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Interview
Aaron Königs: "Die TV-Branche ist sehr hart, launisch und unbarmherzig"
Der ehemalige "Prince Charming"-Kandidat Aaron Königs ist mittlerweile ein fester Bestandteil des Reality-TVs. Im Interview spricht er über seine Rückkehr in die "ZDFtivi-WG", die Schattenseiten des Business und Quoten-Schwule.

Aaron Königs ist seit einigen Jahren aus der deutschen Reality-TV-Landschaft nicht mehr wegzudenken (Bild: ZDF / Ben Knabe)
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26. Oktober 2024, 09:55h 5 Min.
Aaron Königs (30) fällt in jedem Format auf – allein durch seine gelben Klamotten und seine "meist lustige" Art, die er in seiner Insta-Bio beschreibt. Aktuell erlebt er eine Hochphase im Reality-TV: Nach "Good Luck Guys" (Joyn) wird er ab dem 26. Oktober in einer besonderen Staffel der "ZDFtivi-WG" zu sehen sein, dem Format, in dem 2009 alles für ihn begann.
Gemeinsam mit 19 Teilnehmer*innen aus verschiedenen Staffeln feiert er dort das 15-jährige Jubiläum von "Die WG". Warum diese Erfahrung für den offen homosexuellen TV-Star besonders ist, verrät er im Interview mit queer.de. Zudem spricht er über Queerness in der TV-Branche und die Unsicherheiten des Erfolgs in dieser Domäne.
Aaron, deine TV-Karriere begann 2009 in der ersten Staffel von "Die Jungs-WG". Wie hat diese Erfahrung deine berufliche und persönliche Entwicklung beeinflusst?
Die Jungs-WG war für mich der Startschuss von allem. Hier konnte ich im Teenie-Alter entdecken, wieviel Spaß ich am Set und als Protagonist bei einer TV-Produktion habe, sodass ich im Erwachsenenalter Lust hatte, daran anzuknüpfen.
2024 feiert "Die WG" ihr 15-jähriges Jubiläum. Wie war es für dich, nach all diesen Jahren als ehemaliger Bewohner zurückzukehren?
Das war schon echt ein seltsames, aber tolles Gefühl. Durch den Ableger "Die Wohngemeinschaft" aus dem Jahr 2018 hatte ich allerdings schon die Erfahrung, wie es ist, als Erwachsener in die WGs zurückzukehren. Bei der Jubi-WG sind allerdings aus allen Staffeln welche dabei — auch viel, viel Jüngere als ich, das war auf den ersten Gedanken etwas befremdlich.

Sie wollen es noch einmal wissen: Hanna, Pauline, Aaron, Chantal und Dominik ziehen noch einmal in eine WG. Doch dieses Mal wird es kein Urlaub ohne Eltern. Challenges entscheiden, wer bleibt und wer von anderen ehemaligen WG-Bewohner*innen ersetzt wird (Bild: ZDF / Ben Knabe)
Was macht für dich den Reiz dieses Formats aus – und was können die Zuschauer*innen von dieser besonderen Staffel erwarten?
Die Jubi-WG unterliegt einem neuen Konzept mit Challenges – auf diese Neuerung hab ich mich sehr gefreut, auch wenn es natürlich mehr Nervosität und Bangen am Set bedeutet. Für die Zuschauenden wird es dadurch natürlich noch spannender.
Du bist mittlerweile nicht nur als Reality-TV-Star bekannt, sondern auch als Fürsprecher der LGBTI-Community. Wie wichtig ist es dir, diese Sichtbarkeit zu schaffen?
Wer mich kennt und verfolgt, der weiß, dass ich der Meinung bin, dass noch viel passieren muss hinsichtlich der Sichtbarkeit und Selbstverständlichkeit von Queerness. Dafür stehe ich stets und überall ein und werde das auch immer tun: das ist ein Versprechen.
Wie empfindest du den Umgang mit LGBTI-Themen im deutschen Fernsehen, insbesondere im Reality-TV-Genre? Siehst du dort Fortschritte oder gibt es noch viel zu tun?
Als 2019 "Prince Charming" und "Queen of Drags" kam, hatte ich etwas Hoffnung, dass sich das Reality-TV etwas öffnet. Leider sieht die Wahrheit anders aus: Bis heute wird in nicht ausgesprochenen Queer-Formaten leider immer noch sehr stereotypisch besetzt, die Erfahrung habe ich auch zuletzt bei "Good Luck Guys" gemacht. Allerdings habe ich selbst auch schon Absagen bekommen, weil die Rolle des "Quoten- Schwulen" offenbar schon besetzt war — auch wenn das so natürlich nicht kommuniziert wird.
Dadurch kann man sagen, dass ich durch meine sexuelle Identität faktisch schon Formaten nicht beiwohnen durfte. Neben "Princess" gibt es darüber hinaus aktuell kein queeres Dating-Format. Dagegen stehen "Bachelor", "Ex on the Beach", "Are You The One", "Temptation Island", "Are You The One VIP", "Love Island" und so weiter, und das find ich schade.
Welche Herausforderungen hast du als offen schwuler Mann im Reality-TV erlebt? Gibt es Momente, die dir besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Sobald man als queere Person die Community in einem nicht-queeren Format vertritt, steht man direkt vor Herausforderungen. Ich weiß noch, dass Simone Ballack mich bei "Promi Big Brother" einmal fragte, warum ich so "schwul" von meiner Art sei — es gäbe schließlich auch Schwule, denen man es nicht anmerken würde. Ich war so perplex, dass ich nicht angemessen antworten konnte. Ich war damals ja auch erst 25. Sie dachte tatsächlich, dass manche Schwule sich das freiwillig "antrainieren" und dann "den weiblichen Part" in der (Sexual)-Beziehung übernehmen. Wie absurd das ist, muss ich nicht erst erklären. Es gibt übrigens auch immer noch schwule Männer die das so sehen – absurd.
Mit deiner authentischen und positiven Art hast du viele Fans gewonnen. Wie gehst du mit der Verantwortung um, als Vorbild für junge Menschen zu dienen?
Ich versuche eigentlich immer, möglichst echt und unverfälscht bei mir zu bleiben. Durch den Schnitt kann trotzdem viel verzerrt oder anders erzählt werden (auch die Erfahrung mache ich gerade bei "Good Luck Guys", da hab ich dann natürlich keinen Einfluss drauf. Und meistens passt das dann einfach ganz gut, denn wenn ich eins mitgeben möchte, dann: Bleibt bei euch!
Du hast an verschiedenen Reality-TV-Formaten teilgenommen. Welches Format war für dich bisher das herausforderndste und warum?
Die herausforderndsten Formate für mich waren "Promi Big Brother", "The Mole" und "Good Luck Guys". "The Mole" war ein echt hartes Game, das fast zwei Monate am anderen Ende der Welt gedreht worden war, und ich hatte einen schlimmen Infekt über fast vier Wochen. Biologisch jedoch völlig an meine Grenzen gekommen bin ich bei "Good Luck Guys", während "Promi Big Brother" durch die Gewichtigkeit der Show und die Live-Shows immer abends eine ganz andere Herausforderung waren.
Wie siehst du deine berufliche Zukunft? Gibt es Projekte oder Themen, die dir besonders am Herzen liegen und die du in der Zukunft weiterverfolgen möchtest?
Meine Einstellung der Branche gegenüber ist mittlerweile, dass ich es nehme, wie es kommt. Man kann hier eh schlecht planen: Die TV-Branche ist sehr hart, launisch und unbarmherzig. Du kannst super abliefern und unterhalten, und trotzdem ist dann im potentiellen Folge-Format dein Stereotyp schon besetzt mit jemandem, der vielleicht mehr Follower hat oder streitsüchtiger ist. Es ist eine der wenigen Branchen, die böse Menschen und schlechte Charaktere (durch den Ärger, den sie mitbringen) belohnt. Je problematischer du bist, desto wahrscheinlicher kommst du in jede große Show. Und da hab ich keine Lust, mitzumachen. Ich kann zum Glück ja bereits auf eine beachtliche TV-Karriere zurückblicken, die mir, egal wie es weiter geht, niemand mehr nehmen kann.
Links zum Thema:
» 15 Jahre "Die WG" auf ZDFtivi
Mehr zum Thema:
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» auf sissymag.de
05:55h, SWR:
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