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Mecklenburg-Vorpommern
SBGG: Das sind die Zahlen aus Meck-Pomm
Auf manchen Standesämtern flossen Tränen, überwiegend war Erleichterung spürbar – eine erste Bilanz zum Selbstbestimmungsgesetz aus Mecklenburg-Vorpommern.

Für das Selbstbestimmungsgesetz musste die queere Community jahrelang auf die Straße gehen (Bild: Twitter / ChangeGER)
- 4. Januar 2025, 15:13h 3 Min.
In den sechs größten Städten Mecklenburg-Vorpommerns haben etwa 200 Menschen das neue Selbstbestimmungsgesetz für die Änderung ihres Geschlechtseintrags genutzt. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Städten.
Das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) regelt, dass man seinen Geschlechtseintrag und Vornamen per Erklärung im Personenstandsregister ändern lassen kann – ohne Gutachten, ärztliche Bescheinigungen oder richterliche Beschlüsse. Die Erleichterungen betreffen vor allem trans, inter und nichtbinäre Menschen.
Das SBGG trat zum 1. November in Kraft. Seit dem 1. August können Interessierte eine gewünschte Änderung bei den Standesämtern anmelden. Zwischen der Anmeldung und der eigentlichen Erklärung, für die eine persönliche Vorsprache erforderlich ist, muss laut Gesetz eine dreimonatige Frist liegen. Neben der Änderung von männlich auf weiblich beziehungsweise umgekehrt oder hin zu divers ist auch die Streichung möglich.
Bisweilen Tränen beim Termin
Die Menschen erschienen bei den Terminen überwiegend angespannt, hieß es aus Greifswald. Sie freuten sich jedoch immer bei der Übergabe der Abschrift. "Teils sind die Reaktionen sehr emotional." Hier und dort seien Tränen geflossen. Überwiegend sei Erleichterung spürbar.
In Greifswald haben den Angaben zufolge bis rund eine Woche vor Weihnachten 33 Menschen eine entsprechende Erklärung abgegeben. Weitere Anmeldungen lägen vor. Außerdem seien zehn Erklärungen zur Änderung von anderswo eingegangen für Menschen, die in Greifswald geboren wurden. In Greifswald waren Änderungen des Eintrags von weiblich auf männlich mit Abstand am häufigsten.
In Rostock, der größten Stadt des Landes, lagen bis rund eine Woche vor Weihnachten 173 Anmeldungen vor. 88 Erklärungen seine schon erfolgt. Die Stadt rechne damit, dass alle Menschen mit einer Anmeldung auch noch eine Erklärung abgeben. Die entsprechende Stelle des Standesamtes sei terminlich gefüllt.
"Ihrer Entscheidung durchweg sehr sicher"
Die Landeshauptstadt Schwerin verzeichnete bis zur zweiten Dezemberwoche 24 beurkundete Erklärungen. Hinzu kämen zwölf Erklärungen anderer Standesämter, durch die das Geburtenregister in Schwerin geändert werden musste. In Schwerin war den Angaben zufolge der Wechsel von männlich zu weiblich am häufigsten, wobei der umgekehrte Fall fast genauso oft vorkam.
Neubrandenburg kommt nach eigenen Angaben von Anfang Dezember auf 30 Anmeldungen und 20 vollzogene Erklärungen. Meist sei zu erkennen, dass die Erklärenden sich freuen und erleichtert sind. In Wismar haben bis Anfang Dezember 23 Menschen ihren Geschlechtseintrag ändern lassen. "Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich beim Termin sehr gefreut. Die Menschen waren sich in ihrer Entscheidung durchweg sehr sicher", heißt es von dort. Stralsund verzeichnete bis Mitte Dezember elf Erklärungen, zehn weitere seien von auswärtigen Standesämtern übersandt worden.
Sozialministerin verteidigte Gesetz
Die Schweriner Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) hatte zum Inkrafttreten des SBGG gesagt, es gehe um Respekt und Anerkennung. Jeder Mensch habe das Recht, seine Wünsche und Bedürfnisse zu äußern und in einem geschützten Rahmen zu leben. Niemandem werde etwas weggenommen.
Das SBGG trat laut Sozialministerium an die Stelle des Transsexuellengesetzes von 1980. Dieses setzte für die Änderung des Geschlechtseintrags die Einholung von zwei Sachverständigengutachten und eine gerichtliche Entscheidung voraus. Das empfanden laut Drese viele Betroffene als entwürdigend. (cw/dpa)














