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Mecklenburg-Vorpommern
Wieder Flaggen in Neubrandenburg gestohlen
Neubrandenburg geriet in die Schlagzeilen, weil dort immer wieder eine Regenbogenflagge abgenommen und durch eine Hakenkreuz- oder NS-Fahne worden war. Nun ist die Stadtflagge gestohlen worden.

Archivbild aus dem Jahr 2016: Bahnhof Neubrandenburg ohne Flaggen (Bild: IMAGO / BildFunkMV)
- 16. Oktober 2024, 03:12h 3 Min.
In Neubrandenburg sind erneut Flaggen gestohlen worden – diesmal drei mit dem Stadtwappen und zwei Image-Flaggen der Stadt. Sie fehlten zu Wochenbeginn vor dem Rathaus und vor dem Bahnhof, wie ein Stadtsprecher sagte. Vier Flaggen seien bereits ersetzt worden, eine müsse nachbestellt werden. Zuvor hatte der "Nordkurier" berichtet.
Neubrandenburg war in die Schlagzeilen geraten, nachdem Unbekannte in den vergangenen Monaten die Regenbogenflagge, die auf dem Bahnhofsvorplatz neben anderen Fahnen wehte, mehrfach abgenommen und durch eine Hakenkreuz- oder NS-Fahne ersetzt hatten (queer.de berichtete). Schließlich beschloss die Stadtvertretung am 9. Oktober mehrheitlich, die Regenbogenflagge am Bahnhof nicht mehr zu hissen (queer.de berichtete).
Mehr als 11.500 unterzeichnen Online-Petition
Das sorgte für viel Kritik. Am Freitag demonstrierten rund 200 Menschen gegen den Beschluss der Stadtvertretung. Eine am Samstag gestartete Online-Petition unterzeichneten bis Mittwochfrüh mehr als 11.500 Menschen.
Die Initiator*innen fordern die Stadtvertretung von Neubrandenburg auf, ihre Entscheidung rückgängig zu machen und das Hissen der Regenbogenflagge wieder zuzulassen. "Gerade in einer Stadt wie Neubrandenburg, die für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben stehen sollte, ist es wichtig, diese Werte auch nach außen zu zeigen", heißt es unter anderem in der Petition. Das Verbot der Regenbogenflagge vermittele jedoch das falsche Signal. "Statt Einheit und Zusammenhalt zu fördern, droht es, Spaltung zu begünstigen." Die Regenbogenflagge stehe nicht nur für die Rechte der LGBTI-Community, sondern für den gemeinsamen Kampf aller Menschen gegen Ausgrenzung und Intoleranz.
Demo pro Regenbogenflagge am Donnerstag
Für Donnerstag ist eine weitere Demonstration vom Rathaus durch das Katharinenviertel angekündigt. Der Verein queerNB rief dazu auf, Regenbogenflaggen an privaten Fenstern, Balkonen und Flaggenmasten aufzuhängen.
Schwuler Oberbürgermeister tritt zurück
Neubrandenburgs schwuler Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) hat nach dem Beschluss der Stadtvertretung, die Regenbogenfahne vor dem Bahnhof wieder abzuhängen, seinen vorzeitigen Rücktritt zum Mai 2025 angekündigt (queer.de berichtete). Der Druck auf seinen Ehemann, seine Familie und Freund*innen sei zu hoch geworden, erklärte er dazu Ende letzter Woche bei einer Podiumsdiskussion in Berlin (queer.de berichtete).
Der Beschluss der Stadtvertretung ging auf einen Antrag eines Rechtspopulisten zurück. Zugestimmt hatten die rechtsextreme AfD, die stärkste Partei im Stadtparlament, sowie Mitglieder des BSW und der rechten Wählervereinigungen Projekt NB und Bürger für Neubrandenburg. Das Verbot der Regenbogenfahne am Bahnhof und der Rücktritt riefen scharfe Reaktionen auch außerhalb von Mecklenburg-Vorpommern hervor, in denen demokratische Politiker*innen Sorgen über die Akzeptanz von Minderheiten in Deutschland zum Ausdruck brachten (queer.de berichtete).
Witt wurde 2022 mit großem Vorsprung wiedergewählt
Silvio Witt hatte sich in der Vergangenheit immer wieder für ein weltoffenes und tolerantes Neubrandenburg ausgesprochen – unter anderem als Schirmherr von CSD-Veranstaltungen. In den sozialen Medien hatte sich der 45-Jährige auch selbst mit der Regenbogenfahne gezeigt. Seine reguläre Amtszeit würde noch bis 2029 dauern.
Silvio Witt ist seit 2015 Oberbürgermeister der drittgrößten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns. Er wurde im Jahr 2022 mit großem Vorsprung vor seinem einzigen Gegenkandidaten wiedergewählt. (cw/dpa)















