https://queer.de/?51920
Tod im geschmückten Landhaus
"Tatort: Stille Nacht": Lohnt sich der queere Weihnachtskrimi aus Bremen?
Im "Tatort: Stille Nacht" müssen die Bremer Ermittlerinnen Moormann und Selb den Tod eines Familienoberhaupts aufklären. Der schwule Kapitän – gespielt von Matthias Freihof – wurde in seinem Haus erschossen.

Haben keine besinnlichen Weihnachten – und sind froh drum: die Bremer Ermittlerinnen Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer, l.) und Linda Selb (Luise Wolfram) im "Tatort: Stille Nacht" (Bild: Radio Bremen / Claudia Konerding)
- 7. Dezember 2024, 09:27h 3 Min.
Nach einem mutigen und wichtigen "Tatort" mit dem Falke-Krimi "Schweigen" (1. Dezember) steht am Sonntag (8. Dezember, 20:15 Uhr, das Erste) ein besonders atmosphärischer Weihnachtsfilm auf dem Programm. Im Whodunit-Krimi "Tatort: Stille Nacht" geht es um einen toten schwulen Kapitän.
Die Bremer Ermittlerinnen Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer, 35) und Linda Selb (Luise Wolfram, 37) haben Feiertagsdienst, was den beiden Singles mit teils schwierigen Familienverhältnissen privat ganz gelegen kommt. Dann werden sie zu einem Tatort gerufen: Kapitän Hendrik Wilkens ("Coming Out"-Star Matthias Freihof, 63) liegt erschossen in seinem Zimmer des ländlich gelegenen Familienanwesens.
Mord nach der familiären Weihnachtsfeier
Am Abend zuvor hatte er mit seinem Ehemann Bjarne Wilkens (Rainer Sellien, 61) und seinen Kindern Fabienne (Pia Barucki, 34) und Marco (Robert Höller, 36) nebst der Familie seines Sohnes und einem philippinischen Matrosen (Jernih Agapito, geb. 1991) Weihnachten gefeiert. Zunächst sieht es für die Kommissarinnen nach einem Raubmord aus. Doch wie sich dank modernster Technik herausstellt, dass niemand durchs Fenster eingestiegen ist.

Das Ehepaar Bjarne Wilkens (Rainer Sellien, l.) und Hendrik Wilkens (Matthias Freihof) unterhalten sich, bevor der Mord passiert (Bild: Radio Bremen / Claudia Konerding)
Lohnt sich das Einschalten? Ja. Selten zuvor gelang es einem "Tatort" rund um Weihnachten, derart viel weihnachtliche Atmosphäre mit Lichterketten und Schneeflocken in die Kulisse zu zaubern, ohne ins Kitschige abzurutschen. Das festlich geschmückte Fachwerkanwesen, in dem der Hauptteil des Krimis spielt, bleibt noch lange im Gedächtnis. Und auch das Finale ist ungewöhnlich rührend für einen Sonntagskrimi.
Agatha Christie lässt grüßen
Die romantische Umgebung steht im Kontrast zu den erfrischend unweihnachtlich gestimmten Hauptermittlerinnen und den unheimlich undurchsichtigen Anwesenden beim Familienfest, die allesamt verdächtig sind und in guter alte Whodunit-Krimimanier im Wohnzimmer zusammengerufen und vernommen werden – Agatha Christie (1980-1976) lässt grüßen. Angenehm ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Familienmitglieder durch die Bank von charismatischen Schauspieler*innen verkörpert werden, die noch nicht oft im Sonntagskrimi zu sehen waren.

Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) befragt Bjarne Wilkens (Rainer Sellien), den Ehemann des ermordeten Kapitäns (Bild: Radio Bremen / Claudia Konerding)
Für echte visuelle Highlights in dem Film, der fast ausschließlich aus der Perspektive der Kommissarinnen erzählt wird, sorgt die spannende Kameraführung von Christoph Krauss (59). Die Zuschauer*innen sehen immer wieder die wechselnden Annahmen vom Tathergang. Und auch die Musik – inklusive der Popmusik-Weihnachtsklassiker -, für die Komponistin Jessica de Rooij (43) und Hendrik Nölle verantwortlich zeichnen, trägt zum Krimivergnügen bei.
Für den gebürtigen Bremerhavener Regisseur Sebastian Ko (geb. 1971) ist der "Tatort: Stille Nacht" bereits der achte Sonntagskrimi seit seiner Premiere mit dem Kölner "Tatort: Kartenhaus" im Jahr 2015. Zuletzt entstand der ebenfalls sehenswerte Bremer "Tatort: Donuts" (2023) über die Autotuning-Szene vor Ort unter seiner Leitung. "'Tatort: Stille Nacht' ist ein klassischer Whodunit mit weihnachtlichem Herz: Vergebung und Schuld in einer Bremer Schneekugel", fasst Ko sein neuestes Werk sehr trefflich zusammen. Positiv hervorzuheben ist nicht zuletzt die völlig selbstverständliche Queerness. (cw/spot)
Mehr zum Thema:
» Matthias Freihof als schwuler Kapitän (05.12.2024)
» Mehr TV-Tipps zu LGBTI-Themen täglich auf queer.de
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
22:45h, One:
Maurice
Der erfolgreiche Börsenmakler Maurice versucht vergeblich gegen seine Homosexualität anzukämpfen.
Spielfilm, GB 1987- 2 weitere TV-Tipps »















