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Kinostart

Mobbing in der Schule wegen Einhorn-Rucksacks

Luis liebt seinen bunt-glitzernden Rucksack, doch in der Schule wird er dafür gemobbt. Der deutsche Spielfilm "Es geht um Luis" versucht, den stressigen Eltern-Alltag und eine Toleranzgeschichte zu erzählen.


Max Riemelt und Natalia Rudziewicz als Elternpaar in "Es geht um Luis" (Bild: Across Nations Filmverleih)

Einhörner sind nicht von dieser Welt, sie sind anders und besonders, sie umgibt eine fantastische Magie. Kein Wunder also, dass die Fabelwesen zum queeren Wappentier wurden. Nicht erst seit dem letzten Einhorn-Hype, der vor rund einem Jahrzehnt begann, sondern schon seit den 1970er Jahren. Ein bisschen Glitzer und Regenbogen dazu, fertig.

Auch Kinder lieben Einhörner. Das beweist die seit Jahrzehnten erfolgreiche Marke "My Little Pony", ein riesiges Universum an quietschbunten Spielzeugen, Kinofilmen und allem möglichen anderem Merchandise. Auch der zehnjährige Luis mag Einhörner. Also geht er mit einem glitzernden Einhorn-Rucksack in die Schule.

Der Einhorn-Rucksack ist laut Schule unangemessen


Poster zum Film: "Es geht um Luis" startet am 23. Januar 2025 bundesweit im Kino

Dort wird er dafür gemobbt, niemand will mehr neben ihm sitzen. Die Eltern Constanze (Natalia Rudziewicz) und Jens (Max Riemelt) erfahren am Telefon vom Direktor davon. Die Schule betreibt klassische Täter-Opfer-Umkehr, entzieht sich ihrer Verantwortung, und macht den Rucksack – und damit Luis – für alles verantwortlich. Er solle einen angemessenen Rucksack tragen, dann wäre alles gut.

Die Eltern sind mehr als überfordert von der Situation. Sie haben auch genug eigene Sorgen. Die Architektin Constanze ist gestresst auf der Arbeit, Jens schiebt als Taxifahrer eine Nachtschicht nach der anderen, das Geld ist knapp. Und sie sind sich uneinig, wie sie mit dem Rucksack umgehen sollen. Die Mutter tendiert zum Nachgeben, der Vater sieht das Problem nicht beim Einhorn, sondern bei den Mitschüler*­innen, die das Einhorn ablehnen.

Die Eltern streiten, telefonieren und haben Sex – im Taxi

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Lucia Chiarla nutzt für ihr Familiendrama "Es geht um Luis" ein Drama des spanischen Dramatikers Paco Bezerra. "El pequeño poni" von 2016 wiederum wurde von ähnlichen Ereignissen in den USA inspiriert. Lucia Chiarla ändert jedoch den an die globale Marke erinnernden Titel. In "Es geht um Luis" steckt mehr, als man vielleicht zunächst denken würde: Denn Luis selbst taucht im ganzen Film gar nicht auf, er ist nur ein paarmal am Telefon zu hören. Geht es also am Ende gar nicht wirklich um den Sohn?

Den Titel zu ändern, war, man kann es nicht anders sagen, eine der wenigen guten Ideen des Films. Denn "Es geht um Luis" scheitert auf allen Ebenen. Das geht mit der Entscheidung los, das Familiendrama fast ausschließlich in Jens' Taxi spielen zu lassen. Die Eltern streiten sich im Taxi, telefonieren mit der Schule oder ihrem Sohn im Taxi, haben sogar Sex im Taxi.

Das Drama spielt ausgerechnet in Stuttgart

Man merkt dem Kameramann Christoph Iwanow das Bemühen an, das irgendwie bildlich interessant gestalten zu wollen: Kamerafahrt neben dem Taxi, vor dem Taxi, Drohnenaufnahmen vom Taxi, das Taxi in Untersicht, das Taxi in einer Waschanlage. Es ist nicht übertrieben: Es gibt im ganzen Film kaum ein Bild ohne das elfenbeinfarbene Auto. Das Ergebnis ist ein Asphaltfilm, der auf der Bildebene gähnend langweilig ist, und die Frage provoziert, was Mercedes Benz für diese Produktplatzierung getan hat. Dass der Film in der Benz-Stadt Stuttgart spielt, kann da nur ein ironisches i-Tüpfelchen sein.

Doch nicht nur die kriselnde Automarke dürfte ganz begeistert von dem Film sein, die Taxi-Lobby wird ebenso jubeln. Denn Regisseurin Lucia Chiarla reichert "Es geht Luis" an um eine halbgare Nebenhandlung, in der Jens sich gegen die Fahrdienst-App "Easy Lane" wehrt. Die Uber-Kopie macht das Geschäft der Taxileute kaputt, Jens will dagegen mit Kolleg*innen mobil machen. Wozu der Film diese allerhöchstens latent aktuelle politische Aufladung braucht, bleibt unklar.

"Man sagt nicht schwul"

Doch auch die Haupthandlung kann die bildliche Langeweile nicht ausgleichen, denn sie kommt nur allzu langsam in die Gänge. Dass ihr Sohn den neuen Rucksack ("Camouflage ist doch jetzt in", sagt Constanze) ablehnt und sein Einhorn behalten will, lässt Jens seine Frau fragen, ob Luis vielleicht schwul ist. Plötzlich entsteht zwischen den beiden eine eigenartig gestrige Diskussion darüber, was normal ist. Die ohnehin eher unsympathische Constanze entblößt sich dabei noch weiter.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film
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Doch auch ihr Mann Jens, grundsätzlich reflektierter und mehr am Wohl seines Sohnes orientiert, dreht irgendwann völlig durch. Einem jugendlichen Kunden hält er einen VHS-artigen Vortrag darüber, dass es keine schwulen Farben gibt und dass Rosa mal die Farbe für Männer war. Der Junge antwortet nur: "Man sagt nicht schwul." Das heiße LGBTQIA+. Bitte was? Das muss doch Satire sein.

Ein Film, den man sich sparen kann

Es gibt einen einzigen kurzen Lichtblick, eine ganz gelungene und lustige Szene, in der Luis' Großmutter Hanna (Franziska Troegner) ihre Meinung zu dem Ganzen sagt (im Taxi, versteht sich). Die Alt-68erin redet sich in Rage, spricht über systeminhärente Gewalt und eine gewalttätige Kultur. Adornos "Es gibt kein richtiges Leben im falschen" schwingt da deutlich mit.

Insgesamt aber enttäuscht "Es geht um Luis". Der Film hätte eine wertvolle Auseinandersetzung mit dem Thema Mobbing an Schulen sein können. Viele queere Jugendliche – ob sie es wirklich sind oder ihnen bloß unterstellt wird – leiden an Schulen. Die wiederum weisen gern die Schuld von sich, verlangen von den Betroffenen, sich anders zu verhalten. Der Dualismus aus Subversion und Assimilation kann hier besonders spannungsreich sein, er ist in den Eltern ja auch schon angelegt.

Stattdessen hat Lucia Chiarla ein unglaubwürdiges Drama voller hölzerner Dialoge geschaffen, das man sich getrost sparen kann. Außer man ist Taxi-Fan.

Infos zum Film

Es geht um Luis. Familiendrama. Deutschland 2024. Regie: Lucia Chiarla. Cast: Max Riemelt, Natalia Rudziewicz, Aziz Çapkurt, Ali Bulgan, Katja Preuß, Franziska Troegner. Laufzeit: 97 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 12. Verleih: Across Nations. Kinostart: 23. Januar 2025
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