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Bestseller-Verfilmung
Taschentücher bereithalten: "Born for You" im Kino
Die wahre Geschichte um die Adoption eines Babys mit Downsyndrom durch einen schwulen Single dient dem Film "Born for You" als Vorlage, um auf die Diskriminierung von LGBTI und Alleinerziehenden in Italien aufmerksam zu machen.

Luca will die kleine Alba nicht mehr aus seiner Obhut geben und für seinen Familienwunsch kämpfen (Bild: Cinemien)
- Von Nathanael Di Battista
4. Dezember 2024, 04:34h 4 Min.
Knapp über 700.000 Follower*innen auf seinem Instagram-Kanal lässt Single-Dad Luca Trapanese mittlerweile an seinem Familienglück mit Töchterchen Alba teilhaben. Der von ihm und Luca Mercadante verfasste autobiografische Bestseller "Nata per te" ("Für dich geboren") erzählt von dem beschwerlichen, von Rückschlägen gepflasterten Weg zu seinem Vaterdasein. Denn Alba ist adoptiert. Und das stellt in diesem Fall eine Besonderheit in einem nach wie vor defizitären Rechtssystem dar, das sowohl nicht verheiratete und gleichgeschlechtliche Paare als auch Alleinstehende in Adoptionsfragen diskriminiert.
"Glaubst du etwa, wir sind in Schweden?" Diesen Spruch muss Luca (Pierluigi Gigante) in der Verfilmung seiner Lebensgeschichte mehrmals schlucken, dermaßen absurd scheinen seine Hoffnungen anfangs, die kleine Alba unter seine Fittiche nehmen zu können. Albas Fall ist ein spezieller, denn das kleine Baby ist mit dem Downsyndrom zur Welt gekommen. Die Mutter hat es nicht anerkannt, der Vater ist verschollen. Sie ist quasi eine Waise. Über dreißig potenzielle Pflegefamilien haben sie bereits abgelehnt. Ein trauriges Schicksal, das auch Luca, der bereits einen gemeinnützigen Job in einer sozialen Einrichtung für Menschen mit Behinderung ausübt, nicht kalt lässt. Seit jeher wünscht er sich schon ein Kind. Und nicht zuletzt wegen seiner Arbeitserfahrung sieht er die einmalige Möglichkeit gekommen, diesen seinen Wunsch endlich wahr werden zu lassen.
Mühsamer Kampf mit den Behörden

Poster zum Film: "Born for You" startet am 5. Dezember 2024 im Verleih von Cinemien im Kino
Führt man sich die Grundvoraussetzungen vor Augen, sollte es nach logischen Kriterien eigentlich kaum ein Problem sein, das Kind wenigstens vorübergehend in die liebevolle Fürsorge eines alleinstehenden Mannes wie Luca zu geben. Sollte. Maximal zwei Jahre "temporäres Sorgerecht" genehmigt der italienische Staat einer alleinstehenden Person, und das auch nur in Ausnahmefällen.
Bei der zuständigen Behörde begegnet man Luca, der offen schwul ist, mit interrogativem Argwohn. Die Entscheidung wird immer weiter hinausgezögert. Leidtragend ist schlussendlich nicht nur Luca, sondern insbesondere das Kind. Erst mit Unterstützung der engagierten Anwältin Teresa (Teresa Saponangelo) gelingt ihm ein kleiner Teilerfolg: Ein einziger Monat wird ihm gewährt. Das auch lediglich, weil die Kapazitäten des Krankenhauses, in dem die kleine Alba provisorisch untergebracht ist, über den Sommer hinweg eingeschränkt sind.
Als Luca Alba schließlich in den Armen schaukelt, ist er glückstrunken. Doch die Uhr tickt bereits. "Sie können Homosexuelle nicht explizit diskriminieren"; erklärt ihm Teresa, als die Fortführung des Sorgerechts – angeblich wegen seines Single-Status – einmal mehr in der Schwebe hängt. Allerdings sind spätestens durch die vorübergehende gemeinsame Zeit mit Alba Lucas Vaterinstinkte vollständig entfacht. Er will die Kleine nicht mehr aus seiner Obhut geben und für seinen Familienwunsch kämpfen!
Warmherziger Appell für Gleichberechtigung
Ganz in diesem Sinne beschert Fabio Mollos Verfilmung von Luca Trapaneses Lebensgeschichte nicht nur warmherzige Szenen, sondern versteht sich vor allem als mutmachendes Plädoyer mit klarer Message für ein systemisches Umdenken: Schluss mit der Benachteiligung von queeren Menschen beim Adoptionsrecht!
Das damalige Urteil zugunsten von Luca und Alba schrieb Geschichte: Es war die erste Adoption eines Kindes durch eine alleinstehende Person. Ob das italienische Adoptionsrecht in naher Zukunft weiter aufgeweicht wird, ist jedoch fraglich. Die Sterne stehen derzeit ungünstig. Denn die aktuelle ultrarechte Regierung unter Giorgia Meloni scheint alles andere als willens, der Schikane gegen Regenbogenfamilien und alle, die welche gründen wollen, ein Ende zu bereiten. Im Gegenteil: Nicht nur das Adoptionsrecht ist weiterhin stark eingeschränkt, auch Geburtsurkunden von gleichgeschlechtlichen Eltern werden angefochten und Leihmutterschaften regelrecht kriminalisiert.
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Sie existierten, existieren und werden auch in Zukunft existieren: alternative Konzepte von Familie und Elternliebe, die es verdienen, neben dem "traditionellen" heterosexuellen cis Familienbild zu (be)stehen! Seinen dringlichen und universellen Appell für Gleichberechtigung und Toleranz verpackt "Born for You" erwartbar crowdpleasing und zerhackt dramaturgisch die ein oder andere Zwiebel für Tränen. Der größte Gewinn sind die starken Darsteller*innen, die auch weniger subtile Momente auszubalancieren wissen. Allerspätestens in den Credits, als die Fotos vom echten Luca vereint mit seiner Tochter Alba über die große Leinwand flimmern, dürften dann selbst Steine erweichen.
Born for You. Drama. Italien 2024. Regie: Fabio Mollo. Cast: Barbora Bobulova, Iaia Forte, Liliana Bottone, Loris De Luna, Lucio Provenza, Pierluigi Gigante. Laufzeit: 113 Minuten. Sprache: italienische Originalfassung. Untertitel: Deutsch. FSK 6. Verleih: Cinemien. Kinostart: 5. Dezember 2024
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