https://queer.de/?51192
30 Jahre "Der bewegte Mann" – Teil II
So kam Max Raabe zu seiner ersten Filmrolle
Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Komödie "Der bewegte Mann" haben wir den Musiker Max Raabe ("Kein Schwein ruft mich an") interviewt, dessen musikalische Karriere durch den Film nicht unerheblich gepusht wurde.

Filmszene aus "Der bewegte Mann" mit Max Raabe und seinem Berliner Palast Orchester (Bild: Constantin Film)
- Von
6. Oktober 2024, 03:36h 3 Min.
Das Repertoire des Musikers Max Raabe (Bariton) und seines Berliner Palast Orchesters umfasst vor allem deutschsprachige Schlager und Chansons aus den 1920er und 1930er Jahren. Zu seinen bekanntesten Titeln, deren Texte und Arrangements an Lieder der Comedian Harmonists erinnern, gehören: "Kein Schwein ruft mich an" (1992), "Klonen kann sich lohnen" (2002) und "Ein Tag wie Gold" (2022).
In dem Film "Der bewegte Mann" singt er, unterstützt von seinem Orchester, verschiedene Lieder. Besonders präsent ist dabei sein Lied "Kein Schwein ruft mich an", das – irgendwie auch recht unterhaltsam – die Einsamkeit des schwulen Norbert Brommer (D: Joachim Król) zum Ausdruck bringt.
Zum 30. Jubiläum der Komödie konnten wir Max Raabe einige Fragen stellen.
Herr Raabe, wie kam der Kontakt mit Sönke Wortmann zustande?
Anfang der 1990er Jahre hatten wir mit dem Palast Orchester ein Freiluftkonzert am Frankfurter Mainufer. An dem Tag hatte Meret Becker, mit der ich seit Jahren befreundet bin, eine Verabredung mit Sönke Wortmann. Meret schlug ihm vor, mit ihr ins Konzert zu gehen. Anschließend machte Meret mich mit Sönke Wortmann bekannt.
Und danach wurde Ihnen angeboten, in "Der bewegte Mann" mitzuwirken?
Über die Idee in seinem Film mitzuwirken und die Musik beizutragen, hab' ich mich und alle im Orchester enorm gefreut. Der Titel "Kein Schwein ruft mich an" war zu dem Zeitpunkt schon zwei Jahre alt, ich hatte ihm vorgeschlagen etwas Neues zu schreiben, aber er wollte unbedingt dieses Stück.

Max Raabe (r.) und Sönke Wortmann bei den Dreharbeiten zu "Der bewegte Mann"
Wer hat die anderen Titel ausgewählt, die ebenfalls im Film gesungen wurden?
Sönke Wortmann hatte eine genaue Vorstellung, welche Titel aus unserem Repertoire im Film verwendet werden. Wir waren sowieso mit allem einverstanden.
Wie lange dauerten die Dreharbeiten?
Die zwei Tage in Köln waren für uns sehr entspannt. Im "Gloria" saßen wir auf der Bühne und konnten Katja Riemann und Til Schweiger bei den Dreharbeiten zusehen. Ralf König war, glaube ich, nicht anwesend.

Max Raabe, Sönke Wortmann und die Maskenbildnerin bei den Dreharbeiten zu "Der bewegte Mann"
Wie bedeutend war der Filmauftritt für Ihre musikalische Karriere?
Wir haben das Palast Orchester während des Studiums gegründet und hätten nie gedacht, dass wir mit dieser besonderen Stilistik so weit kommen. Zufälle, Glück und Auftritte in Filmen wie "Der bewegte Mann" haben dazu beigetragen.
In den früheren Schlagern geht es ja manchmal auch um Geschlechterrollen. Wie gut passen ihre Lieder und auch der Humor zu einer Komödie wie "Der bewegte Mann"?
Wir haben von Anfang an Original-Orchestermaterial der 1920er und 1930er Jahre verwendet und Aufnahmen gehört, die genau diese Noten zur Grundlage hatten. Interessant war, dass sowohl bei den deutschen als auch auf den englischen Platten die Sänger, nicht selten mit großer Selbstverständlichkeit, auch Frauentexte gesungen haben. Umgekehrt genauso.
Gibt es einen homosexuellen Musiker, zu dem sie eine besondere Verbindung haben?
Einer der berühmtesten Textdichter der 1930er und 1940er Jahre war Bruno Balz. Nach 1933 war sein Leben als Homosexueller in permanenter Gefahr. Er wurde oft verhaftet und von der Gestapo gefoltert. Durch Fürsprache des Komponisten Michael Jary und der Schauspielerin Zarah Leander kam er immer wieder frei und konnte weiter schreiben. Mit diesem Hintergrund bekommen seine Texte eine tiefere Bedeutung: "Kann denn Liebe Sünde sein", "Er heißt Waldemar", "Yes Sir", "Mein Leben für die Liebe".
Gehen Sie davon aus, dass Ihre Musik auch besonders Schwule anspricht?
Unser Publikum ist eine bunte Mischung. Durch die neuen Titel wie "Küssen kann man nicht alleine" oder "Wer hat hier schlechte Laune" sind inzwischen auch viele Kinder und Jugendliche in den Konzerten. Wir sind dankbar und freuen uns über alle, die unsere Liebe für dieses Repertoire teilen.
Teil I: Der richtige Film zum richtigen Zeitpunkt
Teil III: Georg Roth: Aus Sister George wurde Dr. Rötger
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
23:30h, Arte:
Queens of Joy – Queerer Kampf für Freiheit
Der Dokumentarfilm porträtiert drei Menschen aus der Ukraine, die mit einer Drag-Show für Solidarität und Widerstand kämpfen.
Doku, F/UA 2025- 3 weitere TV-Tipps »















