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"Haben Sie Erbarmen"
Bischöfin von Washington redet Trump ins Gewissen
"Es gibt schwule, lesbische und trans Kinder in demokratischen, republikanischen und unabhängigen Familien. Manche fürchten um ihr Leben", sagte Bischöfin Mariann Budde bei einem Gottesdienst zur Amtseinführung von Donald Trump.

Hatten sich den Gottesdienst wohl anders vorgestellt: Donald und Melania Trump am Dienstag in der National Cathedral (Bild: IMAGO / UPI Photo)
- 22. Januar 2025, 02:59h 3 Min.
- Zu Update springen: Trump verhöhnt Bischöfin auf seiner Social-Media-Plattform (10:55 Uhr)
Die anglikanische Bischöfin von Washington, Mariann Edgar Budde, hat den Gottesdienst nach der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump zum Anlass genommen, dem Republikaner ins Gewissen zu reden.
Zum Ende ihrer Predigt am Dienstag in der National Cathedral wandte sich die Geistliche der christlichen Episkopalkirche direkt an Trump: "Im Namen unseres Gottes bitte ich Sie, haben Sie Erbarmen mit den Menschen in unserem Land, die jetzt Angst haben", sagte Budde. "Es gibt schwule, lesbische und transgeschlechtliche Kinder in demokratischen, republikanischen und unabhängigen Familien. Manche fürchten um ihr Leben."
Queerfeindliche Erlasse am ersten Amtstag
Trump hatte nach seiner Vereidigung angeordnet, dass der Politik der Vereinigten Staaten fortan die Annahme zugrunde liegen soll, dass es nur zwei Geschlechter gibt: männlich und weiblich. Auch beendete er zahlreiche Programme zur Förderung von Diversität, indem er dutzende Verfügungen seines Vorgängers Joe Biden annullierte. Die Programme zielten darauf ab, Vielfalt und Gleichheit in der Regierung, am Arbeitsplatz und im Gesundheitswesen sowie die Rechte von LGBTI zu fördern (queer.de berichtete).
In seiner Antrittsrede kündigte Trump außerdem an, nun "Millionen und Abermillionen krimineller Ausländer" abschieben zu lassen. Später erließ er Dekrete, um die geplante Massenabschiebung von Migrant*innen ohne Aufenthaltserlaubnis in Gang zu setzen.
Trump fand Predigt "nicht allzu aufregend"
Auch das machte die Bischöfin in ihrer Predigt zum Thema. "Die Menschen, die unsere Ernte einbringen und unsere Bürogebäude reinigen, die in Geflügelfarmen und Fleischverpackungsbetrieben arbeiten, die in Restaurants das Geschirr nach dem Essen abwaschen und in Krankenhäusern Nachtschichten übernehmen, sind vielleicht keine Staatsbürger oder haben keine Papiere", sagte Budde. Aber die große Mehrheit der Einwanderer*innen sei nicht kriminell. Sie zahlten Steuern und seien gute Nachbarn.
"Ich bitte Sie, Erbarmen zu haben, Herr Präsident", sagte die Geistliche weiter. "Helfen Sie denjenigen in unseren Gemeinden, deren Kinder befürchten, dass ihnen ihre Eltern weggenommen werden." Gott lehre die Menschen, gegenüber Fremden barmherzig zu sein.
Nach dem Gottesdienst antwortete Trump außerhalb der Kathedrale auf die Fragen von Journalist*innen, dass die Predigt "nicht allzu aufregend" gewesen sei, und "sie könnten es viel besser". (cw/AFP/dpa)
Update 10:55 Uhr: Trump verhöhnt Bischöfin auf seiner Social-Media-Plattform
Donald Trump ließ die Predigt nicht lange auf sich sitzen: Der Ton der Bischöfin sei "fies" gewesen, ihre Aussagen "unangemessen" und der Gottesdienst "sehr langweilig und uninspiriert," schrieb Trump auf seiner Online-Plattform Truth Social. "Sie ist nicht sehr gut in ihrer Arbeit! Sie und ihre Kirche schulden der Öffentlichkeit eine Entschuldigung," hieß es weiter. Er warf der Geistlichen zudem vor, eine linksradikale Trump-Hasserin zu sein. (dpa/cw)

(Bild: Truth Social)















