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TV-Tipp

ZDF-"Herzkino": Für queere Liebe ist es nie zu spät

Im Liebesfilm "Ein Sommer in Italien", den das ZDF am Sonntag zur Prime Time zeigt, verliebt sich die verwitwete Hella in Apulien zur eigenen Überraschung erstmals in eine Frau – und hat damit überhaupt keine Probleme.


Zwischen Hella (Corinna Kirchhoff) und Sophia (Teresa Harder) entwickelt sich eine tiefe, sinnliche Beziehung (Bild: ZDF / Christoph Chassée)
  • Von Eliza Trapp
    18. Januar 2025, 12:49h 4 Min.

Welch ein Drama es doch wäre, die große Liebe zu verpassen! Genau davon erzählt der Liebesfilm "Ein Sommer in Italien" unter der Regie von Stefanie Sycholt, den das ZDF am Sonntag zur Prime Time zeigt (in der ZDF-Mediathek kann er bereits gestreamt werden).

Sycholt schafft eine eindrucksstarke Symbiose von einer Leichtigkeit und Schwere zugleich, in der Hella (gespielt von Corinna Kirchhoff) und die jüngere Billie (gespielt von Hanna Plaß) ihren Weg zum teilweise queeren Liebesleben gehen. Dabei ist "Ein Sommer in Italien" Teil der ZDF-"Herzkino"-Reihe "Ein Sommer in…", welche Geschichten von Frauen erzählen, die in die Ferne ziehen, um ihr Glück zu finden.

Hella und Billie leben in völlig unterschiedlichen Welten. Die verwitwete Hella findet beim Aufräumen Liebesbriefe ihrer alten Urlaubsbekanntschaft Angelo. Fest entschlossen, Angelo noch einmal begegnen zu wollen, reist sie nach Apulien. Dabei strahlt Hella eine unerschütterliche Bestimmtheit aus. Sie hat ihr Leben lang die Kontrolle nicht abgegeben. Hilfe von außen nimmt Hella nur ungern an.

Das Zusammenspiel von Gegensätzen

Zugleich reist Billie ebenfalls nach Apulien, allerdings mit anderen Zielen: Für die Liebe hat sie augenscheinlich nur wenig übrig. Lieber stürzt sich die Krankenschwester auch während ihres vermeintlichen Urlaubes Hals über Kopf in die Arbeit und unterstützt ihre Cousine bei ihrer Influencer-Karriere. Schnell wird klar: Billie lebt lieber für andere als für sich selbst. So bezeichnet Hella sie als "ein wandelndes Klischee". Billie strahlt jedoch Lebenslust und Freude aus. Doch die emotionalen Herausforderungen des Urlaubs lassen Billies mühsam aufrechterhaltene Fassade allmählich bröckeln.

Auch wenn beide Charaktere zunächst unterschiedlicher nicht sein könnten, bilden sie ein perfektes Zusammenspiel. Denn die beiden Frauen unterstützen sich gegenseitig mehr als zunächst scheint.

Hella verliebt sich in Angelos Schwester

Als Hella voller Vorfreude nach Angelo sucht, erfährt sie mit Schrecken, dass er bereits verstorben ist – die beiden haben sich knapp verpasst. Stattdessen trifft sie auf dessen Schwester Sofia. Ein Wiedersehen, welches sich zu einer aufrichtigen und herzerwärmenden Verbindung entwickelt. Die Szenen ihrer Annäherung sind geprägt von warmer Farbgebung und den sanften Klängen des Filmkomponisten Ulrich Reuter, die eine Atmosphäre der Ruhe schaffen. Besonders das Meer – ein Symbol für Freiheit – wird zum zentralen Ort ihrer Begegnungen.

Die Vision Sycholts ist es zunächst, eine Intimität der platonischen und intellektuellen Art zu etablieren. Die Verbindung der beiden älteren Frauen baut sich sanft auf – ein tiefes Gespräch, eine zärtliche Berührung, ohne dass Hella sie hinterfragt – sie nimmt das Leben so, wie es kommt, mit allen Überraschungen und queeren Wendepunkten. Ein Neu-Entdecken ihrer Queerness scheint für sie dabei völlig selbstverständlich zu sein.


Das ZDF zeigt "Ein Sommer in Italien" am Sonntag, den 19. Januar 2025 um 20:15 Uhr. In der ZDF-Mediathek kann der Film bereits gestreamt werden (Bild: ZDF / Christoph Chassée)

Im Kontrast dazu ist Billies Alltag geprägt von Chaos – musikalisch wiederholt unterbrochen von dem lustig-leichten Party-Hit "Macarena". Ihr Liebesleben spielt sich unter anderem digital ab. Sie nutzt – mehr oder weniger unfreiwillig – eine Datingapp und steht schnell zwischen den Stühlen. So machen ihr sowohl der Rettungsschwimmer und Barmann Matteo als auch der Fotograf Raffaele den Hof. Doch anstatt das Leben zu genießen, wird Billie immer wieder von einer zentralen Frage eingeholt: "Wann war ich eigentlich zuletzt glücklich?"

Die Liebe ist alles, aber nicht subtil

Die Freundschaft von Hella und Billie wird trotz der turbulenten Ereignisse zum Ende hin stärker. Dabei agiert Hella weniger als eine Leitfigur für Billie, sondern eher als stille Beobachterin, die ihre Meinung jedoch jederzeit klar kundgibt. Im Fokus des Filmes stehen so vor allem die bedingungslose Akzeptanz der neu entdeckten Queerness Hellas und der klischeebehafteten Selbstfindung Billies.

Hella löst sich von den Erwartungen an ältere Frauen – wie beispielsweise das Verharren in festen Mustern. So zeigt sie, dass queere Liebe jederzeit eine Daseinsberechtigung hat. Sycholt schafft ein Zusammenspiel, das von Hingabe und bedingungsloser Annahme geprägt ist, unterstützt durch die symbolische Wirkung der Kleidung: Gegen Ende des Films tragen die Frauen fließende Kleider, die ihre Sehnsucht nach weiblicher Freiheit verkörpern.

"Ein Sommer in Italien" ist ein Film, der keine Fragen aufwirft, sondern zeigt, dass die Liebe, wenn man sich denn darauf einlässt, ein romantisches Erlebnis ist. Wie realistisch dieses Erlebnis ist, sei dahingestellt, doch Liebesfilme haben vor allem einen Sinn: Sie sollen ein Wohlfühlerlebnis schaffen. Denn am Ende wird bekanntlich immer alles gut – oder etwa nicht?

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