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USA
Trump-Amtseinführung: "Wir stehen am Anfang eines langen und dunklen Weges"
Kurz vor Beginn seiner zweiten Amtszeit macht Donald Trump noch einmal deutlich, dass er Queerfeindlichkeit als eines seiner zentralen Themen ansieht. LGBTI-Aktivist*innen erwarten schwere Zeiten.

Trump ließ sich am Sonntag von seinen Fans, darunter die Village People, feiern (Bild: IMAGO / UPI Photo)
- 20. Januar 2025, 10:05h 3 Min.
Donald Trump hat am Vortag seiner Amtseinführung vor Tausenden Fans in Washington in einer "Victory Rally" weitreichende Initiativen angekündigt. Dabei kündigte er am Sonntag in der Capital One Arena auch an, dass er Schritte gegen trans Menschen plane. Unterdessen rufen queere Organisationen die Öffentlichkeit dazu auf, angesichts der geplanten Verschärfungen nicht in Panik zu geraten. Trumps neue Amtszeit beginnt am Montag um 18 Uhr deutscher Zeit.
Der 78-jährige frühere und künftige US-Staats- und Regierungschef begründete in seiner Rede das Vorgehen gegen trans Menschen damit, dass so Kinder geschützt werden könnten: "Wir werden unseren Kindern lehren, unser Land zu lieben, unsere Geschichte zu ehren und immer unsere großartige amerikanische Flagge zu respektieren. Wir werden die kritische Rassentheorie und den Transgender-Wahnsinn aus unseren Schulen rauskegeln." Außerdem sagte Trump, er wolle "Männer aus dem Frauensport" heraushalten.
Trump hatte bereits vor und nach seinem Wahlsieg im November angekündigt, den "Trans-Wahnsinn" bekämpfen zu wollen (queer.de berichtete). So plant er, per Dekret trans Menschen den Dienst im US-Militär zu untersagen. Zudem haben seine Republikaner erst vor wenigen Tagen im Repräsentantenhaus ein Gesetz beschlossen, dass trans Menschen an Schulen und Universitäten verbieten würde, an Sportwettkämpfen gegen Frauen und Mädchen teilzunehmen (queer.de berichtete). Für Trump und seine Anhänger*innen sind die Rechte von trans Menschen – neben einem Streit um die "kritische Rassentheorie", also die Thematisierung von amerikanischem Rassismus an Schulen und Universitäten – derzeit die größten Kulturkampfthemen.
Auch Verbot der Ehe für alle oder Rekriminalisierung von Homosexualität möglich
LGBTI-Aktivist*innen befürchten außerdem, dass nach dem Trump-Sieg die Ehe für alle in Gefahr ist. So gibt es bereits Initiativen aus der republikanischen Partei, die 2015 landesweit erfolgte Ehe-Öffnung wieder abzuwickeln (queer.de berichtete). Zudem besteht sogar die Gefahr, das das 2003 vom Supreme Court abgeschaffte Verbot von homosexuellen Handlungen wieder eingeführt werden könnte. Zu diesem Zeitpunkt war Homosexualität noch in 14 US-Bundesstaaten illegal, etwa in Texas, Florida und North Carolina. Der erzkonservative Supreme-Court-Richter Clarence Thomas erklärte bereits 2022, über die Rekriminalisierung von Homosexualität nachzudenken (queer.de berichtete).
Die Human Rights Campaign, die größte LGBTI-Organisation des Landes, bereitete am Sonntag auf Facebook queere Menschen auf die neue Trump-Regierung vor. Dabei warnte sie vor Panik: "Morgen werden wir am Anfang eines langen und dunklen Weges stehen – und wir sind hier, wir sind stark und wir werden uns wehren. Unsere Bewegung hatte schon vorher harte Zeiten hinter sich gebracht und ist am Ende stärker gewesen. Wir müssen jetzt informiert bleiben, uns um uns kümmern und in Verbindung mit unserer Community bleiben."
Tomorrow is the beginning of a long and dark road ahead — and we're here, we're strong, and we're fighting back. Our...
Posted by Human Rights Campaign on Sunday, January 19, 2025
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Am Rande der Amtseinführung sind auch mehrere Protestaktionen gegen die Trump-Regierung geplant, die auch von LGBTI-Organisationen unterstützt werden. Bereits am Wochenende demonstrierten Tausende. Allerdings liegt die Zahl weit unter jener bei den Anti-Trump-Massenprotesten zu seiner Amtseinführung 2017.
Angesichts der queerfeindlichen Politik der angehenden Regierung erscheint es bizarr, dass der als queere Hit geltende Song "YMCA" von den Village People in Washington praktisch bei allen Trump-Veranstaltungen zu hören war und zu einer Art inoffiziellen Trump-Hymne geworden ist. Die Band trat und tritt außerdem im Rahmen der Zeremonie bei mehreren Veranstaltungen auf, so auch bei der "Victory Rally" am Sonntag (queer.de berichtete). Leadsänger Victor Willis verteidigte die Nähe zu Trump auf Facebook mit den Worten: "Wir wissen, dass einige von Euch das nicht gerne hören werden, aber wir glauben, dass Musik ohne Bezug zu Politik gespielt werden sollte." Der Song solle helfen, das Land nach einem turbulenten Wahlkampf zu vereinen. (dk)















