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Kommentar
Alfonso Pantisano muss im Amt bleiben!
Wir brauchen in Deutschland keine Queerbeauftragten, die nur blumige Sonntagsreden halten. Sie müssen laut, unbequem, unabhängig und streitbar sein – so wie der SPD-Politiker Alfonso Pantisano in Berlin.

Alfonso Pantisano im Juli 2024 beim Sommerfest der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin (Bild: IMAGO / Bernd Elmenthaler)
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8. Oktober 2024, 10:38h 3 Min.
Nach dem Wortgefecht zwischen Kevin Kühnert und Alfonso Pantisano findet die FAZ, dass "der Falsche zurückgetreten" sei. "Feuern Sie diesen Mann noch heute", fordert Julian Reichelt den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner auf X auf, den Berliner Queerbeauftragten zu entlassen. Der schwule SPD-Politiker sei "untragbar", mischt sich sogar die Tageszeitung "Echo" aus Mainz ein. Selbst in einem Offenen Brief von Berliner SPD-Mitgliedern an Pantisano heißt es: "Wir sehen Deiner Konsequenz entgegen" (queer.de berichtete).
Nein, Alfonso Pantisano darf nicht zurücktreten. Gerade jetzt braucht er unsere Solidarität. Die vor allem von Rechts geschürten Angriffe auf den Berliner Queerbeaufragten sind auch der Versuch, die Community zu spalten, zu schwächen und mundtot zu machen. Das Hetzportal "Nius" von Julian Reichelt, aber auch die Springer-Medien "Bild" und "Welt" haben sich bereits seit seiner Ernennung im Juli 2023 auf den 50-Jährigen eingeschossen. Als Konsequenz der diffamierenden Kampagne erhält er immer wieder Morddrohungen, gerade jetzt wieder, und benötigt Polizeischutz. Aktuell hatte "Nius" Pantisanos Ghutra-Foto unzulässig aus dem Kontext gerissen und in Verbindung zu Israel-Hass gebracht, den man ihm nun wirklich nicht vorwerfen kann.
Genau der Richtige für das Amt
Bin ich mit Pantisano immer einer Meinung? Nein. Schießt er schon mal übers Ziel hinaus? Keine Frage. Hätte er manche Facebook-Posts lieber gelassen? Auf jeden Fall. Dennoch ist er genau der Richtige für das Amt! Wir brauchen in Deutschland keine Queerbeauftragten, die nur das passende Parteibuch haben, in der Community blumige Sonntagsreden halten und Regenbogen-Anstecknadeln verteilen. Sie müssen laut, unbequem, unabhängig und streitbar sein. Sie dürfen auch mal nerven.
Als "Ansprechperson Queeres Berlin" ist Alfonso Pantisano formal lediglich ein Referent in der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, seine Stelle ist sogar nur bis 2026 befristet. Und doch agiert er so unabhängig und leidenschaftlich für die Sache wie kein*e andere*r der vielen Beauftragten für eine Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Kennt jemand den Namen des Queerbeauftragten von Rheinland-Pfalz? Na bitte!
Und neben den vielen Schlagzeilen hat Pantisano in gut einem Jahr auch eine ganze Menge auf die Reihe gekriegt – von der Einrichtung des Runden Tischs "Schutz vor queerfeindlicher Hasskriminalität" über den neuen Magnus-Hirschfeld-Tag bis zur Mpox-Impfung über die Gesundheitskarte. Aus Solidarität besuchte er im August den von Neonazis bedrohten CSD in Leipzig. Die rechtsextremen Gegenproteste bei so vielen Pride-Veranstaltungen in diesem Jahr sind übrigens ein Thema, bei dem ich eine große öffentliche Debatte sehr vermisse.
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Keine Gruppen gegeneinander ausspielen
Noch kurz zum eigentlichen Disput: Niemand bestreitet, dass Queerfeindlichkeit in manchen migrantischen Communitys ein besonderes Problem darstellt – ebenso wie in anderen Teilen der Gesellschaft. Über das vermeintliche "Tabuthema" wird seit Jahren heftig diskutiert. Gerade deshalb müssen wir aufpassen, nicht in Stigmatisierungen zu verfallen und Gruppen gegeneinander auszuspielen.
Alfonso Pantisano muss im Amt bleiben, auch weil er, der Sohn italienischer Zuwander*innen, neben Queerfeindlichkeit zu Recht immer wieder vor Rassismus warnt. Weil er weiß, wovon er spricht. Und weil bei dem toxischen Streit über Flucht und Einwanderung, der seit Wochen in Deutschland tobt, die queeren Migrant*innen am wenigsten gehört werden und als erstes unter die Räder kommen.
Mehr zum Thema:
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