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- 09. Juli 2006 3 Min.
Eine unsportliche Glosse zum WM-Finale.
Von Jürgen Friedenberg
Hauptsache, er ist drin! Der Fußball natürlich - im Tor des Gegners. Dann jubeln die Fans und die Jungs auf dem Rasen dürfen sich endlich einmal ohne Scheu voreinander und vor dem sittenstrengen Publikum so richtig umarmen. Da hat selbst der Papst nichts dagegen, der ja seine Brüder in Christo bei jeder sich bietenden Gelegenheit ebenfalls herzlich umarmt. Oder wenigstens so tut, als ob. Und die ihm dann aus lauter Dankbarkeit für diese so lange entbehrte leibhaftige Zuwendung seinen Ringfinger küssen.
Manche Sportshelden verteilen oder empfangen vor laufenden Fernsehkameras sogar zärtliche Streicheleinheiten. Auf diese Weise testen sie vorsorglich ihre Eignung als jugendliche Liebhaber in künftigen TV-Familienopern, denn man kann ja dem Ball nicht ewig nachrennen. Und an der Art, wie der erfolgreiche Torschütze sich nach dem Treffer seines T-Shirts entledigt, erkennen Experten bereits, ob der Kerl erforderlichenfalls auch einen spritzigen Strip hinlegen könnte.
Dass man als Mann ausnahmsweise auch mal ein paar Tränen vergießen kann, ohne deshalb als Weichei zu gelten, ist unter Fußballern eine neue Erkenntnis, für die man der WM 2006 nicht genug danken kann. Küsse hingegen, wenn man von den blutleeren Kusshändchen absieht, die die Akteure ihren Anhängern großzügig zuwerfen, Küsse sind nach wie vor verpönt. Obwohl sich doch auch der Papst in aller Öffentlichkeit küssen lässt. Allerdings nur auf seinen Ring, und meist hat er auch noch Handschuhe an – richtige aus Stoff oder Leder, keine Gummihandschuhe! Die wären zwar hygienischer und ließen sich nach den vielen Handküssen rasch wechseln. Aber Gummi erinnert doch sehr an die vom und im Vatikan geächteten Kondome, denn die kommen in der Bibel – leider - noch nicht vor.
Fußball meines Wissens auch nicht. Aber das macht nichts. Denn die von der FIFA verkündeten Regeln sind mindestens so streng wie die biblischen zehn Gebote und werden genau soviel oder sowenig befolgt. Nicht immer folgt die Strafe der Untat auf dem Fuße. Manches Foul bleibt ungesühnt, auch wenn die Fernsehaufzeichnung eindeutig eine Rüpelei nachweist. Das ist halt wie im richtigen Leben: Frechheit siegt. Und: Wer angibt, hat mehr vom Leben. Zum Beispiel, wenn er gestolpert ist und nun so geschickt fällt, als hätte sein Gegner ihm ein Bein gestellt. Gelbe Karte!
Ja, mit der Manndeckung hat so mancher Sportsfreund seine Probleme. Auf dem Fußballplatz, sonst natürlich nicht. Oder hat man schon mal was von einem schwulen Profi-Fußballer gehört? Ach so, den gibt es ja gar nicht. Belieben zu scherzen, ihr Weltmeister der Herzen!
9. Juli 2006














Fußballer als Seifenopernstars? Eine Umarmung zeigt gleich schwule Gefühle?
Papst und Fußball?
Und neben Tränen und Umarmungen gibts es eben auch solche Aktionen wie gestern von Zidane. Die will hoffentlich niemand als "typisch schwul" bezeichnen.