Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?51254

Ataman kritisiert Queerfeindlichkeit

"Es wird ein Kulturkampf auf dem Rücken einer kleinen Minderheit geführt"

Die deutsche Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman beklagt, dass derzeit bestimmte Interessengruppen gerne auf Homophobie und Transfeindlichkeit setzen.


Ferda Ataman ist seit 2022 unabhängige Bundesbeauftragte für Anti­diskriminierung (Bild: Heinrich-Böll-Stiftung / flickr)

  • 10. Oktober 2024, 11:42h 2 Min.

Ferda Ataman, die unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, hat in einem Interview mit der "Rheinischen Post" das am 1. August in Kraft getretene Selbstbestimmungsgesetz verteidigt und bestimmte Gruppen beschuldigt, Hass auf trans Menschen zu instrumentalisieren.

Dabei betonte sie, dass trans Menschen weit überdurchschnittlich Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt seien. "In manchen Gegenden müssen sie sich Sorgen machen, gejagt und verprügelt zu werden", erläuterte Ataman. "Aber auch am Arbeitsplatz werden sie oft diskriminiert oder erleben, dass nicht akzeptiert wird, wenn jemand nicht mehr Robert heißt, sondern Roberta. Viele verheimlichen deshalb ihre trans Identität."

In der Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz habe sie sich sehr gewundert, "dass manche behaupteten, man könne nun sein Geschlecht nach Lust und Laune ändern. Warum sollte sich jemand zum Spaß so heftigen Diskriminierungen aussetzen?", fragte die Chefin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Ihrem Eindruck nach hätten sich "bestimmte Gruppen, in denen Homophobie und Transfeindlichkeit anschlussfähig sind", besonders mit dem Thema beschäftigt. Das Selbstbestimmungsgesetz betreffe zwar nur eine recht kleine Gruppe, so Ataman. "Die Debatte wurde aber so geführt, als würde sich für jede Familie etwas ändern, als würden reihenweise Kinder nach Hause kommen und sagen: So, ab jetzt bin ich kein Junge mehr, ab jetzt bin ich ein Mädchen."

Ataman: Rechtsextreme Denkfabriken haben das Thema entdeckt

Als Grund für diese Entwicklung führte Ataman aus: "Es wird ein Kulturkampf auf dem Rücken einer kleinen Minderheit geführt. Rechtsextreme Denkfabriken sagen schon lange, dass dieses Thema für ihre Zwecke gut funktioniert." Zudem vermutete sie, dass nur wenige Menschen trans Leute aus ihrem persönlichen Umfeld kennen. "Gegen das vermeintlich Fremde, Gefährliche, ließ sich schon immer gut hetzen, das wissen wir aus langer Erfahrung", so die Antidiskrimierungsbeauftragte.

Ferda Ataman wurde 2022 vom Deutschen Bundestag nach einem längeren Streit zur Chefin der Antidiskriminierungsstelle gewählt (queer.de berichtete). Seither macht sie Druck auf die Regierung, mehr für Gleichbehandlung zu tun. Erst kürzlich kritisierte sie eine geplante Erweiterung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) als unzureichend (queer.de berichtete). (dk)

-w-