https://queer.de/?51413
Referendum gegen "Propaganda"-Musikfestival?
Schweizer Parteichef: ESC ist "Gehirnwäsche"
Die christlich-nationalkonservative Kleinpartei EDU würde gerne den ESC in Basel verhindern. Grund: Der Musikwettbewerb sei eine "Propagandaplattform für Homosexuelle, Nonbinäre und so weiter".

Weil mit Nemo eine queere Person den letzten ESC gewonnen hat, lehnt eine evangelikale Partei die Austragung des Musikevents in der Schweiz an (Bild: EBU / Corinne Cumming)
- 24. Oktober 2024, 11:47h 3 Min.
Daniel Frischknecht, der Chef der schweizerischen Partei Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU), hat im Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" (Bezahlartikel) den Eurovision Song Contest wegen der Sichtbarkeit queerer Menschen scharf kritisiert. Der ESC sei kein "unschuldiges Musikevent" mehr, sondern ein "hochpolitischer Anlass", insbesondere weil dort Homosexualität "geradezu zelebriert" werde, erklärte der 60-Jährige.
Die EDU hatte bereits im Sommer für Aufmerksamkeit gesorgt, als sie ein Referendum über die Austragung des ESC im Land angekündigt hatte (queer.de berichtete). Konkret will sie einen Kredit des Kantons Basel für die ESC-Organisation über 34,9 Millionen Franken (37,3 Millionen Euro) rückgängig machen. Die Partei muss dazu bis Samstag mindestens 2.000 beglaubigte Unterschriften von Basler*innen vorgelegt haben. Ein Volksentscheid fände dann am 24. November statt. Auch aus Teilen der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei, der größten Partei des Landes, kommt Unterstützung für das Referendum.
|
Der Eurovision Song Contest sei in den letzten 15 Jahren zu einer "Propagandaplattform für Homosexuelle, Nonbinäre und so weiter" geworden, beklagte Frischknecht. "Es geht um den Versuch einer Gehirnwäsche, bei der das Schweizer Fernsehen zuvorderst mitmacht." Dies habe Auswirkungen: "Alle, die sich nicht einem gewissen Konformitätsdruck unterwerfen, werden bestraft. Das Ganze hat sektenhafte Züge angenommen. Der ESC ist ein Brandbeschleuniger für solche Versuche, Andersdenkende mundtot zu machen. Letztlich geht es darum, die göttliche Ordnung zu zerstören und durch eine neue Ordnung zu ersetzen."
Frischknecht: Nemo will uns "permanent" Lebensstil aufzwingen
Insbesondere der Sieg des nichtbinären schweizerischen Musikstars Nemo stieß Frischknecht sauer auf. "Was Homosexuelle oder Nonbinäre in ihrem Privatleben machen, ist deren Angelegenheit. Aber das Problem ist, dass sie anderen permanent ihren Lebensstil, ihre Weltsicht aufzwingen wollen. Und am ESC wird das geradezu zelebriert", empörte sich der 60-Jährige. Erschwerend sei hinzugekommen, dass Nemo nach dem Sieg eine Dornenkrone aufgesetzt worden sei. "Für uns Christen ist das nicht einfach eine Performance. Nein, es ist Gotteslästerung! Nemo, der Nonbinäre, gebärdete sich als Erlöser", so der Politiker.
Zwar würde er als Christ eine Person wie Nemo – wie von der Bibel verlangt – natürlich auch lieben. Es sei nur "schade", dass "er" diese Gabe auf "missbräuchliche Art" verwende.
Frischknecht nannte auch einige andere Gründe, warum ihm der ESC nicht mehr gefällt. Dazu zähle etwa, dass es "Mobbing und Ausgrenzung" gegenüber der israelischen Teilnehmerin gegeben habe und angeblich "satanische" Inhalte.
Sollte das Referendum gegen den ESC scheitern, kündigte Frischknecht bereits weitere Schritte an. Dann werde seine Partei gegen "die Verschwendung der SRF-Gebührengelder für diesen Anlass vorgehen". Laut eurovision.de muss allein die gastgebende Fernsehanstalt zwischen 10 und 20 Millionen Euro zusätzlich investieren, wenn sie das Event austrägt. (dk)













