Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?52086

Kinostart

Wenn die groß inszenierte lesbische Sexszene einfach nur fehl am Platz ist

Mit "Raub ihren Atem" startet am zweiten Weihnachtsfeiertag ein queerer Sex-&-Crime-Thriller aus Deutschland im Kino. Doch der zweite Spielfilm von Andreas Kröneck schöpft sein Potenzial bei Weitem nicht aus.


Szene aus "Raub ihren Atem": Meisterdiebin Laura und Polizistin Maxine verlieben sich ineinander (Bild: Camino Filmverleih)

Der Duft von Champagner hängt schwer in der Luft, als Laura in ihrem zerknitterten Hochzeitskleid schwankend die Hotel-Lobby betritt. Ihre Tränen verwischen das Make-up, während sie den entgeisterten Hotelangestellten schluchzend von ihrer geplatzten Heirat erzählt. Niemand ahnt, dass ihr Auftritt nichts als eine Inszenierung ist: Laura ist eine Agentin, die hinter einer Liste her ist – einer Liste mit den Identitäten zahlreicher V-Leute und Informant*innen. Doch sie ist nicht die Einzige, die dieses Ziel verfolgt.

In "Raub ihren Atem", der dieses Weihnachten seine Kinopremiere feiert, trifft die Protagonistin Laura in der letzten Nacht vor Silvester auf die gescheiterte Polizistin Maxine, ihren Partner Joggl und den sexistischen Serienmörder Laschla, ein Akronym für "langsamer Schlachter". Der unabhängig und ohne Fördermittel produzierte Film will etwas Einzigartiges sein, ein Werk, das es so noch nicht gab. Doch was als "Eberhofer-Krimi trifft auf Film Noir" vermarktet wird, entpuppt sich als ein chaotisches Durcheinander aus wild zusammengewürfelten Filmgenres, die in keinem Moment zu einem kohärenten Ganzen finden.

Logiklöcher und erzählerische Schwächen


Poster zum Film: "Raub ihren Atem" startet am 26. Dezember 2024 bundesweit im Kino

Bereits die Grundprämisse des Films wirkt banal und behäbig: Eine Liste mit Informant*­innen, um die verschiedene Antagonist*­innen buchstäblich über Leichen gehen, dient als Handlungsmotor – doch dieser zündet nicht. Stattdessen wirft der Film die Zuschauer*­innen ohne Einführung in die Geschichte und seine Figuren, die allesamt blass und unsympathisch bleiben. Der chaotische Plot springt zwischen diesen Charakteren hin und her, ohne dass ein klarer Fokus oder emotionale Bindung entsteht. Hinzu kommen Logiklöcher und erzählerische Schwächen, die den Film über seine 110 Minuten Laufzeit hinweg eher ermüdend als unterhaltsam machen.

Der Soundtrack von Antonio Fernandes Lopes, der zugleich als Co-Produzent fungierte, trägt ebenfalls wenig zum Gelingen bei. Übertrieben dramatisch und unangenehm aufgesetzt, verschluckt er ganze Dialoge, die ohnehin von den uninspirierten Darsteller*­innen ohne spürbares Engagement wiedergegeben werden. Auch inszenatorisch gelingt es dem Film nicht, sein geringes Budget zu kaschieren. Die Bildsprache wirkt uninspiriert, und die auf Film Noir abzielende Ästhetik – mit Rot-Blau-Neonlichtern und Spionage-typischen Split-Screen-Elementen – erscheint unpassend und oft willkürlich.

Die Figuren sprechen Schwäbisch oder Sächsisch

Ein weiteres Problem ist die Entscheidung, den Film in Mundart zu drehen: Sämtliche Figuren sprechen schwäbischen oder sächsischen Dialekt, doch anstatt damit eine regionale Verwurzelung zu betonen, wirkt es in den sterilen Hochglanz-Hotels deplatziert. Die Handlung, die immer wieder ins italienische Setting von Lauras todkrankem Onkel abschweift – einer ratlos geschriebenen Figur mit fragwürdige Allmacht über die Technik des Hotels und einer banalen Verstrickung in Gangstergeschäfte – verstärkt diese Inkohärenz noch weiter. Anstelle von Authentizität hinterlässt die Mundart-Entscheidung einen albernen und irritierenden Eindruck.

Dabei blitzt in "Raub ihren Atem" durchaus Potenzial auf. Das Genre des Sex-&-Crime-Thrillers, das noch immer von hypermaskulinen Klischees und voyeuristischen Inszenierungen geprägt ist, hätte durchaus Raum für Subversion geboten. Leider fügt sich die groß inszenierte lesbische Sexszene in der Mitte des Films nicht in den Spannungsbogen ein und wirkt ebenso fehl am Platz wie voyeuristisch – ein weiteres Puzzlestück im Genre-Chaos.

Letztlich scheitert Andreas Kröneck in seinem zweiten Spielfilm daran, seine ambitionierten Ideen in eine stimmige filmische Form zu bringen. Weder als Komödie noch als Thriller funktioniert "Raub ihren Atem"; stattdessen hinterlässt er den Eindruck eines überladenen Experiments, das an seiner eigenen Inkohärenz zerbricht.

Infos zum Film

Raub Ihren Atem. Thriller. Deutschland 2024. Regie: Andreas Kröneck. Cast: Christina Lopes, Luisa Binger, Katy Karrenbauer. Laufzeit: 110 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 12. Verleih: Camino Filmverleih. Kinostart: 26. Dezember 2024
Galerie:
Raub ihren Atem
10 Bilder
-w-