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Intervision
Putins Anti-ESC ohne "Perversionen"
Beim Eurovision Song Contest (ESC) flog Russland wegen des Kriegs gegen die Ukraine raus. Kürzlich hat Kremlchef Putin eine eigene internationale Musikshow angekündigt. Nun gibt es erste Details dazu.

Dürfte in Russland nicht treten: Eurovision-Sieger*in und nichtbinäre Person Nemo aus der Schweiz (Bild: Alma Bengtsson / EBU)
- 12. Februar 2025, 01:23h 3 Min.
Die von Kremlchef Wladimir Putin ausgerufene Musikshow in Russland als Konkurrenz zum Eurovision Song Contest (ESC) stößt nach Angaben aus Moskau international auf großes Interesse. Mehr als 20 Länder haben ihre Teilnahme an dem "Intervision" genannten TV-Wettbewerb bereits bestätigt, wie Putins Kulturberater Michail Schwydkoi russischen Agenturen zufolge sagte.
Zusagen von China, Brasilien und Saudi-Arabien
Unter den Teilnehmenden seien neben einer Reihe von Ex-Sowjetrepubliken auch China, Brasilien und Saudi-Arabien. Vom ESC ist Russland wegen seines Angriffskriegs gegen die Ukraine ausgeschlossen worden.
Über die große Teilnehmendenzahl freute sich auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Die Veranstaltung biete allen Ländern die Chance, "ohne jede Zensur" ihre besten musikalischen Traditionen vorzustellen, versprach der Moskauer Top-Diplomat bei einem Treffen mit Botschafter*innen.
"Keine Perversionen und Verhöhnungen der menschlichen Natur"
"Ich garantiere, dass es dort keine Perversionen und Verhöhnungen der menschlichen Natur geben wird, wie wir es bei den Olympischen Spielen in Paris beobachtet haben", fügte Lawrow hinzu.
Der Eurovision Song Contest ist bekannt dafür, dass dort schon oft offen queere Künstler*innen antraten und die Show sehr bunt und divers ist. So gewann etwa 1998 für Israel die trans Frau Dana International, 2014 für Österreich der schwule Sänger Tom Neuwirth als Sängerin Conchita Wurst. Im vergangenen Jahr ging die nichtbinäre Person Nemo als Sieger*in hervor (queer.de berichtete).
Bei der langen Olympia-Eröffnungsfeier in Paris war letzten Sommer eine Szenerie mit Dragqueens an einem Tisch zu sehen gewesen. Einige fassten dies als Nachstellung des letzten Abendmahls und Verhöhnung des Christentums auf. Später stellte sich heraus, dass dieser Showteil als Festmahl griechischer Götter gemeint war (queer.de berichtete).
Russland unterdrückt queere Menschen
In Russland sind die Rechte von queeren Menschen stark eingeschränkt. Die öffentliche Darstellung von Homosexualität etwa ist verboten. Die LGBTI-Bewegung wurde als "extremistische Organisation" eingestuft.
Der ESC hat sich in Russland lange Zeit einer großen Beliebtheit bei den Zuschauer*innen erfreut. 2008 konnte mit Dima Bilan ein Vertreter des Landes gewinnen. Daneben gelangen noch je vier zweite und dritte Plätze. Umso schmerzhafter war für viele Russen der Ausschluss 2022 nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine.
Der Name "Intervision" für den Konkurrenz-Wettbewerb knüpft an ein früheres Netzwerk von TV-Anstalten im Ostblock an. Zwischen 1977 und 1980 wurde auch ein "Intervision Song Contest" im polnischen Sopot abgehalten, anknüpfend an den dortigen Musikwettbewerb. Auch Finnland beteiligte sich an dem TV-Contest. 2008 gab es eine bislang einzige Wiederauflage. (cw/dpa)














