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Kulturkampf in den USA

Kennedy Center: Der schwule Grenell soll ein Drag-Verbot umsetzen

Als Interims-Exekutivdirektor des Kennedy Centers soll Ex-Botschafter Richard Grenell dafür sorgen, dass es dort "keine Drag-Shows oder andere anti-amerikanische Propaganda mehr geben" werde, erklärte US-Präsident Donald Trump.


Richard Grenell ist Donald Trumps "Gesandte für Sondermissionen" (Bild: Gage Skidmore / flickr)
  • 11. Februar 2025, 04:10h 3 Min.

US-Präsident Donald Trump hat einen neuen Spezialauftrag für seinen schwulen Sondergesandten Richard Grenell. Der ehemalige US-Botschafter in Deutschland und aktuelle "Gesandte für Sondermissionen" soll vorerst die Leitung der größten Kultureinrichtung der Hauptstadt Washington übernehmen, wie Trump ankündigte. Grenell werde als "Interims-Exekutivdirektor des Kennedy Centers" fungieren, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. Dann schob er nach: "Ric, willkommen im Showgeschäft!"

Das Kennedy Center in Washington ist auch auf nationaler Ebene eine kulturelle Institution. Es beherbergt unter anderem das Nationale Symphonie-Orchester und die Washingtoner National-Oper. In dem prunkvollen Bau am Potomac-Fluss werden traditionell alle möglichen Genres von Theater, Tanz und Musik dargeboten: von klassischer Musik, Oper und Ballett bis hin zu Jazz, Hip-Hop, elektronischer Musik und modernem Tanz.

"Wir haben das Kennedy Center übernommen"

Trump hatte am Wochenende überraschend angekündigt, das Kennedy Center unter seine Kontrolle zu bringen. Er habe beschlossen, umgehend mehrere Personen aus dem Kuratorium zu entlassen, darunter auch den Vorsitzenden. Der Republikaner kritisierte unter anderem, dass das Kennedy Center im vergangenen Jahr auch Drag-Shows gezeigt habe, die auf ein junges Publikum abgezielt hätten. Damit sei Schluss.

Trump bekräftigte nun, dass es künftig in der Einrichtung "keine Drag-Shows oder andere anti-amerikanische Propaganda mehr geben" werde. Bei einem Auftritt im Weißen Haus sagte der 78-Jährige: "Wir haben das Kennedy Center übernommen. Uns gefiel nicht, was dort gezeigt wurde." Grenell werde in der neuen Rolle einen "großartigen Job" machen.

Venezuela, Nordkorea – und jetzt das Kennedy Center

Der Präsident hatte Grenell eigentlich für andere Krisenherde an seine Seite geholt. "Ric wird an einigen der heißesten Brennpunkte der Welt arbeiten, darunter Venezuela und Nordkorea", hatte Trump bei der Verkündung der Personalie Mitte Dezember erklärt (queer.de berichtete). Und tatsächlich war Grenell zuletzt auf einer Mission in Venezuela unterwegs – unter anderem, um dort inhaftierte Amerikaner*innen freizubekommen. Der neue Brennpunkt ist für ihn vorerst aber: Kultur. Und die Mission lautet: Bühnenprogramm auf die Beine zu stellen, das dem US-Präsidenten genehm ist.

Guter Kumpel von Jens Spahn

Grenell war von 2018 bis 2020 Botschafter der USA in Deutschland (queer.de berichtete). In diesen Jahren hatte er seine Aufgabe stets darin gesehen, die Politik Trumps in Deutschland und Europa offensiv zu verteidigen. Dabei sparte er nicht mit Kritik an der damaligen CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel und an Deutschland.

Grenells undiplomatische Äußerungen brachten ihn in Berlin nur wenige Freund*innen ein. Ein gutes Verhältnis hatte er aber offenbar zum ebenfalls offen schwulen und ebenfalls mit Populismus flirtenden Ex-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), mit dem er sich 2019 beim CSD Berlin ablichten ließ (queer.de berichtete).

Drei Monate war Grenell auch US-Geheimdienstdirektor. Er war damit der hochrangigste – und auch praktisch der einzige – offen schwule Vertreter der früheren Trump-Regierung. Außerhalb der Republikanischen Partei genießt Grenell allerdings wegen seiner undiplomatischen Art und seiner blinden Ergebenheit gegenüber Donald Trump wenig Ansehen.

Kein konsequenter Einsatz für LGBTI-Rechte

Immer wieder kritisierte Richard Grenell auch Homosexuellenverfolgung – allerdings nur in Ländern wie dem Iran, die Trump als Gegner ansieht (queer.de berichtete). Dagegen äußerte er sich nie negativ über ein Land wie Saudi-Arabien, das zwar die Todesstrafe gegen Homosexuelle verhängt, aber gleichzeitig US-Verbündeter ist. Mehrmals kündigte er auch an, weltweit gegen Staatshomophobie vorzugehen, etwa keine Geheimdienstdaten mit Verfolgerstaaten auszutauschen (queer.de berichtete). Konkrete Änderungen an der US-Politik gab es aber keine.

Der Getreue Trumps war zuvor als möglicher Außenminister der neuen Trump-Regierung gehandelt worden. Die Nominierung ging aber an Marco Rubio, einen Senator aus Florida. (cw/dpa)

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