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"Es braucht mehr Geld"
Zum Coming-out-Tag: anyway fordert mehr Engagement gegen Queerfeindlichkeit an Schulen
Das Jugendzentrum anyway schlägt Alarm: Vor vier Monaten veröffentlichte es eine Studie, wonach queere Schüler*innen in Köln häufig unter queerfeindlicher Gewalt leiden. Doch getan hat sich nichts.

Das anyway auf dem CSD Köln: "Lesbische, schwule, bisexuelle, trans, inter* und queere Schüler*innen werden buchstäblich im Regen stehen gelassen" (Bild: Marius Steffen)
- 10. Oktober 2024, 14:31h 2 Min.
Am 11. Oktober wird auch dieses Jahr wieder der Coming-out-Tag begangen. Wer in Köln zur Schule geht und anlässlich dieses Tages ein Coming-out in der Klasse plant, der denkt besser zweimal darüber nach. Denn die Queerfeindlichkeit an Kölner Schulen ist besorgniserregend hoch, wie aus einer im Juni vom queeren Jugendzentrum anyway veröffentlichten Studie hervorgeht (queer.de berichtete). Demnach ist jeder zweite Schüler bzw. jede zweite Schülerin Opfer von queerfeindlicher Gewalt durch Mitschüler*innen und Lehrer*innen.
Vier Monate nach der Veröffentlichung der Untersuchung beklagt das Kölner Jugendzentrum anyway, dass sich nichts getan habe – und fordert die Politik auf zu handeln: "Obwohl wir die Zahlen in Jugendhilfeausschuss und Schulausschuss vorgetragen haben, gibt es bisher keine Konsequenz", so anyway-Vorstandsmitglied Jürgen Piger am Donnerstag. "Lesbische, schwule, bisexuelle, trans, inter* und queere Schüler*innen werden buchstäblich im Regen stehen gelassen."
Kürzungen wären "falscher Schritt"
In Zeiten von Sparpolitik sei zu befürchten, dass auch bei den Aufklärungs- und Antidiskriminierungsworkshops sowie bei der queeren Jugendarbeit gekürzt werde. "Das wäre angesichts steigender Queerfeindlichkeit genau der falsche Schritt. Es braucht mehr Geld, um auf die immer schlimmer werdende Situation für junge LSBTIQ* zu reagieren." Zuletzt hatten mehrere queere Organisationen gegen Sparpläne der NRW-Landesregierung protestiert (queer.de berichtete).
Auch die drei langjährigen Promi-Botschafter*innen des anyway-Antidiskriminierungsprojektes "WiR* – Wissen ist Respekt", die frühere Prince Charming Irina Schlauch, die trans Bundestagsabgeordnete Nyke Slawik (Grüne) und der Journalist und Moderator Benni Bauerdick, zeigen angesichts der Untätigkeit Unverständnis – und berichten von eigenen Erfahrungen: "Ich muss leider feststellen, dass mir immer mehr Jugendliche auf Instagram schreiben, die an ihren Schulen mit Queerfeindlichkeit konfrontiert werden", erklärte etwa Schlauch. "Ich hätte mir in meiner Schulzeit geschulte Anlaufstellen und Peer-to-Peer-Projekte gewünscht, bei denen ich nicht erst für Verständnis werben muss", so Slawik. Bauerdick ergänzte: "Queere Sichtbarkeit ist so wichtig, damit sich junge Menschen in ihrem Coming-out-Prozess nicht allein fühlen."
Dominik Weiss, der Projektleiter von "WiR* – Wissen ist Respekt", berichtet ebenfalls von einer sich verschlechternden Situation. So würden immer, Schüler*innen verbal aggressiv oder versuchen, den Ablauf der Workshops zu stören. "Wir machen niemanden schwul und wollen auch niemandem eine Meinung überstülpen", erklärte Weiss. (pm/cw)















