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Interview

Nichtbinäre trans Schauspielperson spielt cis hetero Rolle

Quintessa Swindell ist in einer Hauptrolle der neuen Serie "Prime Finder" zu sehen, die viele Erwartungen unterwandert und Stereotypen aus dem Weg geht. Wir haben den queeren Shooting-Star interviewt.


Jetzt auf Apple TV+: Quintessa Swindell als Geheimagentin Taylah Sanders in "Prime Finder" (Bild: AppleTV+)

2019 stand Quintessa Swindell für eine Episode der Serie "Euphoria" erstmals vor der Kamera. Seither drehte Swindell nicht nur die Netflix-Serie "Diebische Elstern" und die vierte Staffel von "In Treatment", sondern auch Filme mit Colin Farrell ("Voyagers"), Sigourney Weaver ("Master Gardener") oder Dwayne Johnson ("Black Adam").

Jetzt ist der 1997 geborene nichtbinäre trans Shooting-Star in einer der Hauptrollen der neuen Serie "Prime Finder" (seit 22. Januar 2025 bei AppleTV+) zu sehen. Wir sprachen Swindell dazu im Video-Interview.

Quintessa, bislang kennt man Sie unter anderem aus der Teenie-Serie "Diebische Elstern" oder der Comicverfilmung "Black Adam". Fast könnte man sagen, die Rolle einer Geheimagentin in der Serie "Prime Finder" ist Ihre bislang erwachsenste, oder?

Auf jeden Fall ist es keine gewesen, in der ich mich auf Anhieb selbst gesehen habe. Das Drehbuch für die erste Folge fand ich gleich total spannend, aber als ich mich in London mit Brady Hood, dem Regisseur der Serie, traf, gab ich gleich zu bedenken, dass ich als NSA-Agentin vielleicht nicht unbedingt glaubwürdig sei. Doch genau darum ging es ihm: nicht bloß ein Bild bestätigen, dass man von solchen Figuren hat, sondern eine junge, moderne Agentin zu zeigen, die eine neue Generation repräsentiert. Das fand ich ebenso reizvoll wie die Chance, allerlei Stunts performen zu dürfen.

Interessant ist auch die Dynamik der von Ihnen gespielten Agentin Taylah und dem Mathe-Genie Edward (Leo Woodall), den sie observiert. Denn das romantische Knistern, das man in einer solchen Serie vielleicht erwarten würde, bleibt aus…

Auch das war gleich Thema im ersten Gespräch mit Brady, denn ich traute dem Braten nach dem ersten Skript nicht und fragte ihn, in welcher Folge damit zu rechnen sei, dass Taylah mit irgendwem im Bett landet und sich ausziehen muss. Doch tatsächlich interessierte ihn das kein bisschen, weswegen Leos Figur ja auch nicht heterosexuell ist. Dass ich als Hauptfigur einer Spionage-Serie und als junge, femme Schauspielperson mich nicht in mein männliches Gegenüber verliebe, sondern ihn wirklich nur beschützen und retten muss, fand ich schon ziemlich verrückt und beeindruckend.


Quintessa Swindell und Leo Woodall in "Prime Finder" (Bild: AppleTV+)

Wäre es nicht auch eine Option gewesen, aus Taylah eine nichtbinäre Figur zu machen?

Interessanterweise hatte Brady kein Interesse, diesen Aspekt meiner eigenen Persönlichkeit in die Rolle zu integrieren. Für ihn war Ed die queere Hauptfigur der Serie und Taylah sollte cis und hetero und damit ein Gegengewicht sein. Auch das war für mich wieder eine Überraschung und ein unerwarteter Punkt, wo die Serie Erwartungen unterwandert und Stereotypen aus dem Weg geht. Denn natürlich könnte man – in dem Moment, wo ich die Rolle spiele – denken, dass Taylah vielleicht nichtbinär oder irgendwie queer ist. Ist sie aber nicht. Dafür wird der schwule Mathematiker von Leo gespielt, der dafür auf den ersten Blick vielleicht auch nicht die naheliegendste Wahl ist.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zu "Prime Finder"
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Trotzdem ist es doch fast ein wenig schade, denn jede nichtbinäre Person mehr, die wir als Serienfigur zu sehen bekommen, ist doch in Sachen Repräsentation ein Gewinn, oder?

Auf jeden Fall. Aber das "wie" ist natürlich auch wichtig. Als nichtbinäre Schaupielperson, die sich nun auch noch als trans identifizierend geoutet hat, bekomme ich seit einiger Zeit durchaus etliche Angebote für nichtbinäre oder trans-maskuline Rollen. Die meisten von denen sind allerdings leider ziemlich oberflächlich und eindimensional, weil gerade in Hollywood viele Entscheider*innen immer noch das Gefühl haben, das Publikum würde queere und genderdiverse Figuren nicht verstehen, wenn man nicht alles erklärt und auf das Schlichteste herunterbricht. Ich halte das für einen Fehler und denke, dass die meisten Zuschauer*innen sehr wohl wissen, dass diese Menschen existieren – und zwar überall. Bis wir das in Filmen und Serien noch mehr sehen, ist es noch ein langer Weg. Und ich bin froh, wenn ich möglichst oft meinen Teil zu mehr authentischen, ehrlichen Darstellungen fernab von Klischees beitragen kann.

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Sie selbst sind groß geworden als Kind eines alleinerziehenden Vaters und besuchten eine Schule mit künstlerischem Schwerpunkt. Haben Sie die Schauspielerei dort auch deswegen für sich entdeckt, weil sie Ihnen dabei half, Ihre eigene Identität zu finden?

Das ist sicherlich nicht falsch. Ich hatte das Glück, mit der wunderbaren Mimi Eisman, die eine sehr besondere Frau war, eine tolle Schauspiellehrerin zu haben. Sie bestand darauf, mir auch Einzelstunden jenseits des Unterrichts zu geben, und im Rückblick sehe ich heute, wie schnell wir damals aufhörten, über einzelne Szenen zu sprechen, und viel mehr über das Leben selbst redeten. Durch sie verstand ich, dass Schauspielerei im Grunde nichts anderes ist als Lebenserfahrung. Davon hatte ich, trotz meines jungen Alters, schon einige. Und Mimi war die erste Person in meinem Leben, die mich ermutigte, mehr über das, was ich erlebt hatte, zu sprechen, meine Erfahrungen zu teilen und die Schauspielerei als eine Art Katharsis zu nutzen. Ich weiß nicht, was ohne sie und diese Schule aus mir geworden wäre.

-w-