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Interview

Wie butch darf eine Film-Köchin sein, Ariana DeBose?

Für ihre Rolle der Anita in Steven Spielbergs "West Side Story" wurde Ariana DeBose als erste Schwarze queere Frau mit einem Oscar ausgezeichnet. Jetzt ist sie im Horrorfilm "House of Spoils" zu sehen.


Ariana DeBose als Chef in "House of Spoils" (Bild: Prime Video)

Keine Frage: Ariana DeBose gehört zu den unbekanntesten Oscar-Gewinnerinnen der zurückliegenden Jahre, obwohl sie 2022 als erste Schwarze queere Frau mit dem wichtigsten Filmpreis der Welt ausgezeichnet wurde (queer.de berichtete). Etliche Jahre stand die 1991 in North Carolina geborene Tochter einer Lehrerin vor allem in Broadway-Musicals wie "Hamilton" oder "Summer: The Donna Summer Musical" auf der Bühne, bevor ihr Steven Spielberg die Rolle der Anita in seiner Neuverfilmung von "West Side Story" gab.

Seit sie dafür den Oscar als beste Nebendarstellerin erhielt, moderierte DeBose mehrfach die Tony-Verleihung und war darüber hinaus in Serien wie "Schmigadoon" und "Westworld" oder Filmen wie "I.S.S." und "Argylle" zu sehen. Bevor sie im Dezember neben Aaron Taylor-Johnson als Super-Bösewichtin in "Kraven the Hunter" sowie im Februar im Actionfilm "With Love" mit von der Partie ist, spielt sie nun die Hauptrolle im Grusel-Thriller "House of Spoils" (zu sehen bei Amazon Prime Video).

Wir führten mit der 33-Jährigen, die seit 2017 mit der Kostümdesignerin Sue Makkoo liiert ist, ein Videotelefonat.


Poster zum Film: "House of Spoils" kann seit 3. Oktober 2024 bei Prime Video gestreamt werden

Ms. DeBose, Sie spielen in "House of Spoils" eine Profiköchin, die ihr eigenes Restaurant eröffnen will. Warum boomen solche Küchengeschichten eigentlich gerade?

Das wüsste ich auch gerne. Sie fragen vermutlich wegen der Serie "The Bear", oder? Von der bin ich auch ein großer Fan. Allerdings muss ich gestehen, dass ich während des Drehs zu "House of Spoils" wirklich keinen Moment lang daran gedacht habe. Was wir erzählen, ist schon eine sehr andere Geschichte. Da sind Vergleiche absolut unnötig.

War Kochen schon vor dem Film Ihr Ding?

Ich habe immer gerne gekocht. Wenn man wie ich aus den Südstaaten der USA kommt, wächst man nicht selten in der Küche auf. Meine Großmutter hat immer genug für eine ganze Armee gekocht – und ich durfte ihr dabei Gesellschaft leisten oder sogar helfen. Aber ich kann nicht behaupten, dass ich mich je sonderlich professionell angestellt hätte. Von dem Handwerk, dass man in einer echten Restaurantküche beherrschen muss, hatte ich keine Ahnung. Deswegen habe ich für die Dreharbeiten ziemlich viel Unterricht genommen und trainiert, bei verschiedenen Köchinnen und Restaurantbetreiberinnen. Mir war schon wichtig, dass es im Film so aussieht, als wüsste ich, was ich da tue.

Ist denn etwas hängengeblieben?

Ich gebe mir zumindest große Mühe, dass ich das professionelle Schneiden mit dem Küchenmesser nicht so schnell verlerne. Inzwischen hat das Schnippeln von Gemüse etwas fast Meditatives für mich, das ist definitiv neu. Außerdem denke ich, anders als früher, auch mal darüber nach, wie ich Essen präsentiere und anrichte. Mir macht es Spaß, ein Gericht nicht nur lecker schmecken, sondern auch gut aussehen zu lassen.

Die Parallelen zwischen dem Kochen und der Schauspielerei halten sich ja vermutlich in Grenzen, oder?

Zumindest gibt es durchaus ein paar Gemeinsamkeit zwischen der Gastronomie und der Unterhaltungsindustrie, würde ich sagen. Sowohl bei einem Filmdreh als auch in einer Restaurantküche kommt es zum Beispiel auf Teamarbeit an. Und in beiden Branchen kam es in den letzten Jahren zu überfälligen Diskussionen bezüglich überholungsbedürftiger Strukturen, denn hier wie dort waren Misogynie und Sexismus weit verbreitet und Veränderungen in Sachen Gleichberechtigung, Diversität und Inklusivität überfällig.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zu "House of Spoils"
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Ihre Figur in "House of Spoils", die von allen nur Chef genannt wird, ist so butch oder zumindest burschikos, wie man es bei Filmheldinnen sonst eher selten sieht…

Oh ja, ihre Energie ist ausgesprochen androgyn. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen. Und ich mochte auch, dass ihr Auftreten oder ihre Sexualität in der Geschichte des Films kein bisschen im Vordergrund stehen. Sie ist einfach, wer sie ist, aber für den Plot spielt das keine Rolle. So etwas sieht man viel zu selten in Filmen, in denen nicht eine weiße, heterosexuelle Person im Zentrum steht.

Ihre Kollegin Lily Gladstone sagte kürzlich, dass für sie jede ihrer Figuren eine indigene Person sei, solange das Drehbuch nicht dezidiert etwas anderes vorgibt. Geht es Ihnen bezüglich Queerness genauso?

Hm, ich hätte es vermutlich nicht genauso ausgedrückt. Aber eigentlich hat sie Recht. Solange im Drehbuch nicht etwas anderes steht, gibt es keinen Grund, dass meine eigene Identität als queere Afro-Latina nicht auch für die Figur, die ich spiele, funktionieren kann. Das heißt nicht, dass ich unbedingt das Bedürfnis habe, jede meiner Rollen an mich selbst anzupassen. Oder dass ich auf Teufel komm raus bestimme Aspekte einer Figur überhaupt sichtbar machen muss. Aber tatsächlich schätze ich Rollen wie Chef sehr, die ganz viele Freiräume lassen, bestimmte Leerstellen für mich selbst so zu füllen, wie es mir liegt.

Dass Sie den Oscar gewonnen haben, ist nun zweieinhalb Jahre her, und seither scheinen Sie bestens beschäftigt…

Ich bin wirklich dankbar, für alle Türen, die sich seit dem Oscar-Gewinn für mich geöffnet haben. Wobei die meisten Rollen, in denen ich seither zu sehen war, schon davor unter Dach und Fach waren. "House of Spoils" ist jetzt eigentlich der erste Film, den ich nach dieser unglaublichen Auszeichnung gedreht habe. Das neue Kapitel in meiner Karriere beginnt also gerade erst, was spannend ist, denn seit der Arbeit mit Spielberg habe ich so viel erlebt, dass ich heute eine ganz andere, deutlich reifere Schauspielerin als damals.

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Wonach suchen Sie aus, welche Projekte Sie inzwischen interessieren?

Nicht ich suche mir die Rollen aus, sondern die Rollen finden mich. So würde ich das immer beschreiben. Mir ist egal, um welches Genre es geht oder wie groß eine Rolle ist. Ich lese alle Drehbücher, für die ich in Frage komme oder die man mir anbietet, und entweder spricht mich eine Geschichte an oder nicht. Wenn mein Bauch sagt, das ist was für mich, dann versuche ich, die Rolle zu bekommen. So einfach ist das.

Ist denn das Thema Broadway nach sechs Jahren ohne Musical-Rolle abgeschlossen?

So würde ich das auf keinen Fall sagen. Wenn das passende Angebot kommt, kehre ich mit Freude auf die Bühne zurück. Aber aktuell hat sich da einfach nie etwas ergeben.

Infos zum Film

House of Spoils. Horrorfilm. USA 2024. Regie: Bridget Savage Cole, Danielle Krudy. Cast: Ariana DeBose, Barbie Ferreira, Arian Moayed, Marton Csokas, Mikkel Bratt Silset, Amara Karan. Laufzeit: 101 Minuten. Sprachen: englische Originalfassung, deutsche Synchronfassung. Untertitel: Deutsch (optional). Seit 3. Oktober 2024 bei Prime Video

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