https://queer.de/?51434
Rex Gildo
Der tragische Tod des schwulen Frauenschwarms
Heute vor 25 Jahren kam der deutsche Schlagerstar Rex Gildo auf tragische Weise ums Leben. Ein offen schwules Leben wagte Ludwig Franz Hirtreiter, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, nie.

Zu Lebzeiten stets um ein hetero Image besorgt: Schlagerstar Rex Gildo (Bild: IMAGO / teutopress)
- 26. Oktober 2024, 08:51h 3 Min.
Am 23. Oktober 1999 stürzte Rex Gildo (1936-1999) zwei Stockwerke tief aus dem Fenster seiner Münchner Wohnung, drei Tage später erlag er im Krankenhaus seinen schweren inneren Verletzungen. Ob der Sänger sich nach einem Streit mit seinem Assistenten das Leben nahm oder versehentlich im Alkohol- und Medikamentenrausch abstürzte, ist bis heute unklar.
Zum Zeitpunkt seines fatalen Fenstersturzes war die Karriere Rex Gildos bereits in ihrer traurigen Endphase angelangt. Nur wenige Stunden zuvor hatte er in dem Möbelhaus "Wohnparadies" des hessischen Städtchens Bad Vilbel seinen letzten Auftritt absolviert. Die goldenen Zeiten, in denen er mit der Darbietung seiner Hits wie "Fiesta Mexicana", "Der letzte Sirtaki" oder "Marie, der letzte Tanz ist nur für dich" noch große Hallen füllen konnte, waren eindeutig vorbei.
"Sexy Rexy" fällt auseinander
Seine große Zeit waren die 1960er und 1970er, als er zunächst an der Seite von Partnerinnen wie Conny Froboess (80) oder Gitte Haenning (78) in der Unterhaltungsbranche reüssierte, bevor er als Solo-Künstler zu einem der größten Schlagerstars seiner Zeit aufstieg. In den weiteren Jahrzehnten konnte der vorherige Top-Entertainer trotz einiger verzweifelter Comeback-Versuche nicht mehr an seine vorherigen Erfolge anknüpfen.
Mit zunehmendem Alter kam dem stets braungebrannten Sänger mit dem strahlend weißen Lächeln und dem pechschwarzen Toupet zunehmend sein einstiger Nimbus als hüftenschwingender "Sexy Rexy" abhanden. Wenn sich die Presse überhaupt noch für ihn interessierte, dann vornehmlich für seine angeblichen Probleme.
Scheinehe mit der eigenen Cousine
Sein Schwulsein hatte der Schlagerstar zu Lebzeiten stets bestritten – zahlreiche Hinweise gab es dennoch: So gab Rex Gildo seinen Entdecker und Manager Fred Miekley (gest. 1988), mit dem er jahrelang unter demselben Dach lebte, gegenüber der Öffentlichkeit als seinen Onkel aus. Zum Schein heiratete der Schlagersänger 1974 seine Cousine Marion Ohlsen, verschwieg jedoch das Verwandtschaftsverhältnis und stellte die Braut als eine reine Zufallsbekanntschaft dar. Auf dem Münchner Ostfriedhof ist Rex Gildo unter seinem bürgerlichen Namen Ludwig Franz Hirtreiter bestattet – gemeinsam mit Miekley und Hirtreiter.

Auf ewig vereint mit Lebenspartner und Scheinfrau: Grab von Rex Gildo in München (Bild: Sabinchen63rex / wikipedia)
Nachdem es lange Jahre ruhig um Rex Gildo war, machte 2022 der schwule Regisseur Rosa von Praunheim (81) mit seinem semi-dokumentarischen Filmdrama "Rex Gildo – der letzte Tanz" das Versteckspiel der abgestürzten Schlager-Ikone und die Homophobie der 1970er Jahre zum Thema. In einer originellen Mischung aus frei inszenierten Spielfilmszenen (unter anderem verkörpert Ben Becker seinen Lebenspartner Fred Miekley), Zeitzeug*innen-Interviews mit Weggefährten und kunterbuntem TV-Archivmaterial zeichnet von Praunheim darin das Bild eines Mannes, der sein wahres Ich bis zur totalen Selbstverleugnung vor der Öffentlichkeit geheim hielt, um sich dem normativen Druck der Gesellschaft anzupassen. (mize/spot)















