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Interview
Wie spielt man das Opfer einer "Konversionstherapie", Serafin Mishiev?
Im tief bewegenden "Homoheiler"-Drama "Gotteskinder", das am 30. Januar in die deutschen Kinos kommt, überzeugt Serafin Mishiev in der Rolle des sensiblen queeren Teenagers Timotheus.

Serafin Mishiev als 15-jähriger Teenager Timotheus in "Gotteskinder" (Bild: W-Film)
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29. Januar 2025, 08:53h 4 Min.
Der Berliner Serafin Mishiev, Jahrgang 2006, wird schon als Neunjähriger Mitglied des Jungen Ensembles im Friedrichstadt-Palast. Im selben Jahr tritt er der Kinder-Tanzcompany Sasha Walz Guests bei. Sein Filmdebüt folgt 2018 mit der Rolle des Daniel in Philipp Kadelbachs Tragikomödie "So viel Zeit". Eine größere Rolle übernimmt er 2019 in dem preisgekrönten Musikdrama "Das Vorspiel". Seit 2023 gehört er zum Schauspiel-Ensemble der Serie "Nackt über Berlin" von Axel Ranisch.
Im knallharten "Homoheiler"-Drama "Gotteskinder", das am 30. Januar 2025 in die deutschen Kinos kommt, überzeugt Serafin Mishiev nun in der Rolle des sensiblen queeren Teenagers Timotheus. Für seine Figur wird der Psychoterror der bigotten Hass-Prediger fatale Folgen haben. Eine Schauspielleistung, die unter die Haut geht (Filmkritik auf queer.de).
Wir haben uns mit Mishiev über den Film und seine Rolle unterhalten.

Poster zum Film: "Gotteskinder" startet am 30. Januar 2025 bundesweit im Kino
Was war Ihre erste Reaktion auf das Angebot dieser Rolle in "Gotteskinder"?
In das Thema bin ich langsam durch die Castings hineingekommen und habe mich mit Regisseurin Frauke Lodders schnell wohlgefühlt. Ich habe es als interessante Herausforderung empfunden. Aber ich wusste von Anfang an, dass ich die Rolle gerne spielen möchte.
Was hat Sie an dem Thema interessiert?
Mich interessierte besonders Timos Charakter, seine so unschuldig freundliche Art, mit der er seine Familie und generell Mitmenschen zufriedenstellen und stolz machen wollte. Geliebt zu werden, beschäftigte ihn sehr. Und dann die Zerrissenheit Timos zwischen seiner Familie, dem Glauben und der ganz eigenen Sehnsucht nach einem anderen Menschen.
Wie sah die Beschäftigung mit dem Thema aus? Haben Sie Betroffene getroffen?
Frauke hat sich sehr intensiv damit beschäftigt und einige Betroffene kennengelernt. Sie konnte mir über vieles ausführlich berichten und ihre Erfahrungen weitergeben. Zusätzlich gibt es auch viele Dokus zum Thema, die mir einen guten Einblick gegeben haben.
Wie viele Schnittmengen gibt es zwischen der Figur und seinem Darsteller? Oder benötigen Sie keine Ähnlichkeiten?
Ich bin darin reingewachsen und sehe es aber als Handwerk, mich in Timos Situation hineinzufühlen. Einfach gesagt, gibt es für mich viele Schnittmengen zwischen Timo und mir. Ein paar dieser sind in meinem jetzigen Alter, auch wenn es nicht allzu lang her war, weniger geworden. Ich hätte gerne gewusst, wie es ihm ergangen wäre.
Wie locker drehen Sie die intimen Szenen. Wie wichtig ist dabei ein Intimacy-Coach?
Es war die erste Erfahrung für mich, wirklich gelassen war es für mich nicht, jedoch zusammen mit der Intimacy-Koordinatorin haben wir die Szenen intensiv choreografiert. Das war wichtig, um den Stress so gut wie es ging zu minimieren und Freude an den Szenen zu finden. Es war etwas Neues, und ich fand Freude daran.

Serafin Mishiev bei der Premiere von "Gotteskinder" in Frankfurt (Bild: W-Film / Sonja Schwarz)
Mit welchen Gefühlen sehen Sie sich in solchen Szenen im fertigen Film?
Natürlich war es erstmal ungewohnt und auch nicht wirklich angenehm, aber ich lernte, Timo mit Distanz zu sehen und einem doch guten Gefühl.
Wie war die Erfahrung, mit Axel Ranisch zu drehen?
Es war zwar eine kleine Rolle, aber es war beeindruckend, ihn bei der Arbeit zu sehen und mit ihm drehen zu können.
Was halten Sie von der Forderung, wonach queere Rollen nur von queeren Menschen gespielt werden sollen. Ist das noch aktuell oder schon überholt?
Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Ich bekomme eine Rolle angeboten und schaue, ob ich mich darin einfühlen kann. Ob ich dazu berechtigt bin, ist ein gesellschaftlicher Diskurs. Für mich gibt es keinen Unterschied in der Liebe eines Mannes zu einer Frau oder zu einem anderen Mann. Natürlich auch umgekehrt.
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Sind Sie vorbereitet darauf, dass sich Betroffene nach dem Film direkt an Sie wenden?
Es war beeindruckend, Betroffene kennenzulernen und mit ihnen über das Thema und ihre Erfahrungen zu reden. Jedoch habe ich bis jetzt nur Betroffene getroffen, die aus ihrer Gemeinde ausgetreten sind. Eine betroffene Person, die noch damit zu kämpfen hat, habe ich noch nicht kennengelernt. Für mich ist klar, dass, wenn Religionen einen derart einschränken, man einen eigenen Weg suchen sollte.
Welche Reaktionen auf den Film würden Sie sich wünschen?
Ich finde es wichtig, dass es für solche Geschichten einen Raum gibt. Es sieht jeder einen anderen Film. Wenn es etwas hinterlässt, Fragen aufwirft oder einen berührt, macht mich das glücklich. Am meisten wünsche ich mir, dass der Film jenen Kraft gibt, die in ihrem Leben damit noch zu kämpfen haben, und sich dann frei fühlen können.
Gotteskinder. Drama. Deutschland 2023. Regie: Frauke Lodders. Cast: Flora Li Thiemann, Michelangelo Fortuzzi, Serafin G. Mishiev, Bettina Zimmermann, Mark Waschke. Laufzeit: 117 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 12. Verleih: W-Film Distribution. Kinostart: 30. Januar 2025
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