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Interview
Nemo: "Menschen, die Hass verbreiten, haben oft selbst Struggles"
Nach dem ESC-Sieg im Mai meldet sich Nemo mit der neuen Single "Eurostar" zurück. Wir sprachen mit der nichtbinären Pop-Ikone über den plötzlichen Ruhm, das Leben in London, queeres Feiern und den Umgang mit Anfeindungen.

Nemo wurde durch den ESC 2024 einem Millionenpublikum bekannt (Bild: Ella Mettler)
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5. Oktober 2024, 08:23h 4 Min.
Nemo ist mehr als nur eine weitere Person, die beim Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen hat. Die nichtbinäre Pop-Ikone verkörpert das Künstler*innen-Sein in jeder Hinsicht, was auch im Musikvideo zur neuen Single "Eurostar" deutlich wird. Darin thematisiert Nemo unter anderem den Umzug nach London, der aktuell eine zentrale Rolle im Leben des Ausnahmetalents spielt.
Im Interview mit queer.de spricht Nemo über die Entscheidung für den Länderwechsel, die besten Orte zum queeren Feiern und die Hasskommentare, die immer wieder auf den sozialen Medien des Stars auftauchen. Außerdem verrät Nemo, warum der persönliche Fokus mehr auf der Zukunft als auf dem ESC liegt.
Nemo, du wohnst jetzt seit einiger Zeit in London. Wie kam es zu diesem Schritt?
Ja, mittlerweile sind es etwas mehr als vier Wochen – also noch recht frisch. Vorher habe ich fast vier Jahre lang zwischen der Schweiz und Berlin gependelt. Berlin habe ich in 2021 und 2022 stark gebraucht, um herauszufinden, wer ich bin und was ich mit meinem Leben machen möchte. Die Freiheit in Berlin, sich selbst zu entdecken, ist einzigartig. Jetzt, wo ich weiß, wohin es für mich geht, war London der richtige nächste Schritt, gerade auch wegen der vielen internationalen Musik- und Kunstnetzwerke hier.
Was würdest du sagen, wo lässt es sich für queere Menschen besser feiern – in Berlin oder London?
Bisher definitiv Berlin. Aber ich bin noch nicht richtig in London feiern gewesen, weil ich gerade erst angekommen bin. Hier sind die coolen Queer-Partys eher eventbasiert und wechseln oft die Location, während es in Berlin feste Orte gibt, wo man sich immer wohlfühlen kann, egal welcher Wochentag ist. Ich bin gespannt, wie sich das in London entwickelt.
Du hast am Freitag mit dem Song "Eurostar" eine neue Single veröffentlicht. Wie würdest du den Song beschreiben?
Es ist eine Mischung aus 70er- und 80er-Rock-Vibes und einem Berlin-Underground-Party-Feeling. Der Song spielt mit dem Kontrast zwischen clubbigen Euro-Dance-Elementen in den Versen und einem nostalgischen Gefühl im Refrain. Für mich hat er viele Layer – er handelt auch von meinem Umzug nach London und der Zeit, in der ich mich gerade befinde.
Im Video zur Single sind einige bekannte Gesichter zu sehen, zum Beispiel dein ESC-Mitstreiter Windows95man. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Der Eurovision Song Contest hat viele Freundschaften und Verbindungen geschaffen, die mir sehr wichtig sind. Diese Freundschaften wollte ich im Video festhalten, um die Eurovision-Reise visuell abzuschließen und ins nächste Kapitel zu starten.
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Du hast einmal erwähnt, dass du dich in Zukunft mehr auf Neues fokussieren möchtest und weniger auf den ESC. Hängt das damit zusammen, dass du nicht auf den ESC reduziert werden willst?
Es geht weniger darum, nicht darüber reden zu wollen, sondern mehr darum, dass ich jetzt neue Musik machen und darüber sprechen will. Der ESC war eine tolle Erfahrung, aber ich möchte mich weiterentwickeln und Neues schaffen.
Auf Social Media hattest du nach dem ESC auch immer wieder mit Hass zu tun. Wie gehst du damit um?
Das ist nicht leicht. Ich versuche, Hasskommentare so gut wie möglich zu filtern und mein Profil als sicheren Ort für alle zu halten, vor allem für queere Menschen. Es hilft mir, zu wissen, dass Menschen, die Hass verbreiten, oft selbst Struggles haben. Trotzdem darf man das nicht schönreden – es fühlt sich einfach nicht gut an.
Welche Tipps hast du für Menschen, insbesondere junge Queers, die mit Hass im Netz konfrontiert werden?
Mir hilft es, mich mit Menschen auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Gemeinsam kann man erkennen, wie absurd viele dieser Angriffe eigentlich sind. Und ganz wichtig: sich Pausen gönnen, Abstand nehmen und den Fokus auf die positiven Seiten des Lebens und die Unterstützung der Community legen.
Zum Abschluss: Du gehst nächstes Jahr auf Tour. Was können deine Fans erwarten?
Die Tour startet in sechs Monaten, und ich arbeite an meinem ersten Album. Die Shows werden sich von der Festival-Tour dieses Jahr stark unterscheiden. Es wird eine unglaublich energetische Show, bei der ich möchte, dass die Leute gehypt und inspiriert rausgehen – voller Energie, selbst etwas zu kreieren und anzugehen.
Links zum Thema:
» Nemos neue Single "Eurostar" bei amazon music
» Nemo auf Instagram
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