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- 18. Juli 2006 3 Min.
Nach einem neuen Gesetz sind jetzt selbst Umarmungen unter Männern verboten.
Von Dennis Klein
Simbabwes Diktator Robert Mugabe zieht die Daumenschrauben für Schwule weiter an: Das "Gesetz gegen sexuelle Abweichungen" enthält jetzt 15 neue Verbote. Bislang wurde "nur" Homo-Sex mit Gefängnisstrafen bis zu zehn Jahren geahndet. Jetzt sollen mögliche Schwule mit einem Präventivgesetz zu Zucht und Ordnung gezwungen werden: Männer dürfen sich in dem zwölf Millionen Einwohner zählenden Land nicht mehr an den Händen halten, sich nicht mehr umarmen und schon gar nicht mehr küssen. "Sodomy" sei nun jeder "Kontakt zwischen zwei Männern, der von einer vernünftigen Person als unanständige Tat angesehen wird", so das neue Gesetz. Was eine "vernünftige Person" ist, sagt es nicht.
Das Gesetz trägt die Handschrift von Mugabe, der sich schon in der Vergangenheit oft als Homo-Hasser profiliert hat. Mugabe bezeichnete Schwule wiederholt als "schlimmer als Schweine und Hunde". Homosexualität sei zudem "eine weiße Krankheit", die von den Kolonialmächten importiert worden sei. Dabei beruht die antischwule Gesetzgebung in Simbabwe noch auf dem britischen Kolonialrecht.
Vor allem Amnesty International und die britische Homo-Gruppe Outrage prangern die homophobe Politik Mugabes an. So hat der Outrage-Aktivist Peter Tatchell wiederholt versucht, Mugabe in Großbritannien vor Gericht zu bringen (queer.de berichtete). Bislang ohne Erfolg.
Dabei benutzt Mugabe Homosexualität auch gerne als Waffe gegen seine Widersacher. So beschuldigte er erst im März die besagte kleine Gruppe Outrage, sie würde einen Umsturzversuch in Simbabwe anzetteln (queer.de berichtete). 1996 wurde auch sei innerparteilicher Widersacher Canaan Banana aufgrund der "Sodomy laws" festgenommen. Er hat angeblich versucht, seinen Bodyguard zu verführen. Das Gericht verurteilte ihn zu zehn Jahren Haft. Banana starb schließlich 2003 als gebrochener Mann.
Trotz seiner Menschenrechtsverletzungen und einer verheerenden Wirtschaftspolitik, die die einstige "Kornkammer Afrikas" an den Rand einer Hungersnot brachte, ist Mugabe auf dem Kontinent und einigen anderen Entwicklungsländern durchaus populär. So wurde er 2004 von den Lesern des Magazins "New African" in die Liste der "100 großartigsten Afrikaner" gewählt - hinter Nelson Mandela und dem ghanaischen Befreiungskämpfer Kwame Nkrumah belegte der Diktator den dritten Platz. Grund dafür ist vor allem seine scharfe Rhetorik gegen die verhasste ehemalige Kolonialmacht Großbritannien. Zu seinen engsten Freunden zählt er vor allem antiwestliche Despoten wie den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez und den kubanischen Diktator Fidel Castro. Kritik erntet er dagegen vermehrt aus dem liberalen Südafrika, das sich einem Ansturm von Flüchtlingen aus dem Nachbarland ausgesetzt sieht. Der homofreundliche Erzbischof Desmond Tutu nannte Mugabe eine "Karrikatur eines afrikanischen Diktators". Noch aber hält der 82-jährige Despot die Zügel in seinem Reich fest in der Hand.
18. Juli 2006














