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"Linke Identitätspolitik"

Nach Kühnert-Kritik: Attacken gegen Alfonso Pantisano

Der Berliner Queerbeauftragte hatte seinem Parteifreund Kevin Kühnert einen antimuslimischen Reflex vorgeworfen – und erhält dafür viel Kritik von rechts, aber auch von Verbündeten. Eine Rolle spielt dabei auch ein altes Bild Pantisanos mit arabischer Kopfbedeckung.


Der queere Landesqueerbeauftragte Alfonso Pantisano muss sich gegen Kritik wehren (Bild: privat)

  • 7. Oktober 2024, 08:24h 3 Min.

Der SPD-Politiker Alfonso Pantisano, seit Juli 2023 der Queerbeauftragte der schwarz-roten Landesregierung in Berlin, steht nach kritischen Äußerungen gegenüber Aussagen von SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert über Homophobie bei muslimischen Männern nun selbst in der Kritik. Hintergrund ist, dass Kühnert am Freitag in einem "Spiegel"-Interview erklärt hatte, es komme seiner Erfahrung nach "aus muslimisch gelesenen Männergruppen" häufiger zu homophoben Übergriffen. Pantisano warf seinem schwulen Politikerkollegen daraufhin vor, das öffentliche Bild von Muslimen als "schwulenfeindlich" zu verfestigen und einem "ollen Reflex" zu folgen (queer.de berichtete).

Am Samstag legte Pantisano nach: In Bezug auf Kühnerts Formulierung "muslimisch gelesen" veröffentlichte das Ex-Model Pantisano alte Fotos von einem Shooting für den arabischen Raum, bei dem er etwa auch mit der tradionellen arabischen Kopfbedeckung Ghutra, einem weiß-rot karierten Kopftuch der Männer, zu sehen ist. Dazu schrieb er: "Und hier ist meine Frage an Kevin und Co.: Wenn ICH heute in Berlin Schöneberg jemanden beleidige oder gar körperlich angreife und dann wegrenne, so dass die Opfer meines Angriffs nur eine Täterbeschreibung angeben können, wie werden sie mich beschreiben? Als einen deutschen Staatsbürger (bin ich!)? Als einen Katholiken (bin so sozialisiert worden!)? Als einen Deutschen mit Migrationshintergrund (bin ich!)? Als einen schwulen Italiener (bin ich auch!)? Oder vielleicht als einen muslimischen Mann (bin ich nicht!)?"

Diese Aussagen führten zu viel Kritik aus Medien und Politik. Die Berliner Boulevardzeitung B.Z. sprach etwa von Pantisanos "wirrer These". Das rechtspopulistische Portal "Nius" veröffentlichte gar ein Bild, mit dem es Pantisanos Kufiya als Unterstützung der Hamas wertete und Pantisano "Judenhass" vorwarf. Als Grund wurde angeführt, dass sich am Montag der Terroranschlag der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 zum ersten Mal jährt. Dazu erklärte der Queerbeauftragte: "Rechte Medien machen, was rechte Medien machen. Wahnsinn!" In sozialen Medien nahmen mehrere Nutzer*innen den Antisemitismus-Vorwurf auf.

Aber auch von Politiker*innen aus demokratischen Parteien kommt Kritik. Die Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Ottilie Klein erklärte auf X (vormals Twitter): "Alberner Austausch einer selbstreferentiellen linken Identitätspolitik, die sich mit ihrer Täter-Opfer-Ökonomie zunehmend ad absurdum führt. Mit der Realität hat das alles wenig zu tun. Solidarität mit Kevin Kühnert!"

/ Ottilie_Klein
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Auch in Pantisanos eigener Partei ist man teilweise über den Queerbeauftragten irritiert. Der schwule SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth, der Chef des Auswärtigen Ausschusses, schrieb auf X: "Solidarität mit Kevin! Es ist absurd, wenn einige in der identitätspol. Bubble meinen, Homophobie nur dann benennen zu dürfen, wenn sie von 'weißen, alten Männern' kommt. Viele [queere Menschen] wurden Opfer muslimischer Jungs. Dies zu kritisieren, ist weder rassistisch noch islamophob."

/ MiRo_SPD
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Einige Sozialdemokrat*innen kritisierten jedoch Kühnert für seine Aussage, darunter etwa der Landeschef der SPDqueer Berlin, Mehmed König. Er erklärte bereits am Freitag auf X: "Lieber Kevin, eines vorweg: Queerfeindlichkeit, egal aus welchem Lager sie kommt, ist inakzeptabel und muss bekämpft werden. Dennoch frage ich mich, ob es zielführend ist, eine bestimmte Gruppe immer wieder als primäre Bedrohung darzustellen." (dk)

/ mehmedkoenig
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