Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?52812

Queerfilmnacht

Eine Liebesgeschichte zwischen arabischer Identität und queerem Begehren

Layla ist nichtbinär und hat palästinensische Wurzeln, Max ist ein weißer Mittelschichts-Schwuler. Und sie daten einander. Das Drama "Layla" erkundet Gemeinsames und Trennendes – und ist dabei authentisch und konsequent.


Der nichtbinäre Drag-Star Layla spielt in der eigenen Familie einen cis hetero Mann (Bild: Salzgeber)

Flirten ist große Kunst. "Du hast noch ein Stück Fleisch in deinem Haar" gehört zu den eher ungewöhnlichen Pick-up-Lines. Aber für Max führt der Satz zum Erfolg: Er kann Layla den Fleischbrocken sanft aus den Haaren streichen, die beiden kommen sich endlich näher.

Was ist passiert? Layla, nichtbinärer Drag-Star, ist im Pride Month für eine Fertiggerichte-Marke aufgetreten. Pinkwashing, aber 900 Pfund – für Layla Grund genug, da mitzumachen. Als Layla statt Bargeld nur Gutscheine für das Mikrowellen-Essen bekommt, merkt Layla, dass das alles ein großer Fehler ist. In einer wütenden Rage Scene schmeißt der Drag-Star frivol mit dem Essen um sich – und einiges landet in den Haaren. Das Unternehmens-Publikum ist geschockt. Nur Max, der Marketing-Typ mit den nach hinten gegelten blonden Haaren, ist begeistert.

Vor der Familie spielt Layla einen cis hetero Mann


Poster zum Film: "Layla" läuft im März 2025 in der Queerfilmnacht

Das wiederum überrascht Layla. So einer interessiert sich für them? Layla ist geschmeichelt. In der eigenen queeren und migrantischen Clique fühlt sich Layla wohl und sicher. Von einem weißen Corporate Gay kommt meist eher Ablehnung – wenn überhaupt. Und Max hat ernstes Interesse an Layla. Er lernt eine völlig neue Welt kennen, Laylas Freund*­innen jedoch bringen eine gewisse Skepsis ihm gegenüber mit. Sie vermuten, dass Layla für Max nur eine aufregende Abwechslung ist – womit sie auch nicht ganz Unrecht haben.

Komplizierter wird es zudem, weil Layla zwischen verschiedenen Identitäten wechseln muss. Für die palästinensische Familie legt Layla die bunten Klamotten ab und spielt einen cis hetero Mann, der im weißen Gewand zum gemeinsamen Gebet erscheint. Wer Layla wirklich ist, darf die Familie nicht wissen.

Layla und Max erweitern ihre sexuellen Erfahrungen

In "Layla" geht es also um queere Identitäten und die Schwierigkeit, sich selbst ausdrücken zu können, aber auch um unterschiedliche Privilegien innerhalb der queeren Community. Das klingt alles theoretielastig und abgehoben, ist es im Film aber überhaupt nicht. Denn Amrou Al-Kadhi, in London als Kind irakischer Eltern geboren und selbst nichtbinär, macht daraus ein zugängliches und unterhaltsames Drama. Der von Al-Kadhi geschriebene und inszenierte Film überträgt die komplexen Fragen ganz nah und authentisch in eine Liebesgeschichte: Können ein nichtbinärer Drag-Star mit palästinensischen Wurzeln und ein cis schwuler weißer Mann aus der Mittelschicht zusammen sein?

Natürlich können sie das. Menschen sind mehr als ihre einzelnen identitätskonstruierenden Merkmale. Layla und Max erkunden Gemeinsames und Trennendes, sie geben sich Mühe, die Welt des Gegenübers zu verstehen. Und sie kommen auch gut miteinander klar, erweitern ihre sexuellen Erfahrungen – da gibt es Szenen, in denen "Layla" ausgesprochen erotisch, sinnig und mutig ist.

Für Layla ist Queerness politisch

Doch Layla hat immer mehr das Gefühl, sich mehr für Max anpassen zu müssen als andersherum. Der merkt zum ersten Mal, was es heißt, in Safer Spaces einzudringen, in denen er nicht erwünscht ist – ob das nun gerechtfertigt ist oder nicht. In manchen queeren Räumen gelten eben Regeln, mit denen er nicht vertraut ist. Bei Laylas Freund*innen ist Queerness noch politischer und kämpferischer aufgeladen, wo es für Max vor allem mit Leichtigkeit, Party und Regenbogenfahnen verknüpft ist.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Der britische Schauspieler Bilal Hasna gibt seiner Figur Layla eine enorme Zerrissenheit – die Freude über die heftige Leidenschaft, aber auch die Müdigkeit, sich andauernd verstellen zu müssen. Louis Greatorex ist ein forscher, aber auch unsicherer Max, der in einer bequemen Welt lebt und nur langsam merkt, mit welchen Privilegien er ausgestattet ist.

"Layla" funktioniert als Genre-Mix, der den bissigen Humor der Drag-Künstler*innen aufnimmt, aber auch klassische Rom-Com-Elemente aufgreift und hier und da eine symbolische Ebene einsprenkelt. Ein Film, der hochpolitisch und relevant für die queere Community ist, der das aber nie monstranzartig vor sich herträgt. "Layla" schafft den Spagat, gleichzeitig ernst und unverkrampft zu sein – und bleibt bis zur letzten Sekunde erstaunlich konsequent. Der außergewöhnliche Film ist einer aus der Community für die Community – und eine echte Bereicherung fürs queere Kino.

Infos zum Film

Layla. Drama. Großbritannien 2024. Regie: Amrou Al-Kadhi. Cast: Bilal Hasna, Louis Greatorex, Safiyya Ingar, Terique Jarrett, Sarah Agha. Laufzeit: 100 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Salzgeber. Im März 2025 in der Queerfilmnacht
Galerie:
Layla
12 Bilder
-w-

Queere TV-Tipps
-w-

-w-