfeindlichkeit in Deutschland.


Kevin Kühnert ist seit Dezember 2021 Generalsekretär der SPD (Bild: IMAGO / Future Image)

SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert hat in einem Interview mit dem "Spiegel" (Bezahlartikel) über Homosexuellenfeindlichkeit in der deutschen Gesellschaft gesprochen. "Klassische Treiber von Homophobie sind unter anderem streng-konservative Rollenbilder und religiöser Fundamentalismus", erklärte der 35-Jährige. "Außerdem hat aggressive Homophobie ein klar männliches Gesicht. Und so kommt es in meinem Erleben aus muslimisch gelesenen Männergruppen häufiger zu einem homophoben Spruch, als man es sonst auf der Straße erlebt."

Natürlich sei der Großteil der muslimischen Bevölkerung in seinem Wahlkreis Berlin-Tempelhof/Schöneberg nicht homophob. "Aber die, die es sind, schränken meine Freiheit ein und haben kein Recht darauf. Und darüber werde ich nicht aus taktischen Gründen schweigen", so der Sozialdemokrat.

Kühnert verteidigt Özdemir

Kühnert war in dem Interview auf eine Aussage von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) in einem FAZ-Gastbeitrag (Bezahlartikel) angesprochen worden. Özdemir hatte in seinem Text beklagt, es komme häufiger vor, dass seine Tochter "oder ihre Freundinnen von Männern mit Migrationshintergrund unangenehm begafft oder sexualisiert werden". Kühnert verteidigte den Grünen-Politiker gegen Vergleiche mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der kürzlich im ZDF erklärt hatte, dass in vielen deutschen Städten "viele Deutsche nicht mehr zu Hause" fühlten: "Özdemir hat von muslimisch geprägtem Sexismus und Chauvinismus gesprochen, aber nicht jedem Muslim unterstellt, frauenfeindlich zu sein. Söder argumentiert letztlich mit dem Augenschein, also wie Menschen aussehen."

In dem Gespräch verteidigte Kühnert auch die Migrationspolitik seiner Partei. Die SPD stünde "ohne Wenn und Aber zu Deutschland als liberalem Einwanderungsland", sagte der Berliner. "Wir haben dafür gesorgt, dass Arbeitskräfte leichter einwandern und Geflüchtete schneller arbeiten können. Und wir haben das Staatsangehörigkeitsrecht liberalisiert. Das ging übrigens alles mit der Union nicht." In der Asylpolitik haben man Kompromisse schließen müssen, "was niemanden ernsthaft überraschen kann. Wir handeln schließlich nicht im luftleeren Raum, sondern in einer EU, die nicht sozialdemokratisch dominiert ist", so der Generalsekretär.

Kühnert hatte 2018, damals noch als Juso-Chef, erstmals über seine sexuelle Orientierung gesprochen (queer.de berichtete). Er ist seit 2021 direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestages. Seinen Wahlkreis, zu dem auch der Berliner Regenbogenkiez gehört, gewann er knapp gegen Ex-Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) und den LGBTI-freundlichen CDU-Politiker Jan-Marco Luczak, der 2012 zu den "Wilden 13" in der Union gehörte, die sich gegen die Parteilinie für eine steuerrechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren eingesetzt hatten (queer.de berichtete). (dk)

Update 12:20h: Queerbeauftragter Pantisano (SPD): "Lieber Kevin, echt jetzt?"

Der Berliner Queerbeauftragte und SPD-Politiker Alfonso Pantisano hat die Ausführungen seines Parteifreundes Kevin Kühnert kritisiert: "Lieber Kevin, echt jetzt?", schrieb er in einem Eintrag auf Facebook – und warf ihm vor, das öffentliche Bild von Muslimen als "schwulenfeindlich" zu verfestigen. "Wenn wir Queerfeindlichkeit thematisieren und diesen Diskurs ehrlich führen wollen, dann müssen wir attestieren, dass Queerfeindlichkeit von allen Herkünften und Hintergründen, von allen Sprachen, von allen Hautfarben und allen Religionen gelebt und ausgelebt wird – und all das unabhängig eines sozialen Status", so Pantisano.

Queefeindlichkeit habe zwar "viel mit Religionen" zu tun, erklärte der Queerbeauftragte weiter. "Aber warum wir uns immer die Muslime als singuläres Phänomen rauspicken, bleibt mir schleierhaft." Weiter schrieb er, er sei über die Ausführungen Kühnerts "enttäuscht" und "sauer". "Denn gerade von Dir erhoffe ich mir immer den großen Blick auf die Dinge – und nicht diesen ollen Reflex aktuelle Diskurse zu füttern, nur um in der öffentlichen Wahrnehmung und politisch nicht auszuhungern!"

Lieber Kevin, echt jetzt? Wir wollen hier alle nichts verharmlosen, denn die Gefahr, die durch Queerfeindlichkeit...

Posted by Alfonso Pantisano on Friday, October 4, 2024
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