https://queer.de/?51352
Verbotskultur
Russland bestraft jetzt auch "Werbung" für Kinderlosigkeit
Nachdem bereits die "Werbung" für Homosexualität seit mehr als zehn Jahren verboten ist, geht Russland weiter gegen den angeblichen Verfall der traditionellen Wertvorstellungen vor – mit neuen Verboten.

Staatschef Wladimir Putin schränkt die Freiheiten seines Volkes immer weiter ein, angeblich um traditionelle Wertvorstellungen zu schützen (Bild: Пресс-служба Президента РФ / Roman Kubanskiy / wikipedia)
- 18. Oktober 2024, 12:37h 2 Min.
Das russische Parlament hat ein Verbot von "Werbung" oder "Propaganda" für ein freiwilliges Leben ohne Kinder auf den Weg gebracht, weil zu wenige Kinder in dem Land geboren werden. Wer sich in dem 145 Millionen Einwohner*innen zählenden Land offen für Kinderlosigkeit einsetzt, dem drohen künftig hohe Geldstrafen zwischen 400.000 Rubel (3.800 Euro) für einfache Bürger und fünf Millionen Rubel (47.600 Euro) für juristische Personen, heißt es in einem in erster von drei Lesungen angenommenen Gesetz der Staatsduma in Moskau.
Die Abgeordneten stimmten mit großer Mehrheit für das Verbot der "Childfree"-Bewegung. Die Ideologie der Kinderlosigkeit führe zu einem Verfall der traditionellen Wertvorstellungen in der Gesellschaft und letztlich zu einem Aussterben der Bevölkerung, hieß es. Damit wendet der Staatsapparat eine ähnliche Rhetorik wie im Kampf gegen LGBTI-Rechte an. Bereits 2013 hatte das Land "Werbung für nichttradtionelle sexuelle Beziehungen" verboten (queer.de berichtete). Zuletzt ging er immer härter gegen queere Menschen vor. Im März setzte die Regierung die "internationale LGBT-Bewegung" etwa auf die Terror-Liste (queer.de berichtete).
Russlands Probleme: Sinkende Geburtenraten und Abwanderung ins Ausland
Zudem kämpft Russland seit Jahren ohne durchschlagenden Erfolg gegen sinkende Geburtenraten – das Land hat heute weniger Einwohner*innen als in den Neunzigerjahren. Putin gab zuletzt offiziell als Ziel aus, dass russische Familien drei oder mehr Kinder haben sollten und dies Standard sein sollte. Er selbst hat nach offiziellen Angaben zwei Töchter.
Für das Sinken der Geburtenrate gibt es mehrere Gründe. So kamen in den von Armut und Chaos geprägten Neunzigern vergleichsweise wenig Kinder zur Welt, die heute selbst Nachkommen zeugen können. Nach Angaben der Statistikbehörde Rosstat brachte eine Frau 2023 im Durchschnitt 1,41 Kinder zur Welt. Zudem verlassen seit Jahrzehnten mehr Menschen Russland als umgekehrt.
Putins Machtapparat versucht seit Jahren, auch finanzielle Anreize zu schaffen für das Kinderkriegen. Nicht zuletzt gibt es auch in der russisch-orthodoxen Kirche offene Aufrufe, für Russlands Kriege mehr Soldaten zur Welt zu bringen. Diskutiert wurde außerdem, ob wieder eine Steuer für Kinderlose wie zu Zeiten der Sowjetunion eingeführt werden solle. Auf diese Weise demonstrierte der kommunistische Staat seine Unzufriedenheit mit jenen Bürger*innen, die ihm nicht dabei halfen, die Armee aufzufüllen, wie die Zeitung "Kommersant" schrieb. In Putins Krieg gegen die Ukraine fielen bisher Zehntausende Russen. (dpa/cw)














