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Kamerun

Sorge um afrikanische LGBTI-Kämpferin Alice Nkom

Alice Nkom ist die einzige Anwältin, die sich in Kamerun für die Rechte von queeren Menschen einsetzt. Jetzt ist sie selbst in das Visier des Justizsystems geraten – mit heftigen Anschuldigungen.


Regenbogenfahne auf dem Schreibtisch: Alice Nkom im November 2024 in ihrem Büro in Douala (Bild: IMAGO / ZUMA Press)

Die afrikanische LGBTI-Kämpferin Alice Nkom ist eng mit Deutschland verbunden. Weil sich die Anwältin seit mehr als zwei Jahrzehnten in Kamerun für queere Menschen einsetzt, erhielt sie den Menschenrechtspreis der deutschen Amnesty-Sektion. Immer wieder ist Nkom in Deutschland, um in Gesprächen und Vorträgen auf die Verfolgung von LGBTI in Kamerun aufmerksam zu machen. Doch nun ist sie selbst in das Visier des Justizsystems von Kamerun geraten. Denn die Anwältin erhielt eine Vorladung, dass sie am 14. Januar in ihrem Heimatland bei der nationalen Polizeibehörde erscheinen muss. Es ist hoffen, dass die LGBTI-Kämpferin nicht verhaftet wird. Die Justiz in Kamerun ist für ihre willkürliche Vorgangsweise bekannt.

Vor der Vorladung hat Amnesty International jetzt in mehreren Sprachen einen Aufruf veröffentlicht. Darin wird ein sofortiges Ende der Verfolgung und Einschüchterung gefordert. Amnesty spricht davon, dass Alice Nkom und vier zivilrechtliche Organisationen von den Behörden willkürlich verfolgt werden. Marceau Sivieude, der Interims-Regionaldirektor für West- und Zentralafrika bei Amnesty International, erklärte dazu: "Die Behörden versuchen, die Menschenrechtsverteidigerin Alice Nkom mit Hilfe des Justizsystems einzuschüchtern, und zeigen damit deutlich, dass sie die Menschenrechte derjenigen missachten, die sich für die Rechte anderer einsetzen."

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Haftstrafen für Homosexualität

Kamerun gehört zu jenen Ländern in Afrika, in denen gleichgeschlechtliche Handlungen verboten sind. Bei einer Verurteilung drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren. Allerdings haben die Gerichte in der Vergangenheit auch höhere Gefängnisstrafen verhängt. Hinzu kommen hohe Bußgelder, die bei einem Schuldspruch zu bezahlen sind. Für homosexuelle Menschen sind die öffentlichen Prozesse schwer zu ertragen. Denn die Gerichtsverhandlungen führen zu einer sozialen Ächtung. Meist werden homosexuelle Menschen von ihren Familien verstoßen. In Kamerun ist Queerfeindlichkeit weit verbreitet. Es kommt vor, dass feminin wirkende Männer und maskulin auftretende Frauen bei der Polizei denunziert und angezeigt werden (queer.de berichtete). Auch trans Personen sind in dem afrikanischen Land zu Haftstrafen verurteilt worden (queer.de berichtete).

Um den Kampf gegen Homosexualität zu verschärfen, verhängte die Medienaufsichtsbehörde in Kamerun 2023 strenge Maßnahmen gegen Fernsehsender, wenn Filme mit gleichgeschlechtlichen Handlungen ausgestrahlt werden. Im schlimmsten Fall, so droht die Medienbehörde, sollen die TV-Sender geschlossen werden (queer.de berichtete). Tatsächlich ist es in Kamerun üblich, dass Fernsehsender ausländische TV-Spielfilme in ihr Programm aufnehmen. Sind dort beispielsweise gleichgeschlechtliche Küsse zu sehen, dürfen diese nicht ausgestrahlt werden. Daher müssen die Filme vorab von den TV-Sendern nach homosexuellen Handlungen überprüft werden.

Offiziell ist Kamerun eine Mehrparteiendemokratie. Doch tatsächlich wird das zentralafrikanische Land streng autoritär regiert. Seit 1982 ist Langzeitherrscher Paul Biya Präsident von Kamerun. Biya feiert im Februar 2025 seinen 92. Geburtstag. Er gehört zu den ältesten amtierenden Staatsoberhäuptern der Welt. 2024 wurde die Parlamentswahlen um ein Jahr verschoben. Die Meinungsfreiheit ist in Kamerun eingeschränkt. Menschenrechts-Aktivist*innen kritisieren die Polizeiwillkür. Folterungen und willkürliche Festnahmen stehen an der Tagesordnung. Hinzu kommt die grassierende Korruption.

Einzige Anwältin, die sich für LGBTI-Rechte einsetzt

Alice Nkom ist die einzige Anwältin, die sich in Kamerun für die Rechte von queeren Menschen einsetzt. Sie überzeugt durch ihren Mut, ihre Herzlichkeit und Schlagfertigkeit. Sie war 1969 in Kamerun die erste Schwarze Frau, die eine Zulassung als Rechtsanwältin erhalten hat. Nkom bekämpft nicht nur die queerfeindlichen Gesetze in Kamerun, sondern hat auch viele LGBTI-Menschen vor Gericht vertreten. In Kamerun gibt es keine sicheren Orte für queere Menschen. In der Vergangenheit führte die Polizei immer wieder Razzien in Lokalen, die als Treffpunkte für Homosexuelle galten, durch. Bei den willkürlich verhafteten Männern wurden Anal-Untersuchungen durchgeführt. Damit soll herausgefunden werden, ob sie homosexuell sind (queer.de berichtete).

Nkom will die Menschenrechtslage in ihrem Land verbessern. Sie ist Präsidentin des Netzwerks der Menschenrechts-Verteidiger*innen in Zentralafrika mit dem Namen Redhac (Réseau des défenseurs des droits humains en Afrique centrale). Im Dezember 2024 wurde Redhac und drei weitere Organisationen von den Behörden vorübergehend geschlossen. Als Gründe wurden laut Amnesty International die Annahme "illegaler und exorbitant hoher finanzieller Mittel", fehlende Genehmigungen, "Aktivitäten, die die Integrität des nationalen Finanzsystems untergraben könnten" sowie fehlende "Verwendungsnachweise für erhaltene Mittel" genannt. In einer Anzeige wurde Alice Nkom laut Amnesty International auch beschuldigt, "Geldmittel zu beschaffen, um gegen die derzeitigen Behörden vorgehen zu können und bewaffnete Gruppen in den englischsprachigen Regionen Kameruns zu unterstützen". Nkom weist alle Vorwürfe zurück. Der Kreis ihrer Unterstützer*innen ist über die Heftigkeit der Anschuldigungen besorgt.

Bemerkenswert ist, dass sich im Vorjahr ausgerechnet Brenda Biya, eine Tochter des Präsidenten von Kamerun, öffentlich als lesbisch outete (queer.de berichtete). Biya lebt meistens im Ausland. Sie zeigte auf Instagram ein Foto, wie sie eine Frau küsste. Dazu schrieb sie: "Ich bin verrückt nach dir und ich will, dass die Welt das weiß", schrieb die damals 26-Jährige. Auf dem Bild war sie mit dem brasilianischen Model Layyons Valença zu sehen. Der Instagram-Eintrag sorgte weltweit für Schlagzeilen. Auch in Kamerun gab es darüber viele Diskussionen. Mittlerweile hat Brenda Biya den Beitrag gelöscht. Die Menschenrechtsaktivistin Alice Nkom zeigte sich über den Mut von Brenda Biya erfreut. Sie äußerte damals öffentlich die Hoffnung, dass die Verfolgung von LGBTI-Personen beendet wird. Doch tatsächlich sind die Gesetze weiterhin in Kraft.

Welcher Gefahr Menschenrechts-Aktivist*innen in dem Land ausgesetzt sind, zeigt laut Amnesty International ein Abschlussdokument zu Kamerun, das im Dezember 2024 vom UN-Ausschuss gegen Folter veröffentlicht wurde. Darin wird die Besorgnis über Berichte geäußert, "wonach "Menschenrechts-Verteidiger*innen, Angehörige der Zivilgesellschaft, Journalist*innen, politische Gegner*innen und friedliche Demonstrierende Einschüchterungen, Drohungen, Schikanen, übermäßiger Gewaltanwendung, willkürlicher Festnahme und Inhaftierung, strafrechtlicher Verfolgung – auch vor Militärgerichten -, Folter und Misshandlung, Verschwindenlassen und außergerichtlichen Hinrichtungen ausgesetzt waren".

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