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Musik
Schwuler Rockstar außer Dienst: Michael Stipe wird 65
R.E.M. ("Losing My Religion") war bis zur Auflösung im Jahr 2011 eine der erfolgreichsten Bands des Alternative Rock. Heute feiert Ex-Frontmann Michael Stipe seinen 65. Geburtstag.

Michael Stipe 2017 in New York (Bild: IMAGO / Future Image)
- 4. Januar 2025, 09:04h 4 Min.
Als eine der größten Rockbands der Geschichte am 5. April 1980 zum ersten Mal auftrat, war der Anlass gewöhnlich, doch der Ort besonders. R.E.M. spielten ihre erste Show beim Geburtstag eines Freundes in einer verlassenen Kirche. Was folgte, war eine große Karriere über mehr als 30 Jahre – mit Megahits wie "Losing my Religion". Nach der Trennung 2011 hat der schwule Ex-Frontmann Michael Stipe sich anderen Künsten zugewandt. Heute wird er 65 Jahre alt.
Stipe wurde 1960 in der Nähe der US-Großstadt Atlanta (Georgia) geboren. Wegen der militärischen Karriere seines Vaters wuchs er an unterschiedlichen Orten in den USA auf, lebte aber auch in Deutschland: Ein Foto zeigt den sechsjährigen Michael vor dem Stadtwappen Hanaus. Zum Studium ging Stipe zurück nach Georgia und studierte in der Stadt Athens, wo er in der lokalen Rockszene Bill Berry, Peter Buck und Mike Mills kennenlernte und mit ihnen die historische Entscheidung zur Gründung einer Band fällte.
Stipes Stimme als Markenzeichen
R.E.M. – benannt nach einer Schlafphase, in der Menschen träumen können – erregte nach der ersten Single "Radio Free Europe" schnell Aufmerksamkeit und bald auch kommerziellen Erfolg. Ein markantes Merkmal der Band war neben der politischen Ausrichtung Stipes unverwechselbare Stimme und sein, zumindest in der Anfangszeit, teilweise als nuschelnd oder murmelnd wahrgenommener Gesang.
Mit ihren ersten Alben, darunter "Murmur" (1983) und "Reckoning" (1984), legten R.E.M. den Grundstein für ihren Ruf als Pioniere des Alternative Rock. Mit dem Wechsel zu einem Major-Label und der Veröffentlichung von "Green" (1988) sowie den kommerziellen Erfolgen "Out of Time" (1991) und "Automatic for the People" (1992) erreichte R.E.M. weltweite Anerkennung.
Hits wie "Losing My Religion" und "Everybody Hurts" vereinten künstlerische Ambitionen mit massentauglichem Appeal. Stipe und Kollegen gelang es dabei immer wieder, komplexe Themen eingängig zu transportieren.
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Plötzliche Trennung
Die 1990er Jahre markierten einen Wendepunkt: Mit "Monster" (1994) und dem experimentellen "New Adventures in Hi-Fi" (1996) bewies die Band weiterhin Mut zur Innovation. Der Ausstieg von Bill Berry 1997 führte jedoch zu einem Stilwandel. Alben wie "Up" (1998) und "Reveal" (2001) polarisierten Fans und Kritiker. Mit "Accelerate" (2008) und "Collapse into Now" (2011) kehrten R.E.M. schließlich zu ihren rockigen Wurzeln, jedoch nicht zur musikalischen Exzellenz früherer Tage, zurück.
Am 21. September 2011 gab die Band nach 80 Millionen verkauften Tonträgern völlig überraschend ihre Auflösung bekannt. Doch man gehe im Guten auseinander, wie Stipe und Konsorten betonten. R.E.M. hinterließ ein Vermächtnis von 15 Studioalben, gewann mehrere Grammys und wurde in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
Eine Reunion, von der Fans immer wieder geträumt hatten, schloss Stipe stets aus: "Das Kapitel R.E.M. ist vorbei", bekräftigte er 2019 im dpa-Interview. Er selbst hat sich längst auch anderen Kunstformen zugewandt, fotografiert und versuchte sich auch in der Bildhauerei. Ganz aber kann Stipe es nicht lassen: Einige Solo-Singles hat er herausgebracht. Sie klingen anders als R.E.M., vielleicht etwas komplexer – doch die Stimme des Sängers ist auch auf den neuen Songs zur Freude der Fans noch immer dieselbe.
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Coming-out im Jahr 2001
Michael Stipe lebt mit seinem langjährigen Partner, dem Fotografen Thomas Dozol, in New York City und Berlin, außerdem verbringt er regelmäßig Zeit in Athens und Frankreich. Der Sänger outete sich 2001 in einem im Magazin "Time" erschienenen Artikel nebenbei als "queer artist".
Ausführlicher über seine Homosexualität sprach er 2008 mit dem US-Magazin "Spin". "Es war superkompliziert für mich in den Achtzigern. Ich war total offen mit der Band, meiner Familie, meinen Freunden und sicherlich mit den Leuten, mit denen ich geschlafen habe", sagte der Sänger vor 17 Jahren (queer.de berichtete). Am Anfang der Bandkarriere habe er nicht gesehen, dass ein Outing anderen helfen könnte. "Aber jetzt sehe ich natürlich ein, dass das der Fall ist."
Stipe könne sich allerdings nicht erklären, weshalb seine sexuelle Orientierung nicht schon früher ein Thema war. "Ich dachte, es wäre ziemlich offensichtlich." (cw/dpa)














