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Sexpositive Clubs und Partys

Erst wird gefragt, dann angefasst: Über schwule Darkrooms in einer queeren Welt

Für Jahrzehnte waren Darkrooms ein Safe Space der schwulen Community. Nun drängt eine sich diversifizierende Szene mit neuen Regeln in diese Räumlichkeiten vor. Das sorgt mancherorts für Frust, birgt aber auch Chancen.


Der klassische schwule Darkroom: Szene aus dem Film "Cruising" (1980) von William Friedkin (Bild: IMAGO / Allstar)
  • Von Sebastian Jung
    11. Januar 2025, 10:40h 13 Min.

Warum ficken Leute gerne in schwulen Darkrooms? Zugegeben, eine derart nassforsch in den Raum geworfene, provokative Frage mag als Einstieg in ein sich selbst halbwegs ernst nehmendes Meinungsstück irritieren. Aber der Umstand, dass diese Locations offensichtlich polarisieren, verleiht dieser Frage durchaus eine gewisse Relevanz. Die einen schwören darauf und nutzen ihre Wochenenden gezielt, um die besten Darkrooms der Republik (und darüber hinaus) abzuklappern. Die anderen würden nicht mal für Geld einen Fuß in diese Räumlichkeiten setzen. Die einen können sich keinen besseren, die andern keinen schlechteren Ort vorstellen, um ihre Sexualität in einem quasi-öffentlichen Kontext auszuleben.

Wäre das ganze eine reine Frage des Geschmacks, über den sich bekanntlich (oder vermeintlich) nicht streiten lässt, könnte hier schon ein Schlussstrich gezogen werden. Aber hinter der scheinbaren Trivialität der Frage steckt viel mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Denn manche Konfliktfelder der Gegenwart, die sich an Fragen der Sexualität und sexuellen Identität entzünden, reichen selbst bis in diese traditionsreiche Institution schwulen Nachtlebens.

Die Grenzen zwischen den Subkulturen verschwimmen

Dazu kommt der Umstand, dass die Grenzen zwischen den Subkulturen verschwimmen, die Szenen und Communitys immer öfter auf gemeinsamen, "queeren" Veranstaltungen zusammenfinden. Die Zeiten, in denen die Schwulen, die Lesben, die trans Menschen, die Furriys, die BDSM-Szene etc. exklusiv unter sich bleiben gehen, so zumindest der Eindruck, ihrem Ende entgegen. Auch offensichtlich auf ein cis-heterosexuelles Publikum zugeschnittene Kink- und Fetischparties geben sich immer häufiger Label wie "sexpositiv", "queer-friendly" oder "open for all".

Manche behaupten, dabei handele es sich vor allem um Imagepflege oder den Versuch, einen neuen Markt abzuschöpfen. Ich persönlich sehe es aber tatsächlich als Indiz dafür, dass dort, wo queer-feministisches Gedankengut greift, auch ein Bedürfnis entsteht, Gräben zu überwinden und Menschen zusammenzuführen, Gemeinsamkeiten zu schaffen und Barrieren abzubauen. Damit werden viele Veranstaltungen bunter, diverser, greller und – meistens – auch einfach schöner. Was auf dem Papier aber nach einer großartigen Idee klingen mag, wird spätestens dann problematisch, sobald Sex mit ins Spiel kommt. Denn dann treffen in der Regel ganz unterschiedliche Kulturen, Bedürfnisse und Voraussetzungen aufeinander, was nicht selten zu Konflikten führt.

Erotisches Ereignis vs. Triebabfuhr

Hört man sich auf solchen Events um, dann begegnet man oft den gleichen Argumenten für und gegen schwule Darkrooms, denen man genau so schon früher innerhalb der Szene begegnen konnte, als die einzelnen Gruppen noch unter sich blieben. Zu laut, zu dunkel (no joke), zu unerotisch, zu oberflächlich, zu ungemütlich der Sex, zu versifft die Einrichtung, zu groß die Ignoranz und Risikobereitschaft des (mehrheitlich nach wie vor schwulen) Publikums, was sexuell übertragbare Krankheiten betrifft (die PreP ist in dieser Hinsicht nicht nur Segen, sondern auch Fluch, was die seit Jahren steigende Inzidenz von Syphilis und Tripper verdeutlicht).

Darin unterscheiden sich Darkrooms oft extrem von den Play Grounds, wie man sie beispielsweise aus der BDSM-Szene oder Swinger-Clubs kennt. Die sind meistens auf strikte Hygiene bedacht, leicht ausgeleuchtet, ruhig und um eine entspannte Atmosphäre bemüht. Das erotische Ereignis und die Erfahrung, sowie das Wohlfühlen der Besucher und das Vermeiden von Unbehagen oder gar traumatischen Erfahrungen stehen hier in aller Regel an oberster Stelle, noch vor der schnellen Triebabfuhr oder der Spontanität. Für dieses Wohlfühlen ist eine unmittelbare und deutliche Kommunikation Grundvoraussetzung, die in dieser Form in schwulen Darkrooms selten möglich ist – gerade in jenen, die unmittelbar an den Dance Floor grenzen und in denen man gegen den Krach von nebenan anschreien muss, um überhaupt verstanden zu werden.

Unterschiedliche Konsenskulturen

Das brisanteste Konfliktfeld ergibt sich aber wohl aus den ganz unterschiedlichen Konsenskulturen, die sich in schwulen Darkrooms einerseits und den Play Grounds anderer Subkulturen etabliert haben. Es ist ein Konflikt, der sich noch am treffendsten auf die Differenz zwischen den beiden Formeln "Nein heißt Nein" und "Nur Ja heißt Ja!" zuspitzen lässt.

In schwulen Darkrooms gilt seit jeher die eiserne Regel des sogenannten impliziten Konsens. Das heißt: Wer den Darkroom betritt, akzeptiert dessen ungeschriebene, aber innerhalb der Szene bekannten Regeln und willigt indirekt darin ein. Wenn man etwas nicht möchte, kann und soll man erst dann Ablehnung signalisieren, wenn der Versuch dazu durch andere aktiv unternommen wurde. Dazu gehört beispielsweise, die Hand oder den Kopf wegzudrücken, die sich am Gemächt zu schaffen machen, den Schwanz wegzuschieben, der einem gerade unter die Nase gerieben wird, oder den eigenen Schwanz mit der Hand abzudecken, wenn sich jemand in unerwünschter Weise draufsetzen möchte. Dies entspricht insgesamt der Formel "Nein heißt Nein".

Auf vielen der gemischten Veranstaltungen, die ich kennenlernen durfte, hätte all das unweigerlich zum Rausschmiss geführt. Dort gilt nicht das Prinzip des impliziten, sondern des "affirmativen" Konsens. Manche, die sich mit diesem Thema beschäftigen, sehen zwar auch den impliziten als eine Form des affirmativen Konsens, dem möchte ich aber widersprechen. Für mich heißt affirmativer Konsens immer: Erst wird gefragt, dann angefasst, nicht andersherum. Es hat wenig mit Affirmation im eigentlichen Wortsinn zu tun, schon allein durch das Betreten einer Räumlichkeit einem ungeschriebenen Regelwerk zuzustimmen und sich somit einer nur schwer berechenbaren Situation auszuliefern.

Der implizite Konsens ist aus der Zeit gefallen

Es wäre aber übertrieben, zu behaupten, dass die Konfliktlinie hier sauber zwischen der schwulen Szene und allen anderen Community verläuft. Der Streitpunkt affirmativer vs. impliziter Konsens ist größer als das und liegt, zumindest in Teilen, auch dem Protest der #MeToo-Bewegung zugrunde.
Viele der heute lebenden Menschen kennen noch Zeiten, in denen Horden toxischer Macker allen Ernstes der Auffassung waren, dass ein kurzer Rock und enge, brustbetonte Shirts seitens einer Frau eine implizite Einwilligung seien, mit Cat Calls belästigt oder begrapscht zu werden (oder Schlimmeres). Erinnert sei auch an die Kontroverse rund um die Vergewaltigung in der Ehe, die erst 1992 offiziell und gegen Bedenken aus den Reihen der Union (unter anderem gegen den Widerstand eines Friedrich Merz) als justiziables Verbrechen eingestuft wurde. Davor galt die Annahme, dass im Rahmen der Ehe der implizite Konsens seitens der Frau gilt, dem Mann in sexueller Hinsicht zur freien Verfügung zu stehen.

Aber auch jenseits des Sexuellen haben sich viele Lebens- und Arbeitsbereiche heute von der Vorstellung eines impliziten Konsens verabschiedet. In der Medizin beispielsweise ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, dass hilfesuchende Patient*innen klaglos in all diejenigen Formen der Behandlung einwilligen, die das Fachpersonal als Optimum erachtet. Die Versicherungsgesellschaften verlangen von den Ärzt*innen mehr und mehr, sich durch die Einforderung des affirmativen Konsens (was in diesem Fall heißt, durch Einwilligung per Unterschrift) gegen spätere Beschwerden und Klagen abzusichern. Gleiches gilt etwa im Bereich des Datenschutzes und der Organspende.

Spannenderweise handelt es sich bei dieser um den einzigen mir bekannten Bereich, in dem es ein politisches Hinwirken gibt auf eine Ablösung der Einwilligungslösung (die einem affirmativen Konsens entspricht) zu einer Widerspruchslösung – also der rechtlich bindenden Annahme, dass Menschen implizit in die Spende ihrer Organe einwilligen, solange sie diese nicht explizit schriftlich verneinen.

Der Reiz schwuler Darkrooms

Im Lichte all dieser Kritikpunkte wird deutlich, dass die Frage nach dem Reiz schwuler Darkrooms alles andere als banal ist. Was daran macht diese Einrichtungen so attraktiv für diejenigen unter uns, die solche Locations immer wieder mit Lust und Freude aufsuchen? In Gesprächen mit diesen Menschen begegnen mir letztlich immer wieder drei Argumente dafür, die Institution Darkroom heute so zu bewahren und fortzuführen, wie sie auch vor der einsetzenden Diversifizierung gegeben war. Das erste Argument bezieht sich auf die (absolut berechtigte) Dankbarkeit und Anerkennung dafür, schwulen (und historisch betrachtet auch ganz vielen ungeouteten) Männern in ungemütlicheren Zeiten eine befreite, sichere Sexualität ermöglicht zu haben. Das zweite Argument ist dagegen ökonomischer Natur: Sie ziehen nach wie vor ein Publikum an. Es gibt, um es im Unternehmersprech zu verdeutlichen, einen Markt für das Angebot – auch wenn es mit Blick auf neue, florierende Alternativen nicht mehr ganz up-to-date sein mag. Dementsprechend kann auch das dritte Argument nicht verwundern: Es gibt nach wie vor sehr viele Menschen, die genau diese Art der Sexualität in genau solchen Locations anregend finden.

Das erste Argument zielt vor allem auf die Anfangszeiten des Darkroom-Booms in den 1970er und 1980er Jahren (tatsächlich reicht die Ursprungsgeschichte dieser Institution aber noch weiter zurück). Dabei merkt man dem ganzen Konzept seine facettenreiche Geschichte an, in der es viele helle Momente gibt, aber auch nicht an Schattenseiten mangelt. Für viele Menschen der Generation X und der Babyboomer sind diese Einrichtungen mit positiven Erinnerungen und Erfahrungen assoziiert, mit Freiheit, Enthemmung und Sicherheit. Darkrooms waren die Safe Spaces für schwulen Sex schlechthin. Gleichzeitig lässt sich die andere Seite dieser Medaille kaum ignorieren, denn häufig waren diese Räumlichkeiten auch die beste Cruising-Gelegenheit ungeouteter, oft in Hetero-Ehen gefangener Männer, die größten Wert auf Anonymität legten. In anderen Worten: Auf Heimlichkeit, Unverbindlichkeit und Oberflächlichkeit. Mit ihnen hielt auch ein Hauch karger Verlegenheitserotik Einzug in die Darkrooms, eine Form reduzierter Sinnlichkeit über die Hemmung des Visuellen hinaus, insofern dieses Publikum es meistens viel zu eilig hatte, um überhaupt die Hose bis ganz nach unten und das Oberteil auszuziehen. Es musste der Diskretion zuliebe schnell gehen.

Heimlichkeit und Diskretion

Es war eine Art von Gelegenheitsbefriedigung sexueller Bedürfnisse, die zu einer Zeit gedieh, als der schwule Sex in vielen Ländern der sogenannten westlichen Welt noch kriminell war und selbst von manchen schwulen Männern noch als pervers, unsittlich oder krankhaft empfunden wurde. Berufliche und private Existenzen waren abhängig vom Anschein der "Normalität", wie sie in den damaligen Gesellschaften verstanden wurde. Annoncen in Zeitschriften waren in Ermangelung des Internets eines der aussichtsreichsten und sichersten Mittel auf der Partnersuche, denn sie boten den Nutzern ebenfalls ein großes Maß an Anonymität. Entsprechend mager war das öffentliche Angebot an spontanen Sexdates, wie wir es heute von Romeo, Grindr und Joyclub kennen. Öffentliche Cruising-Areas waren mit einem erheblichen Risiko der Enttarnung verbunden, weil viele dieser Örtlichkeiten polizeibekannt waren und observiert wurden. Unter diesen Vorzeichen sollte es niemanden wundern, dass Vertraulichkeit bei ganz vielen Besuchern der frühen Darkrooms an erster Stelle stand, weit über genuiner Leidenschaft. Die Dunkelheit (und oft auch die laute Musik) dienten aus historischer Perspektive also nur bedingt der Luststeigerung.

Wie konnte sich ein solches Konzept so lange und so erfolgreich halten, und das in einer Zeit, in der Heimlichkeit und Diskretion nicht mehr in der gleichen, existentiellen Weise notwendig sind? Damit wäre das zweite Argument zur Verteidigung der Darkrooms angesprochen. Es gibt eine für Veranstalter lukrative Nachfrage nach solchen Angeboten. Aber gerade in einer volatilen und sich so rasant verändernden Szene liegt es eigentlich auf der Hand, dass eben jene Veranstalter sich aus marktwirtschaftlicher Sicht vernünftig verhalten und immer wieder versuchen, ihr Angebot für größere Personenkreise (und damit einen größeren Markt) attraktiver zu gestalten.

Der Versuch, das Konzept Darkroom zu modernisieren

Es mangelt nicht an Versuchen, das Konzept Darkroom für neue Nutzergruppen zu öffnen, zu modernisieren und zu diversifizieren. Manche versuchen dies mit Anpassungen der Regeln, auf die manchmal gemischte Reaktionen seitens der Stammkundschaft erfolgen, während andere ein neues Publikum anwerben, ohne etwas am bestehenden Konzept verändern zu wollen. Dahingehend muss man mit Ernüchterung feststellen, dass in einigen Fällen genau das passierte, was bei Modernisierungs- und Diversifizierungsversuchen heute immer öfter geschieht: Es eskaliert zum Kulturkampf. Aus dem Berghain in Berlin gab es allein 2024 mehrere Meldungen über Konflikte im Darkroom, die beispielsweise mit der Öffnung der Location für Frauen zusammenhängen. Andernorts, etwa in Wien, beschwerte sich DJ und Veranstalter Gerald VDH (Meat Market) bereits über die Vereinnahmung schwuler Darkrooms durch andere Gruppen, die dann versuchten, ihre eigenen Vorstellungen von Awareness, Konsens und Sicherheit gegen den etablierten Ansatz durchzusetzen. Daher wurde der Darkroom des Meat Market nach einer kurzen Experimentierphase für Frauen wieder geschlossen.

Es lässt dahingehend sich festhalten, dass der Markt für das Angebot zwar gegeben ist, aber in vielerlei Hinsicht starr bleibt und nur unter schwierigen Bedingungen auf neue Zielgruppen ausgedehnt werden kann. Damit steht noch die Entgegnung auf das dritte Argument aus: Nach wie vor finden viele Menschen diese Form der Erotik ansprechend und erregend. Über die Motive dafür zu spekulieren ist müßig und endet in aller Regel nur in halbgebildeter Küchentischpsychologie. Heißt das also: Es ist, wie es ist!? Nein, denn zwei kritische Fragen drängen sich bei diesem Umstand doch noch auf. Erstens: Ist es denn wirklich so, dass die Mehrheit derjenigen, die diese Locations aufsuchen, wunschlos glücklich ist über die Zustände, die sie dort vorfinden? Nicht selten sprach ich mit Menschen, die sich zwar andere Konzepte wünschen, aber mit dem status quo arrangiert haben. Frei nach dem Motto: Man kann es nicht jedem recht machen.

Die zweite Frage knüpft unmittelbar an diesen Umstand an. Dafür sei ein letztes mal an das erste Argument zur Verteidigung der klassischen Darkrooms erinnert: Die Anerkennung dafür, wie vielen Menschen diese in den 1970er und 1980er Jahren einen Safe Space zum Ausleben ihrer Sexualität geboten haben. Aber wie sieht es denn mit all denjenigen (auch schwulen) Menschen aus, die zwar offen sind für Sex in quasi-öffentlichen Räumen, in Diskotheken, auf Partys, spontan und dreckig, die aber vom Konzept Darkroom abgeschreckt werden? Weil sie die laute Musik stört, weil ihr Lustempfinden stark auf visuelle Reize gepolt ist, weil ihnen die Akzeptanz fehlt (etwa Frauen oder trans Menschen), oder weil sie einfach gerne um Erlaubnis gefragt werden, bevor man ihnen an den Intimbereich fasst?

Ein neuer Konsens für queere Locations des 21. Jahrhunderts

Ihnen gerecht zu werden gelingt am ehesten dort, wo man Bereitschaft dafür zeigt, den eigenen Safe Space mit anderen Menschen mit ähnlichen Bedürfnissen zu teilen, die daraus resultierenden Ambiguitäten und Verlegenheiten nicht nur auszuhalten, sondern auch sachlich und unaufgeregt auszudiskutieren und so zu einem neuen Konsens darüber zu finden, wie man in den queeren Locations des 21. Jahrhunderts eine inklusivere, buntere und rücksichtsvollere Sexualität leben kann.

Dass sich die Szene in dieser Hinsicht tatsächlich bewegt, deute ich als Zeichen dafür, dass meine Kritik nicht unbegründet ist. Umso trauriger wirkt es, dass auch die Gay Community nicht immun zu sein scheint gegen die allseits zu beobachtende Wagenburgmentalität der privilegierteren Schichten. Sie äußert sich einerseits in Abwehrreflexen gegen den wahlweise als Aneignung oder gar "Kolonialisierung" wahrgenommenen Zufluss szenefremder Gruppen in das eigene Refugium, andererseits in dem Bedürfnis, am Bewährten und Geliebten festhalten zu können. Dass die Öffnung hin zu einem breiteren Publikum in manchen Fällen wieder rückabgewickelt wurde, verdeutlicht diesen Umstand.

Es wird wohl so kommen, dass manche Darkrooms nach klassischem Vorbild erhalten bleiben, während andere einen neuen Weg gehen und sich an eine sich verändernde Szenenlandschaft anpassen werden. Diese Anpassungen werden notwendig sein, um einer inzwischen viel bunteren und vielfältigeren Community mit ganz neuen Bedürfnislagen gerecht zu werden. Die Frage wird letztlich auch sein, wie diese Entwicklung gestaltet wird und wie sich die einzelnen Akteur*innen, von den Veranstalter*innen bis hin zu den alten und neuen Gästen, mit diesem Prozess arrangieren. Dazu gehört auch das offene Gespräch aller darüber, ob man in der jeweiligen Location am alten Modell festhalten will, oder sich für neue Erfahrungen öffnet.

Dabei ist es in jeder Hinsicht in Ordnung, wenn es weiterhin solche Darkrooms geben wird, wie man sie seit den 1970ern kennt. Es wäre aber dennoch schade, wenn durch ein zu aggressives Festhalten am traditionellen Modell in der Breite das neue Miteinander an diesem Punkt scheitert und alte Gräben von Neuem aufgeworfen werden.

-w-