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ESC-Gewinnerin von 1982

Nicole wird 60: Ein bißchen Party

Seit ihrem legendären ESC-Sieg im Jahr 1982 mit "Ein bißchen Frieden" versucht Nicole, durch ihre Lieder die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Heute wird die Sängerin 60 Jahre alt.


Der ESC-Sieg 1982 war der Höhepunkt in Nicoles Musikkarriere (Bild: Archiv)

  • 25. Oktober 2024, 09:27h 5 Min.

Am 24. April 1982 gewann die damals 17-jährige Sängerin Nicole als erste Deutsche den Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute Eurovision Song Contest). Mit ihrer blütenweißen Gitarre in den Händen brachte sie dort in den frostigen Zeiten des kalten Krieges eine schnörkellose Friedenshymne auf die Bühne im britischen Harrogate. Zuvor hatte das ARD-Publikum 26 Jahre lang vergeblich auf einen deutschen ESC-Sieg gehofft – und würde weitere 29 Jahre warten müssen, bis Lena mit "Satellite" erneut für l'Allemagne die Schlager- bzw. Pop-Krone holt. Nicole, die am heutigen Freitag 60 Jahre alt wird, hat also einen ganz besonderen Platz in der ESC-Geschichte.

Dass die deutschen Interpretin bei der damaligen Abstimmung mit einem Friedenslied auch von Israel 12 Punkte erhielt, wurde seinerzeit auch als Versöhnungsgeste und Zeitenwende wahrgenommen. Nach ihrem Grand-Prix-Sieg bekam die junge Sängerin sogar eine offizielle Einladung der israelischen Regierung und trug bei ihrem Besuch in dem Land die Friedenshymne vor zu Tränen gerührten Soldaten vor.

Zur Völkerverständigung – und auch zu internationalen Chart-Erfolgen – trug zudem bei, dass Nicole ihren pazifistischen Superhit in Zusammenarbeit mit ihrem damaligen Produzenten Ralph Siegel (79) auch in sechs weiteren Sprachen wie Englisch ("A little Peace"), Niederländisch ("Een beetje vrede"), Dänisch ("En smule fred") oder Spanisch ("Un poco di paz") veröffentlichte. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurde die Single weltweit über fünf Millionen Mal verkauft und mehrfach mit Gold und Platin ausgezeichnet.

Gleichzeitig gab es an dem Stück damals auch viel Kritik: Wegen des schlagerhaften und naiv-kindlichen Textes könne es etwa als Friedenslied kaum ernstgenommen werden, hieß es. Wegen der biederen Inszenierung galt es in Feuilletons nicht als stilstiftend.

Der finnische Sänger Kojo, der damals in Harrogate mit einem sarkastischen und aufrüttelnden Friedenslied mit null Punkten den letzten Platz belegte, sagte nach der Show: "Wenn ich sehe, wer hier gewinnt, da bin ich auf dem falschen Festival." Kojos Song hieß "Nuku pommiin" (Schlafe bis zur Bombe). Während er "Wenn du jetzt nicht aufwachst, wirst du niemals aufwachen" sang, trällerte Nicole: "Ein bißchen Frieden, ein bißchen Träumen und daß die Menschen nicht so oft weinen."

Dass "Ein bißchen Frieden" ihr größter Hit bleiben sollte und sie mit ihren seit 1982 rund 30 weiteren veröffentlichten Alben nie wieder die Spitze der Charts eroberte und Edelmetall abräumte, hielt die Sängerin jedoch nicht davon ab, einfach weiterzumachen. Dabei veröffentlichte sie in regelmäßigen Abständen auch Lieder, in denen sie auch Stellung zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung nimmt. Wie etwa in dem Song "Nie Nie mehr" aus dem Jahr 2001, in dem sie Neonazis ins Visier nimmt oder in "Das Schweigen der Machos", der sich aus der Zeit gefallene maskuline Verhaltensweisen vorknöpft: "'Nen echten Macho kennst du dran / Dass er nur dreißig Wörter kann / Und damit labert er dich an".

Nicole will keine Schlagersängerin sein

Als Schlagersängerin hat sich die am 25. Oktober 1964 in Saarbrücken geborene Künstlerin nie gesehen. In einem Gespräch mit "Planet Interview" sagte sie dazu vor einigen Jahren Folgendes: "Man wird in Deutschland sofort kategorisiert. Gegen dieses Schubladendenken kämpfe ich seit 30 Jahren. Ich will experimentieren, auch Themen behandeln, die, wie manche sagen, im klassischen Schlager nichts zu suchen haben. Wenn man sich meine Alben anhört, muss man sehr differenzieren, und dann gibt es eben keine Kategorie für mich".

Sie sei zwar eine Entertainerin, habe sich jedoch stets geweigert, ihren Fans etwas vorzuspielen, was sie nicht wirklich ist, nur um kommerziell erfolgreicher zu sein. "Nein, ich kann mich nicht verbiegen", so Nicole. "Ich kann nur machen, was ich 100% vertreten kann. Ich kann mir nicht plötzlich eine Lederkluft anziehen, mit der Harley rumfahren und Rocklieder singen. Das will ich nicht, dafür sind andere zuständig."

Nicole ist kein Fan des gegenwärtigen ESC

Wie sie kürzlich in einem Interview mit Schlager.de verriet, kann sie auch mit der Entwicklung des Eurovision Song Contest zu einem bombastischen Mega-Spektakel nicht viel anfangen. Was sie dort in den letzten Jahren zu sehen bekam, rufe bei ihr "einige Bedenken auf", was dazu geführt habe, dass sie "da irgendwie raus aus der Nummer" sei. "Es ist mittlerweile schrill, es ist laut, es ist für mich manchmal beängstigend", so die einstige Grand-Prix-Königin. "Es gewinnen Titel, wo ich weder ein Liedgut noch großartigen Gesang feststelle. Da werden mittlerweile einfach die technischen Möglichkeiten so ausgenutzt, dass man eigentlich vergisst, was das für ein Wettbewerb ist. Es ist doch ein Lieder-Wettbewerb! Da geht es doch um das beste Lied, die beste Komposition, den besten Text und die beste Interpretation. Das Ganze muss eine Einheit sein."

Ihr kritischer Blick auf die Unterhaltungsbranche hat Nicole nie abheben lassen, von allzu großem Medienrummel hielt die Mutter zweier Töchter stets Abstand. Der "Augsburger Allgemeinen" beteuerte sie, dass bei ihr die Familie immer an erster Stelle stand: "Ich habe es glücklicherweise im Leben ganz gut geschafft, Beruf und Familie dank meiner Eltern und Schwiegereltern unter einen Hut zu bringen. Ich hatte aber auch eine eiserne Regel, nach der ich gelebt habe: Zehn Tage Beruf, 20 Tage Familie. Davon bin ich nie abgewichen."

Auf ihr familiäres Umfeld und die Gemeinschaft des saarländischen Dorfes Neunkirchen, in dem sie mit ihrem Ehemann seit vielen Jahren lebt, konnte sich die Sängerin auch in der wohl bisher schwersten Zeit ihres Lebens verlassen. Nachdem Ende 2020 bei ihr Brustkrebs diagnostiziert wurde, drang dazu keinerlei Information an die Öffentlichkeit. Erst im Juli 2022 lüftete sie das Geheimnis und gab zugleich bekannt, die bösartige Krankheit überstanden zu haben.

Nicole gratuliert sich selber zum Geburtstag

Danach machte Nicole mit dem weiter, was sie am besten kann: Höchstpersönliche Lieder singen, die ihren immer noch zahlreichen Fans unter die Haut gehen. In ihrem im Oktober 2022 veröffentlichten Album "Ich bin zurück" (Amazon-Affiliate-Link ) spiegelte sich die überstandene Krankheit wider. Und auch der Titel ihres für den 15. November angekündigten neuesten Werkes "Carpe Diem" (Deutsch: "Nutze den Tag") nimmt klaren Bezug auf die grundlegende Weisheit, die sie aus der schwierigen Zeit mitgenommen hat. Pünktlich zu ihrem 60. Geburtstag erscheint als Vorgeschmack eine Single, in der es ausschließlich um sie selbst geht. Der wohlverdiente Titel: "Ich gratuliere mir". (spot/cw)

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