https://queer.de/?5190
- 12. Juli 2006 3 Min.
Am Freitag tritt ein Reggae-Künstler in Köln auf, der in der Vergangenheit in Liedern zur Ermordung von Schwulen aufgerufen hat.
Von Dennis Klein
Vor einer Woche berichtete queer.de, dass Elephant Man bei einem Reggae-Festival zeitgleich zum CSD in Köln auftreten wird. Problematisch: Der 29-jährige Künstler hat 2001 eine Reihe von Liedern veröffentlicht, in denen er dazu auffordert, Schwule bestialisch zu ermorden. Zahlreiche queer.de-Leser haben sich darauf beim Veranstalter beschwert. Contour Music beschwichtigte: Der Künstler sei aus seinen "Rüpeljahren" erwachsen und habe versprochen, Lieder wie "We Nuh Like Gays" nicht mehr zu spielen. "Man sollte auch jedem Menschen das Recht einer Entwicklung seiner Geisteshaltung einräumen", argumentiert Klaus Maack von Contour Music. "Wir möchten uns an dieser Stelle zum wiederholten Male ausdrücklich von homophoben Aussagen distanzieren und stehen nach wie vor für ein tolerantes und offenes Miteinander der Kulturen".
Tatsächlich hat sich Elephant Man bislang im Gegensatz zu Kollegen wie Beenie Man oder Buju Banton an die Abmachung gehalten, nicht mehr zur Gewalt aufzurufen. Die beiden Künstler haben ihre schwulenverachtenden Aussagen ungeniert wiederholt - daher sind ihre Konzerte Anfang des Monats in England abgesagt worden (queer.de berichtete).
Elephant Man: "Das Leben ist heilig"
Elephant Man versicherte dagegen in einer Vereinbarung mit den europäischen Veranstaltern, sich zukünftig zurückzuhalten: "Während ich die Meinungsfreiheit für etwas Heiliges halte", so O'Neil Bryant, wie der Künstler bürgerlich heißt, "erkenne ich an, dass meine Musik nicht Gewalt gegen jedwede Gruppe befürworten sollte, weil alles menschliche Leben heilig ist." Die von ihm betriebene Dancehall-Musik sei eine jamaikanische Tradition, die "sowohl die harte Wirklichkeit des Lebens kommentiert als auch das Leben zelebriert". Er habe nicht die Absicht, zur Gewalt anzustacheln, daher "werde ich dafür sorgen, dass alle Texte, die so aussehen könnten, als ob sie das täten, nicht in meinen Konzerten oder in zukünftigen Aufnahmen vorkommen".
Die verklausulierte Vereinbarung enthält allerdings keine Entschuldigung für Texte wie "verbrennt sie (die Schwulen, Anm. d. Red.), erschießt sie, ergreift ihn, reißt ihm die Fingernägel aus, schlagt ihn mit einem Knüppel" (aus: "We nuh like gay" aus dem Jahr 2001). In Jamaika fordern Aufrufe dieser Art seit Jahren ihren Tribut: In den vergangenen Jahren wurden auf der kleinen Insel dutzende Schwule bestialisch ermordet. Besonders die regelrechte Exekution des bekanntesten Homo-Aktivisten Brian Williamson vor zwei Jahren hatte weltweit für Aufsehen gesorgt (queer.de berichtete).
Summerjam lud Sizzla aus
Tatsächlich ist Summerjam daran interessiert, schwulenfeindliche Äußerungen auf dem Festival zu unterbinden. So ist letztes Jahr der Reggae-Sänger Sizzla ausgeladen worden, weil der sich partout nicht den Mund verbieten lassen wollte. Diesen Kurs unterstützt auch der Lesben- und Schwulenverband (LSVD). "Der hoffentlich nachhaltige Wandel bei Elephant Man ist doch ein schöner, wenn auch kleiner Erfolg unserer Proteste seit 2004", erklärt LSVD-Geschäftsführer Klaus Jetz. "Den Musikern muss natürlich die Chance gegeben werden, sich positiv weiter zu entwickeln. Andernfalls liefen unsere Proteste ins Leere." Kämen aber unbelehrbare Hass-Sänger wie Beenie Man oder Sizzla nach Köln "wäre der LSVD längst aktiv geworden, hätte die Staatsanwaltschaft und Stadt Köln eingeschaltet sowie den Veranstalter aufgefordert, diesen Hass-Interpreten kein Forum zu bieten. Das gilt übrigens auch für Impaled Nazarene und andere suspekte Interpreten, die nicht aus Jamaika stammen."
Bleibt die Frage, ob sich Elephant Man wirklich verändert hat. Zwar wird seine Hetz-CD "Log On" in Deutschland nicht mehr offiziell verkauft. Der Song "Log On", in dem er davon fantasiert, Schwule zu verbrennen, sind aber hierzulande weiterhin auf diversen Compilations erhältlich - bei deren Verkauf verdienen der Künstler und die entsprechende Plattenfirma nach wie vor kräftig mit.
12. Juli 2006















Andernfalls bleibt der Verdacht, hier gehe man lediglich ein Schrittchen zurück, um den wirtschaftlichen Profit des Musikgeschäfts nicht zu gefährden.
Der Veranstalter Klaus Maeck muss da schon etwas deutlicher werden. Warum wird solch ein Scheiß überhaupt eingeladen?