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Vorgetäuschter Angriff
Verurteilung von Jussie Smollett aufgehoben
Vor fünf Jahren wurde dem schwulen Schauspieler Jussie Smollett vorgeworfen, einen homophoben Angriff auf sich selbst inszeniert zu haben. Nun wurde das Urteil gegen ihn aufgehoben. Die Schuldfrage wurde jedoch nicht geklärt.

Dieser Mugshot von Jussie Smollett wurde 2019 von der Polizei veröffentlicht (Bild: Chicago PD)
- 22. November 2024, 01:40h 2 Min.
Der Schuldspruch gegen den US-Schauspieler Jussie Smollett wegen der Inszenierung eines rassistischen und homofeindlichen Angriffs ist wegen Verfahrensfehlern aufgehoben worden. Wie der Oberste Gerichtshof im US-Bundesstaat Illinois übereinstimmenden Berichten zufolge entschied, hätte ein Sonderermittler nicht in den Fall eingreifen dürfen, nachdem die örtliche Staatsanwaltschaft die Anklage gegen den heute 42-Jährigen ursprünglich fallen gelassen hatte. Der Beschluss bezieht sich nicht auf die Frage, ob Smollett unschuldig ist.
Die Entscheidung markiert eine überraschende Wende in einem aufsehenerregenden Strafprozess. Im Dezember 2021 war der frühere Star der US-Serie "Empire" in den meisten Anklagepunkten schuldig gesprochen und später zu 150 Tagen Haft verurteilt worden, von denen er wegen eines Antrags auf Berufung aber nur sechs Tage verbüßte. Geschworene in Chicago kamen damals zu dem Urteil, dass Smollett die Polizei mit falschen Angaben in die Irre geführt hatte (queer.de berichtete).
Smollett soll die Angreifer bezahlt haben
Dem schwulen Schwarzen Schauspieler wurde vorgeworfen, eine rassistische und homofeindliche Attacke gegen ihn inszeniert zu haben. Smollet hatte 2019 berichtet, er sei nachts in Chicago auf offener Straße von zwei Maskierten angegriffen und beleidigt worden. Die Angreifer hätten ihm unter anderem einen Strick um den Hals gelegt (queer.de berichtete).
Rasch wurden Zweifel an Smolletts Darstellung laut. Nach Überzeugung der Polizei soll der Schauspieler zwei Bekannte mit dem vorgetäuschten Angriff beauftragt haben. Von seiner Opferrolle soll er sich berufliche Vorteile erhofft haben. Die von Smollet mutmaßlich beauftragten falschen Angreifer hatten in dem ersten Verfahren ausgesagt, der Schauspieler habe sie für die Fake-Attacke bezahlt.
Im März 2019 hatte die Staatsanwaltschaft die 16 Anklagepunkte gegen Smollett dann überraschend fallen gelassen. Der Schauspieler musste einer Einigung zufolge lediglich Sozialstunden leisten und 10.000 Dollar zahlen (queer.de berichtete).
"Der Angeklagte hat seinen Teil der Strafe erfüllt"
Weil diese Entscheidung von der Polizei und in der Stadt Chicago scharf kritisiert wurde, nahm ein Sonderstaatsanwalt sich des Falls erneut an. Eine sogenannte Grand Jury erhob schließlich im Februar 2020 erneut Anklage gegen Smollett. Der Schauspieler wurde schuldig gesprochen und im März 2022 unter anderem zu einer Gefängnisstrafe von 150 Tagen verurteilt.
Die Anwälte des heute 42-Jährigen gingen in Berufung, während das Berufungsverfahren lief, wurde Smollett auf freien Fuß gesetzt. Am Donnerstag schließlich entschied das Gericht, dass die frühere Verurteilung eine Verfahrensverletzung darstelle. "Der Angeklagte hat seinen Teil der Strafe erfüllt", hieß es.
Smollett hatte die Vorwürfe stets bestritten und vor Gericht ausgesagt, er habe nicht gelogen. (cw/AFP/dpa)














