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Schwuler Auftragskiller mit Herz
Im rasanten Spionagedrama "Black Doves" überzeugt Ben Whishaw als kaltblütiger Killer, der eine Spionin auf höchster Ebene der britischen Regierung beschützen soll – und sich gleichzeitig mit seinem früheren Lover versöhnen will.

Ben Whishaw als Sam in "Black Doves" (Bild: Stefania Rosini / Netflix)
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15. Dezember 2024, 13:06h 3 Min.
Seit seinem öffentlichen Coming-out 2013 hat der britische Schauspieler Ben Whishaw immer wieder schwule Figuren verkörpert. Besonders prominent wohl in "James Bond – No Time to Die" (2021), in dem er auch Bonds Geheimwaffenspezialist Q zu seinem Coming-out verhalf: 007 taucht unerwartet bei Q zu Hause auf, als dieser gerade für ein Date kocht. "Er wird in 20 Minuten hier sein", beklagt sich Q über Bonds schlechtes Timing, der natürlich mal wieder seine Hilfe braucht (queer.de berichtete).
Die Figur Q in den Bond-Filmen ist beinahe so legendär wie 007 selbst, das große Coming-out relativiert sich allerdings ein wenig, da wohl mit dem Abgang von Daniel Craig als Bond auch die anderen Schauspieler*innen für die zentralen Rollen der Filmserie wechseln werden. Q war also vielleicht nur ganz kurz schwul – und vermutlich auch hauptsächlich wegen seines Darstellers.
Den wohl großartigsten Auftritt in letzter Zeit hatte Ben Whishaw an der Seite von Hugh Grant als ausgenutzter und erpresserischer junger Liebhaber eines konservativen britischen Politikers in Russell T. Davies' Mini-Serie "A Very English Scandal" (2018) – eine Mischung aus Politsatire und Historiendrama, basierend auf einer ziemlich verrückten wahren Geschichte aus den 1960er-Jahren.
Spionin in tödlicher Gefahr
In der Netflix-Serie "Black Doves" nun spielt Whishaw den Auftragskiller Sam, der von seiner früheren Chefin aus Rom nach London zurückgeholt wird, um eine alte Freundin zu beschützen. Da er ihr etwas Großes schuldig ist, lässt er sich darauf ein, obwohl Helen (Keira Knightley) in äußerst ernsthaften Schwierigkeiten steckt.
Offiziell ist sie die treusorgende Ehefrau des britischen Verteidigungsministers; in Wahrheit jedoch spioniert sie über ihn die britische Regierung aus und verrät alles an eine Spionageorganisation, die Geheimnisse an den höchsten Bieter weiterverkauft. Nebenher hat sie noch einen Liebhaber, der jedoch scheinbar aus heiterem Himmel ermordet wird. Und Helens Chefin (Sarah Lancashire) vermutet, dass dies was mit ihren Spionagetätigkeiten zu tun hat und nun auch sie in Gefahr sein könnte.
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Ist sie auch, wie sich recht rasch herausstellt. Doch Sam greift rechtzeitig ein und rettet sie. Während die beiden herauszufinden versuchen, wer Helen nach dem Leben trachtet, begegnet Sam eher zufällig alten Bekannten. Und erfährt von dem schwulen Paar, dass sein früherer Lover Michael (Omari Douglas) inzwischen eine Tochter hat, aber aktuell wieder Single ist. Vielleicht eine Chance für einen Neuanfang?
Wilder Genre-Mix im weihnachtlich dekorierten London
Michael war Sams große Liebe, doch das Leben als Auftragskiller ist gefährlich, und nach und nach bekommen wir in Rückblenden erzählt, weshalb ihre Beziehung auseinanderbrach und was genau Sam Helen schuldet. Derweil sich die beiden in der Gegenwart nicht nur mit der britischen Unterwelt herumschlagen müssen, sondern auch gleich noch in einen weltpolitischen Schlagabtausch reingezogen werden. Und das alles – passend zur Jahreszeit – im weihnachtlich dekorierten und festlich gestimmten London.

Finden Sam (Ben Whishaw, r.) und seine große Liebe Michael (Omari Douglas) wieder zusammen? (Bild: Ludovic Robert / Netflix)
Die rasante Serie ist ein wilder Genre-Mix aus Actionkomödie, Politthriller und Spionagedrama – und eine zweite Staffel ist bereits angekündigt. Falls außerdem irgendwer noch immer dem Klischee nachhängt, Schwule seien schwächliche, überempfindliche Männer… nun, nicht in diesem Fall: Ben Whishaws Auftragskiller ist so cool und tödlich wie James Bond, einem gelegentlichen One-Night-Stand ebenso wenig abgeneigt wie dieser und trinkt auch gerne mal was in Bars. Hier zeigt sich dann allerdings doch ein entscheidender Unterschied: Sam bestellt keine Martinis, sondern Champagner.
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