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Schwuler Sex, Drogen, Fieberträume
Kinofilm "Queer": So haben wir Daniel Craig wirklich noch nie erlebt!
Einen stärkeren Kontrast zu seiner Rolle als James Bond hätte er wohl kaum setzen können: In Luca Guadagninos "Queer" spielt Daniel Craig einen drogensüchtigen Schwulen, der im Mexiko der 1950er Jahre jungen Männern nachstellt.

William (Daniel Craig, r.) will von Eugene (Drew Starkey) mehr als nur Sex (Bild: Yannis Drakoulidis / A24)
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20. Dezember 2024, 05:42h 4 Min.
Es gibt da diese Szene im herausragenden Bondfilm "Skyfall" (2012), an die sich vermutlich jeder Schwule erinnern wird, der sie gesehen hat. Daniel Craigs Bond sitzt gefesselt auf einem Stuhl, und Bösewicht Silva (Javier Bardem) setzt sich ihm gegenüber, knöpft Bonds Hemd auf, streicht ihm über die nackte Brust, seinen Nacken, seine Oberschenkel, flirtet ziemlich offensichtlich und sagt dann: "Tja, es gibt für alles ein erstes Mal, was?" Worauf Bond ganz cool und entspannt antwortet: "Weshalb denken Sie, dass dies mein erstes Mal ist?"
Beide, Craig und Bardem, hatten zuvor schon schwule Rollen gespielt, vielleicht war es das, was diese Szene möglich und auch glaubwürdig machte. Und Regisseur Sam Mendes und Produzentin Barbara Broccoli kämpften dafür, dass die Sequenz im Film blieb, obwohl das Studio sie gerne rausgeschnitten hätte. Als schwuler Zuschauer war man nicht nur verblüfft, weil der Moment so unerwartet kam – und wohl die erste positive schwule Anspielung der Agentenfilmserie überhaupt war -, sondern man stellte sich natürlich umgehend vor, wie Craig einen Bondboy vernascht.
Mehr expliziter Sex als je bei Bond

Poster zum Film: "Queer" startet am 2. Januar 2025 bundesweit im Kino. Previews in ausgewählten Städten gibt es bereits ab 25. Dezember 2024
Diese Fantasie wird nun in "Queer" gewissermaßen Realität – und dies auch noch unerwartet explizit. Daniel Craig und sein über 20 Jahre jüngerer Filmpartner Drew Starkey zeigen in der Verfilmung von William S. Burroughs' halbautobiografischen Roman sehr viel mehr Haut und Lust als je in einem Bondfilm zu sehen war – und zwar mit Gusto. Craig spielt William Lee, einen drogensüchtigen, kettenrauchenden, alternden schwulen Schriftsteller, der in den 1950er Jahren im überraschend queerfreundlichen Mexico City durch halbseidene Bars zieht und jungen Männern nachstellt. Starkey (bekannt von der Netflix-Serie "Outer Banks") spielt einen von ihnen.
Und es ist lange unklar, ob der Ex-Soldat Eugene überhaupt an Männern interessiert ist, auch wenn er sich immer wieder auf Treffen mit William einlässt, an denen viel gegessen, getrunken und über alles Mögliche geredet wird. Craig spielt den verunsicherten, notgeilen William mit überzeugender Virtuosität, ebenso die freudige Begeisterung, als es dann endlich zum ersehnten Sex kommt. Doch danach hält Eugene ihn immer wieder auf Distanz, mal lässt er sich auf ihn ein, mal weist er ihn zurück. William weiß weiterhin nicht, woran er mit ihm ist, was sein Begehren und seine Gefühle nur noch mehr steigert.
Ein Ende wie ein Fiebertraum
Entsprechend freudig überrascht ist er, als sich Eugene auf sein Angebot einlässt, mit ihm einen Trip nach Südamerika zu machen, um dort eine mysteriöse Droge zu finden, die laut William telepathische Fähigkeiten auslöst. Das alles soll ganz auf Williams Kosten gehen, im Gegenzug müsste Eugene sich nur ein- oder zweimal pro Woche "erkenntlich zeigen"… Was dieser dann auch tut. Die Reise führt die beiden nach einigen Sackgassen in den tiefen Dschungel, wo sie auf eine misstrauische Botanikerin stoßen, die tatsächlich an der besagten Droge forscht.
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Diese wird natürlich umgehend ausprobiert. Der halluzinogene Trip leitet das letzte Viertel des Films ein, das einem wilden Fiebertraum gleicht und offen ist für allerlei Interpretationen. Das macht "Queer" gegen Schluss ein wenig langfädig und wohl für viele auch unzugänglicher, wird jedoch Burroughs' Werk zweifellos gerecht, schrieb dieser doch viele seiner Bücher unter Drogeneinfluss. Die Kurzgeschichte "Queer" blieb noch dazu unvollendet, was Regisseur Luca Guadagnino ("Call Me by Your Name") gerade zum Ende viel kreative Freiheit ließ für sein Herzensprojekt.
Craigs schwule Rollen
Daniel Craigs herausragende Leistung befeuert nun bereits erste Oscar-Spekulationen. Was der Film außerdem unmissverständlich zeigt: Craig hat auch dann keinerlei Berührungsängste gegenüber schwulen Rollen, wenn es dabei richtig zur Sache geht. Schon 1998 spielte er in "Love is the Devil" den Liebhaber des schwulen Malers Francis Bacon. Und sein Detektiv Benoit Blanc in den "Knives Out"-Filmen ist ebenfalls schwul – sein Partner wird zudem von Hugh Grant gespielt, ein anderer britischer Star, der solche Rollen schon angenommen hat, als sowas durchaus noch riskant war ("Maurice", 1987).
Bleibt die Frage, wann 007 denn nun tatsächlich mal einen Bondboy vernascht. Aber noch ist ja nicht mal klar, wer Craigs Nachfolge in der Rolle antritt. Und dass der Reboot der legendären Agentenfilmserie dann gleich soweit gehen würde, bleibt schon einigermaßen unwahrscheinlich. Dafür ist es vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis ein kreatives Fanvideo auf YouTube auftaucht, in der die besagte explizite Sexszene aus "Queer" als Erinnerungsrückblende von Bonds "erstem Mal" in "Skyfall" integriert wird.
Queer. Drama. USA 2024. Regie: Luca Guadagnino. Cast: Daniel Craig, Drew Starkey, Jason Schwartzman, Henrique Zaga, Colin Bates, Simon Rizzoni, Drew Droege, Ariel Schulman, Lesley Manville, Omar Apollo, Ronia Ava, Andrés Duprat, Lisandro Alonso, Ford Leland. Laufzeit: 137 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 16. Verleih: MUBI. Kinostart: 2. Januar 2025. Previews in ausgewählten Kinos bereits ab 25. Dezember 2024
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