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Ausstellung
Die schöpferische Kraft der Queerness
Noch bis August 2025 zeigt das Schwule Museum in Berlin die absolut sehenswerte Ausstellung "Young Birds from Strange Mountains" mit ungewöhnlichen Arbeiten von queeren Künstler*innen aus Südostasien.

Schwule Lust aus Thailand: Standbild aus dem Film "Untie" von Oat Montien
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22. Dezember 2024, 09:30h 3 Min.
Im Jahr 1945 schrieb der vietnamesische Dichter Ngô Xuân Diệu im Vorwort seiner Gedichtsammlung "Gửi hương cho gió": "Ich bin ein junger Vogel von einem seltsamen Berg, singe und spiele mit meinem juckenden Hals." Dieses Zitat, das die Sehnsucht und Unruhe eines queeren Lebens im Wandel der Zeit einfängt, bildet den poetischen Ausgangspunkt für die Ausstellung "Young Birds From Strange Mountains" im Schwulen Museum Berlin. Vom 29. November 2024 bis zum 4. August 2025 bringt die Ausstellung Künstler*innen aus Südostasien und der Diaspora zusammen, um die Komplexität von Gender, Sexualität und Spiritualität zu erkunden.
"Wir wollten ein Ausstellungsformat schaffen, das wie ein Mandala funktioniert", erklärt die Kuratorin Thảo Hồ im Interview, die sich intensiv mit Archivierungsstrategien queerer Communities beschäftigt hat. Ein Mandala sei im südostasiatischen Kontext mehr als nur ein beruhigendes Bild, sondern eine politische und spirituelle Struktur, die Zusammenarbeit und Reflexion fördert. Im Zentrum der Ausstellung steht das Strange Mountains Archiv, ein Ort der Begegnung mit queeren Geschichten, Erinnerungen und Perspektiven.
Fluide Identitäten und kulturelle Verflechtungen
Die Ausstellung gliedert sich in fünf Kapitel, die wie konzentrische Kreise um das Archiv angeordnet sind: "Verkörperte Versprechen", "Spirituelle Wege", "Wissen der Vorfahren" und "Tropische Technologien". Jedes Kapitel bietet Einblicke in die fluiden Identitäten und kulturellen Verflechtungen, die queeres Leben in Südostasien und seiner Diaspora ausmachen.
Thảo Hồ betont, dass das Archiv kein statischer Ort sei, sondern ein lebendiger Raum für Austausch und Reflexion: "Das Queere an der Archivarbeit ist, dass sie nie vollständig ist. Sie bleibt immer in Bewegung und hinterfragt sich selbst." Dieser Gedanke spiegelt sich in der interaktiven Gestaltung wider: Besucher*innen können Materialien anfassen, Geschichten entdecken und aktiv Teil des Archivs werden. Von Zines über erotische Drucke bis hin zu persönlichen Gegenständen zeigt das Archiv eine beeindruckende Bandbreite, die über nationale und kulturelle Grenzen hinausgeht.
Queere Identität und Spiritualität
Die Kunstwerke in den Kapiteln der Ausstellung laden dazu ein, Normen und Grenzen zu hinterfragen. Ein Highlight ist die Skulptur des thailändischen Künstlers Oat Montien, die Spiritualität und queeren Körper miteinander verbindet. Ebenso beeindruckend ist die Arbeit von Tamarra aus Indonesien, die mit der mündlichen Tradition des Ludruk performative Geschichten queerer Vorfahren wiederbelebt. Besonders berührend sind die Werke, die Spiritualität und queere Identität miteinander verweben. Việt Lê's Installation, inspiriert von der vietnamesischen Muttergöttin-Religion, und die astrologischen Experimente von Trần Thảo Miên erweitern die Wahrnehmung von Vergangenheit und Zukunft.

Die Ausstellung "Young Birds From Strange Mountains" ist noch bis zum 4. August 2025 im Schwulen Museum zu sehen. Mehr Bilder zeigen wir in der unten verlinkten Galerie (Bild: mino Künze, Archiv Schwules Museum)
"Young Birds From Strange Mountains" steht auch im Zeichen finanzieller Herausforderungen. Die Kürzungen durch den Berliner Senat haben viele geplante Veranstaltungen gefährdet. Trotzdem wollten die Kurator*innen ein Zeichen setzen: Kunst ist essenziell für den Austausch, für Community und politische Diskurse. "Es geht darum, Kunst und Wissen zugänglich zu machen – trotz aller Hindernisse", betont Thảo Hồ.
Die Ausstellung bietet keine einfachen Antworten – und will das auch nicht. Stattdessen eröffnet sie dynamische Wege, um queere Identitäten, Geschichte und Kunst in all ihrer Vielfalt zu feiern. So wie der Vogel in Ngô Xuân Diệus Gedicht singt, ohne zu wissen warum, laden die "Young Birds" uns ein, die schöpferische Kraft der Queerness zu erkunden – mit allen Sinnen, mit offenem Herzen. Die Texte sind in leichter und Gebärdensprache verfügbar, und eine immersive Klanglandschaft von DJ Shasti verbindet die Kapitel zu einem harmonischen Ganzen.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur Ausstellung auf der Homepage des Schwulen Museums
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
















