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Queer Cinema

So queer war das Sundance Film Festival 2025

Traditionell liegt ein Schwerpunkt beim Sundance Film Festival in Utah auf LGBTI-Geschichten, so auch in diesem Jahr. Die fünf Highlights stellen wir hier näher vor.


Szene aus "Come See Me in the Good Light" (Bild: Sundance)

Seit vielen Jahrzehnten ist das Sundance Film Festival, 1978 von Hollywood-Star Robert Redford und Mitstreiter*innen gegründet, die wohl wichtigste Plattform für US-amerikanisches und internationales Independent-Kino abseits großer Mainstream- und Studio-Produktionen. Die Liste der Filme, die hier ihre Weltpremiere feierten, reicht von "Mondsüchtig" mit Cher und Todd Haynes' "Poison" über "Welcome to the Dollhouse" und "Little Miss Sunshine" bis hin zu "Call Me By Your Name" und Oscar-Gewinner "Coda".

Traditionell liegt ein Schwerpunkt des Festivals, das traditionell und noch bis einschließlich kommendes Jahr Ende Januar im kleinen Ski-Örtchen Park City in Utah stattfindet (2027 steht ein Umzug an), auch auf LGBTI-Geschichten. Dass seit einem Jahr der schwule Journalist und Festival-Veteran Eugene Hernandez das Programm verantwortet, trägt dazu natürlich ein Übriges bei. Manche queeren Highlights, wie etwa Bill Condons Musical-Verfilmung "Kiss of the Spider Woman" mit Jennifer Lopez und dem queeren Shooting Star Tonatiuh oder Andrew Ahns Remake von "The Banquet", waren in diesem Jahr nur für Festival-Besucher*innen vor Ort zu sehen. Doch auch, wer lediglich an den online verfügbaren Presse-Screenings teilnehmen konnte, entdeckte jede Menge spannende Filme. Wir stellen fünf vor, die hoffentlich bald auch regulär für ein hiesiges Publikum zu sehen sein werden.

Twinless


Szene aus "Twinless" (Bild: Sundance)

Online sorgte die Tragikomödie "Twinless" bereits für viel Gesprächsstoff, was vor allem an einer schwulen Sexszene zwischen "Teen Wolf"-Star Dylan O'Brian und Regisseur und Hauptdarsteller James Sweeney lag, von der unerlaubte Screenshots im Netz die Runde machten. Doch der Film hat viel mehr zu bieten als diesen einen heißen Moment. O'Brian und Sweeney spielen zwei sehr ungleiche Männer – einer hetero, der andere schwul – die sich kennen lernen in einer Selbsthilfegruppe für Menschen, die um verstorbene Zwillingsgeschwister trauern.

Zwischen den beiden entsteht eine sehr besondere Freundschaft, doch die wird bald durch eine große Lüge auf die Probe gestellt. Das ist, auf schräge Weise, sehr witzig, aber auch ziemlich traurig, und den Publikumspreis in Sundance gab es dafür ebenso verdient wie eine Sonderauszeichnung für O'Brian.

Plainclothes

Im Regiedebüt der Amerikanerin Carmen Emmi spielt Tom Blyth (bekannt u.a. aus "Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes") einen jungen Zivilpolizisten in den 1990er Jahren, dessen Job es ist, schwule Männer auf der Suche nach Sex auf öffentlichen Toiletten zu verhaften. Allerdings ist er selbst noch damit beschäftigt, sich mit seiner eigenen sexuellen Orientierung zu arrangieren, und als er sich dann – während eines beruflichen Einsatzes – in einen cruisenden Mann (Russell Tovey) verknallt, gerät er zusehends in nicht nur emotionale Bedrängnis.

Was die Erzählstruktur sowie visuelle Einfälle wie endlose VHS-Schnipsel angeht, ist "Plainclothes" ein wenig überinszeniert und auch nicht ganz frei von ein paar in die Jahre gekommenen Klischees. Durch das starke, in Sundance mit einem Preis bedachte Ensemble entwickelt der Film aber eine gehörige Wucht.

Cactus Pears (Sabar Bonda)


Szene aus "Cactus Pears" (Bild: Sundance)

Als sein Vater stirbt, kehrt Anand (Bhushaan Manoj) aus der Großstadt zurück in seine indische Provinzheimat, wo die einstigen Gefühle für seinen Jugendfreund wieder aufflammen. Statt aus dieser Prämisse ein tragisches Drama über homophobe Strukturen auf dem Lande zu machen, erzählt Rohan Parashuram Kanawade sehr zart und behutsam von Trauerarbeit und queerer Selbstverständlichkeit unter widrigen Umständen. Selten man eine solche Geschichte aus diesem Teil der Welt in dieser Form auf der Leinwand gesehen. Zu Recht gab es dafür im internationalen Spielfilm-Wettbewerb von Sundance in diesem Jahr den Hauptreis.

Move Ya Body: The Birth of House


Szene aus "Move Ya Body: The Birth of House" (Bild: Sundance)

Wie fest die Wurzeln der House-Musik bei ihrer Entstehung in den 1980er Jahren sowohl in der Schwarzen als auch der queeren Kultur verankert waren, ist nicht unbedingt eine neue Erkenntnis. Doch Regisseur Elegance Bratton, der jüngst schon mit seinem Spielfilmdebüt "The Inspection" beeindruckte und hier wieder mit seinem Ehemann Chester Algernal Gordon als Produzenten zusammengearbeitet hat, zeichnet in seinem Dokumentarfilm nun noch einmal sehr gründlich nach, wie nicht zuletzt in Chicago aus dem Disco-Boom der 1970er Jahre etwas ganz Neues entstand. Der Fokus auf diverse schwule Schlüsselfiguren kommt dabei natürlich ebenso wenig zu kurz wie die bittere Erkenntnis, dass dabei am Ende nicht wenige der Schwarzen Musik-Pioniere von weißen Wegbegleiter*innen um Geld und Ehre gleichermaßen gebracht wurden.

Come See Me in the Good Light

Produziert u.a. von der lesbischen Komikerin Tig Notaro sowie Country-Star Brandi Carlile und inszeniert vom schwulen Dokumentar-Regisseur Ryan White begleitet "Come See Me in the Good Light" nicht nur die Beziehung von Andrea Gibson – einer preisgekrönten, nichtbinären Größe der amerikanischen Lyrik-Szene – und Partnerin Megan Falley (ebenfalls als Dichterin und Schriftstellerin tätig), sondern vor allem Gibsons Alltag mit einer unheilbaren Krebserkrankung.

Ein Film voller Liebe und Leben, wie man ihn so offenherzig und zutiefst berührend nicht alle Tage zu sehen bekommt. Und dass Gibson trotz anders lautender Prognosen die Weltpremiere in Sundance miterleben konnte, macht ihn natürlich noch besonderer.

-w-