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  • 03. Juli 2006 22 3 Min.

Die Nichte des kubanischen Präsidenten Fidel Castro will 47 Jahre nach der Machtübernahme der Kommunisten eine sexuelle Revolution einleiten.

Von Dennis Klein

Schwule und Lesben hatten in den letzten Jahrzehnten auf Kuba keinen guten Stand: In den 60er und 70er Jahren wollte das kommunistische Regime Homosexualität noch ausmerzen. Vor allem weiblich wirkende Männer wurden ohne Anklage oder Verfahren in Arbeitslager gesteckt - aus denen viele nicht mehr lebend entkamen. Eltern mussten zudem ihre Kinder anschwärzen, falls sie sich fürs gleiche Geschlecht interessierten. Zwar hat sich die Lage inzwischen verbessert. 1979 wurde Homosexualität dem Gesetz nach erlaubt - allerdings sind seitdem Schwule und Lesben häufig wegen "antisozialen Verhaltens" inhaftiert worden.

Jetzt setzt sich ausgerechnet die Nichte des kubanischen Herrschers Fidel Castro für die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben ein. Die 43-jährige Mariela Castro führt das staatlich finanzierte Zentrum für Sexualkunde (CENESEX). Sie sagt nun, sie wolle die Revolution auch auf das Feld der Sexualität ausweiten. "Ich will die Menschlichkeit der Revolution auf die Aspekte des Lebens ausweiten, die sie wegen alter Vorurteile bisher nicht erreicht hat", so Castro zur Nachrichtenagentur Reuters. Sie habe die Unterstützung ihres Vaters - des 75-jährigen Verteidigungsministers Raúl Castro, der im Falle von Fidels Tod dessen Nachfolger wäre. Derzeit sind Homo-Gruppen oder -Zeitschriften sowie CSDs verboten. Homo-Paare genießen keinerlei rechtliche Absicherung - die Ehe ist ausdrücklich als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert. Die Machismo-Kultur tut ihr übriges.

Mariela Castro hat nun als erstes ein Gesetz vorgeschlagen, das Transsexuellen eine kostenlose Hormontherapie bietet mit der Option auf eine unentgeltiche Geschlechtsanpassung. Dazu soll die Veränderung des Geschlechts in offiziellen Dokumenten problemlos sein. Sollte dieses Gesetz, das Ende diesen Jahres beraten werden soll, wirklich in Kraft treten, wäre es wahrlich eine revolutionäre Abkehr von der alten Geschlechtsdefinition des kommunistischen Regimes. Bisher hat Mariela Castro bereits mit ihrer Unterstützung für die Telenovela "Die dunkle Seite des Mondes" für Aufsehen gesorgt: Hier verlässt ein Bauarbeiter seine Frau und Kinder für einen anderen Mann. Im März sorgte diese Handlung - die im Vergleich zu europäischen oder US-Seifenopern eher harmlos und verklemmt daherkommt - für helle Aufregung.

Noch will die streitbare Politikertochter nicht verraten, welche Gesetze ihr vorschweben, um die Situation von Schwulen und Lesben weiter zu verbessern: "Wir wissen noch nicht, was wir vorschlagen werden. Es kommt darauf an, was für Homosexuelle und Lesben am besten ist", so Castro. "Die Ehe ist hier in Kuba nicht so wichtig wie in anderen, katholischeren Ländern. Was zählt ist Liebe." Die erhalten Homos gerade von ihrer Umwelt nicht: Der letzten Umfrage aus dem Jahre 2002 zufolge sagten über die Hälfte der kubanischen Städter, Schwule und Lesben seien "Leute mit Problemen". Besonders hoch ist die Ablehnung gegen weibliche Homosexuelle: 85 Prozent gaben an, sie würden Lesben nicht mögen.

3. Juli 2006

-w-

#1 PierreAnonym
  • 03.07.2006, 16:48h
  • Schon beachtenswert, dieses Wandlung.
    Wenn das so weitergeht, dann sind in Kuba die Menschenrechte besser aufgehoben, als in den USA.
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#2 holga-waldaAnonym
#3 OlafAnonym
  • 03.07.2006, 17:25h
  • Es ist ein Fortschritt, dass sich sogar etwas in Diktaturen wie in Kuba tut. Man sollte aber erst einmal abwarten, wie weit die gute Frau das treiben kann.

    Pierre, in den USA gibt es mehr Gay Pride Parades und mehr schwule und lesbische Zeitungen und Zeitschriften als irgendwo sonst auf der Welt. In Kuba ist das alles verboten. Da sehe ich schon noch einen riesengroßen Unterschied.
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