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- 17. Juli 2006 3 Min.
Massenandrang beim Cologne Pride, bei dem Vizekanzler Müntefering für sein Engagement die "Kompassnadel" erhielt.
Von Dennis Klein
30.000 Paradeteilnehmer und 600.000 Besucher: Die Kölner feiern auch nach den WM-Strapazen den CSD gewohnt bunt und ausgelassen - Prosecco, Kölsch und auch eisgekühlter Whiskey flossen bei über 30 Grad in Strömen. Während der Cologne Pride im vergangenen Jahr noch ganz im Zeichen der Bundestagswahl stand, waren die Themen diesmal eine Nummer kleiner: "100 Prozent NRW - Nur mit uns" lautete das Motto. Damit wollen die Veranstalter gegen die Kürzungen der nordrhein-westfälischen Landesregierung protestieren, die ursprünglich 40 Prozent der Mittel in der schwul-lesbischen Selbsthilfe einsparen wollte. Inzwischen hat die schwarz-gelbe Koalition die Kürzungen auf 20 Prozent reduziert (queer.de berichtete).
Auch die Verleihung der "Kompassnadel" an Franz Müntefering hatte einen eher landespolitischen Bezug: Der Vizekanzler hatte bereits am Samstag den Preis vom letztjährigen Preisträger, dem "Lindenstraßen"-Erfinder Hans W. Geißendörfer, in Empfang genommen. "Müntefering war der erste Landesminister von Nordrhein-Westfalen, der die Notwendigkeit der schwul-lesbischen Selbstorganisation nicht nur durch seine persönliche Teilnahme an Veranstaltungen unseres Verbands bekundet hat, sondern auch für eine solide Förderung der notwendigen Selbsthilfestrukturen durch das Land gesorgt hat", erklärte Steffen Schwab, Vorstand des Schwulen Netzwerks NRW, die den Preis seit 2001 jedes Jahr an Persönlichkeiten vergibt, die sich besonders verdient gemacht haben. "Als Sozialminister hat er die aktive Minderheitenpolitik für Lesben und Schwule regelmäßig auf die Tagesordnung in NRW gesetzt und ist damit als Mann der ersten Stunde ein überzeugendes Vorbild für seine Kolleginnen und Kollegen in der europäischen Politik", so Schwab.
Auf dem grünen Paradewagen hat auch wieder CSD-Hopper Volker Beck den Zuschauern Kondome entgegen geworfen. Zum Abschluss sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünenfraktion, dass sich Deutschland in Sachen Homorechte in Westeuropa "um die rote Laterne" bewerbe. "Die Zeit ist reif für die vollständige Gleichstellung von Lesben und Schwulen in Deutschland", so Beck.
CSD-Saison auch in Berlin eröffnet
Mit dem "Motzstraßenfest" hat auch in Berlin die heiße CSD-Phase begonnen. Über 300.000 Besucher vergnügten sich an den 250 Ständen und fünf Bühnen. Eröffnet wurde das Fest wie in den Vorjahren von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Auch andere Landespolitiker zeigten sich - denn am 17. September finden die Abgeordnetenhauswahlen statt. So zofften sich auf dem so genannten "Wilden Sofa" CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger mit der Grünen Franziska Eichstädt-Bohlig und WASG-Rebellin Lucy Redler.
Am Rande des CSDs haben auch Pro Asyl und die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) die deutsche Asylpolitik kritisiert. So hätten es schwule Asylbewerber schwer, anerkannt zu werden. Sie müssten eine "irreversible Veranlagung" nachweisen und Verfolgung durch Behörden belegen - für viele sei das eine unüberwindliche Hürde, so die beiden Menschenrechtsorganisationen.
17. Juli 2006
Bilder aus Köln: Uwe Görke und Dennis Klein














