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Interview

Was verbindet Sonnenblumen und Coming-out, Liam Mollica?

Das australische Drama "Sunflower" gehörte zu den Highlights des Queerfilmfestivals im September, aktuell läuft der Film in Österreich. Wir sprachen mit Hauptdarsteller Liam Mollica über Anderssein, Homophobie und Nacktszenen.


Liam Mollica als schwuler Teenager Leo in "Sunflower" (Bild: Pancake Originals)

Der 17-jährige Italo-Australier Leo entdeckt seine Liebe zu anderen Jungs, besonders zu seinem besten Kumpel Boof. Gabriel Carrubba erzählt in seinem Debütfilm "Sunflower" seine eigene Coming-out-Geschichte. Im September war das bewegende Drama beim Queerfilmfestival zu sehen, aktuell läuft es in einigen Städten Österreichs (siehe Kasten unten).

Ein Sonnenblumen-Feld in goldenem Licht wird zum wiederkehrenden Bild (und Poster-Motiv) in diesem Film. Mit nacktem Oberkörper streift Leo durch die Blumen. Gespielt wird er von Liam Mollica, der sein Spielfilm-Debüt gibt.

Mit dem jungen Schauspieler haben wir uns über "Sunflower" unterhalten.


Poster zum Film: Ein deutscher Kinostart von "Sunflower" steht bislang nicht fest

Mister Mollica, was bedeutet die Sonnenblumen-Metapher für Sie?

Eine Sonnenblume kann am Anfang ziemlich hässlich aussehen, erst wenn sie erblüht, kommt die gesamte Pracht zum Ausdruck. Unser Regisseur Gabriel Carrubba hat den Film auf seiner eigenen Coming-out-Erfahrung aufgebaut, die für ihn viel mit diesem Aufblühen zu tun hatte. Er fühlte sich am Anfang hässlich und nicht wie sein wahres Ich, aber als er sich geoutet hat, war es für ihn, als würde er aufblühen und schön werden, wie eine Sonnenblume es tut.

Wie haben Sie die Rolle von Leo bekommen?

Ich habe bereits 2017 mit Gabriel zusammengearbeitet bei seinem Abschluss-Kurzfilm. Fünf Jahre später kam er mit dem Drehbuch von "Sunflower" auf mich zu, das damals noch "17" hieß und ein Kurzfilm war. Es war ursprünglich nicht als Spielfilm geplant. Er bot mir die Rolle sofort an, aber weil ich so nervös war, bat ich ihn, ob ich für die Rolle vorsprechen könnte. Ich habe vorgesprochen, und er fand immer noch, dass ich für die Part geeignet bin. So bekam ich die Rolle, was fantastisch war. Das war 2020, und ein paar Jahre später begannen wir mit den Dreharbeiten.

Haben Sie Gemeinsamkeiten mit Ihrer Figur des Leo?

Als Schauspieler muss man nicht unbedingt dem Charakter ähneln, den man spielt, aber ich fand viele Gemeinsamkeiten mit Leo. Es ist wichtig, die Ähnlichkeiten mit jedem Charakter, den man spielt, zu erkennen. Bei Leo war es für mich so: In der Highschool war ich oft mit hypermaskulinen Menschen unterwegs, obwohl ich ein Theater- und Dramakind war. Ich habe versucht, dazu zu gehören und maskulin zu sein, aber das war ich nicht. Das habe ich mit Leo gemeinsam. Er versucht oft, jemand zu sein, der er nicht ist. Das war sehr ähnlich zu meiner eigenen Schulzeit. Aber es gibt auch viele Unterschiede, denn ich war immer extrovertiert und sehr expressiv, während Leo ein introvertierter Mensch ist, der vieles in sich hineinfrisst.

Es gibt die Diskussion, wonach queere Figuren nur von queeren Menschen gespielt werden sollen. Der "Queer as Folk"-Macher Russell Davies fordert das rigoros. Umgekehrt sah man Daniel Craig in Venedig in "Queer" nicht zum ersten Mal in einer schwulen Rolle. Wie sehen Sie das?

Zuerst einmal respektiere ich die Meinungen zu diesem Thema. Beide Seiten sind völlig legitim. Für mich liegt es jedoch am Regisseur, der jemanden besetzen wird, der am besten zur Vision des Projekts passt. Gabriel machte einen Film über seine eigene Coming-out-Erfahrung und fand, dass ich am besten zu seiner Vision passe. Das ist für mich der wichtigste Punkt: Derjenige, der besetzt wird, sollte am besten zur Vision des Schöpfers passen.

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Australien wird oft als liberale und entspannte Gesellschaft wahrgenommen. Wie groß ist das Problem der Homophobie in Ihrem Land, wie geht die Gesellschaft und die Medien damit um?

Homophobie in Australien wird meiner Meinung nach nicht mehr so offen gezeigt wie in den 1980er oder 1990er Jahren. Vieles geschieht im Verborgenen, durch kleine, gehässige Kommentare, die man auf der Straße hört. Sie existiert nach wie vor, was nicht gut ist, und hoffentlich erreichen wir einen Punkt, an dem sie nicht mehr existiert, denn darauf arbeiten wir hin. Es hängt allerdings immer auch sehr stark davon ab, woher man kommt.

Sie sagten, dass Sie schon seit Ihrer Kindheit extrovertiert sind. Wie fühlen Sie sich bei intimen Szenen, in denen Sie halb nackt sind? Ist das für eher unangenehm oder Teil des Jobs?

Zu Beginn kann das sehr einschüchternd sein, aber irgendwann erreicht man einen Punkt, an dem es nur noch um die Arbeit geht. Man versucht einfach, das darzustellen, was die Szene benötigt. Bei "Sunflower" gibt es zum Beispiel Szenen, in denen Leo sehr unbeholfen ist oder die Szene sehr aufregend ist. Man versucht, genau das zu vermitteln, was die Szene erfordert.

Verlassen Sie sich auf Intimitätskoordinatoren oder vertrauen Sie da einfach auf die Regie und das Gefühl?

In Australien sind Intimitätskoordinatoren inzwischen sehr verbreitet. Von meinen letzten fünf Projekten hatten drei einen Intimitätskoordinator. Bei "Sunflower" hatten wir keinen, weil wir so lange probten und uns als Schauspieler und mit dem Regisseur so wohl fühlten. Wir hatten immer das Gefühl, dass wir uns sicher fühlen und jederzeit sagen konnten, wenn etwas unangenehm war.


Sie schreiben auf Instagram, dass der Film Ihr Leben verändert hat. Inwiefern?

Der Film lief in Australien im Kino, was großartig war. Eine Hauptrolle gibt einem Schauspieler die Chance, gesehen zu werden. Es reicht eine Person, die an dich glaubt, und für mich war das Gabriel. Das ist eine unglaubliche Möglichkeit, wofür ich sehr dankbar dafür. Es hat mir eine ganz neue Perspektive gegeben.

Welche Reaktionen vom Publikum haben Sie bekommen?

Ich habe Nachrichten von Menschen aus Australien und der ganzen Welt erhalten. Die eindrucksvollste Erfahrung war, als ich mich in eine Vorführung in Westaustralien geschlichen habe. Nach dem Film standen die Zuschauer auf, und einige kamen zu mir und umarmten mich weinend. Eine ältere Dame flüsterte mir "Danke" zu, und das war unglaublich bewegend für mich. Das ist im Grunde alles, was ich als Schauspieler erreichen will.

Infos zum Film

Sunflower. Drama. Australien 2023. Regie: Gabriel Carrubba. Cast: Liam Mollica, Luke J. Morgan, Daniel Halmarick, Olivia Fildes, Mia Barrett, Dylan Laguerre, Uisce Goriss-Dazeley, Diana Ferreira. Laufzeit: 84 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih. Salzgeber. Der Film wird am 22. Oktober 2024 in Innsbruck sowie am 24. Oktober in Klagenfurt aufgeführt. Ein deutscher Kinostart steht noch nicht fest
Galerie:
Sunflower
12 Bilder
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