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Kulturkampf in Bayern
Puchheim: AfD will am Mittwoch gegen Dragqueen protestieren
Erneut will die AfD in Bayern den Kulturkampf auf die Straße bringen. Aber auch die CSU macht Stimmung gegen den Auftritt der Dragqueen Vicky Voyage im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Märchentante Vicky Voyage will Kinderbücher vorlesen – und die AfD geht auf die Barrikaden. (Bild: Facebook / Vicky Voyage / AfD Fürstenfeldbruck)
- 17. Februar 2025, 13:33h 3 Min.
Die AfD will am Mittwoch im oberbayerischen Puchheim gegen einen Auftritt von Vicky Voyage protestieren. Die Münchner Dragqueen soll in der Bibliothek der 21.000 Einwohner*innen zählenden Stadt auftreten und Kinderbücher vorlesen. Die Partei meldete daher eine zeitgleiche Demonstration mit 100 Teilnehmenden an.
Die Veranstaltung richtet sich dabei an Familien und Kinder ab vier Jahren. In der Ankündigung heißt es: "Hosen für Jungs und Röcke für Mädchen? Zwei Mamas oder zwei Papas? – Wer sagt eigentlich, was normal ist und was nicht? Drag-Queen Vicky Voyage zeigt bei dieser besonderen Lesestunde, dass das Anderssein zum Leben gehört und dass alle so leben dürfen, wie sie es sich wünschen."
"Würden Sie dieser Person Ihre Kinder anvertrauen?"
Tassilo Erhardt, der AfD-Kreischef in Fürstenfeldbruck, hat auf Facebook die Demo angekündigt. Dabei warf er Vicky Voyage vor, eine Gefahr für Kinder zu sein und diese "sexualisieren" zu wollen. "Würden Sie dieser Person Ihre Kinder anvertrauen, um mit Gender-Ideologie vollgepumpt zu werden?", fragte Erhardt. Er kritisierte auch, dass die Veranstaltung in einer öffentlichen Einrichtung stattfinden und mit öffentlichem Geld finanziert werden solle.

Weiter erklärte Erhardt: "Falls nicht und falls Sie der Meinung sind, dass Kinder eine unbeschwerte Kindheit genießen sollten, dann ist es völlig egal welche Partei Sie wählen. Kommen Sie am Mittwoch zu unserer Demonstration in Puchheim."
SPD-Bürgermeister bedauert Aufbauschung
Gegenüber der SZ bedauerte Bürgermeister Norbert Seidl (SPD), dass die Lesung derart aufgebauscht werde. Er berichtete, dass die AfD-Demo zunächst direkt neben der Bibliothek geplant gewesen sei, was eine "bedrohliche Wirkung" auf die Kinder gehabt hätte.
Janine Weinberger, die Leiterin der Stadtbibliothek, erklärte laut "Merkur", dass es bei der Veranstaltung darum gehe, "verschiedene Lebensentwürfe, die in unserer Gesellschaft normal sind, aufzuzeigen". Dabei gehe es um Toleranz.
Auch CSU macht Stimmung gegen Dragqueens
Der AfD-Kulturkampf findet sogar Anklang in demokratischen Parteien: So forderte CSU-Stadtchef Dominik Schneider die Absage des Events. Er habe zuvor "mit großem Befremden" zur Kenntnis genommen, dass in der Stadtbibliothek eine Lesung für Kinder "zu LGBTQ-Themen" geplant sei. "Eine solche Veranstaltung halten wir für unangemessen und nicht mit der Verantwortung einer öffentlichen Bildungseinrichtung vereinbar", so Schneider. Es sei "nicht Aufgabe der Stadt sei, eine solche Weltanschauung aktiv zu propagieren".
Bereits vor knapp zwei Jahren hatten Anti-Dragqueen-Proteste Bayern erschüttert. Grund war ebenfalls ein Auftritt von Vicky Voyage mit einer anderen Dragqueen in München. Damals protestierten 200 Rechtsextreme gegen den Auftritt, 500 meist jüngere Gegendemonstrant*innen verteidigten ihn (queer.de berichtete). Auch CSU, Freie Wähler sowie sogar der Münchner SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter äußerten sich abfällig über den Dragqueen-Auftritt und rückten die Veranstaltung teilweise in die Nähe des sexuellen Missbrauchs von Kindern.
Dragqueen-Lesungen für Kinder gibt es bereits seit vielen Jahren. Das Ziel dieser Veranstaltungen ist, Kindern aufzuzeigen, dass queere Menschen existieren. Insbesondere in den USA hatte sich aber in den letzten Jahren eine breite Protestbewegung gegen die "Drag Queen Story Hour" entwickelt. Dort gingen auch immer wieder Rechtsextreme mit christlichen oder konservativen Gruppen gegen diese Events auf die Straße – teilweise mit Hakenkreuzfahnen und "Sieg heil"-Rufen (queer.de berichtete). (cw)















