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"Unholy"-Countdown, Folge 2

Der Heilige der Woche: Ursli von Einsiedeln

Am 15. April kommt mit dem Coffee-Table-Book "Unholy" die erste "fast vollständige Hagiographie der schwulen Heiligen" heraus. Bis zum Erscheinungstermin gibt's bei uns jeden Sonntag einen exklusiven Preview. Im zweiten Teil gehen wir mit dem Schutzheiligen des Après-Ski auf die Piste.


Bild: F. G. Borghi

  • Von Björn Koll
    2. März 2025, 19:36h 4 Min.

"Unholy" heißt die erste "fast vollständige Hagiographie der schwulen Heiligen", die am 15. April bei Salzgeber erscheint. Bis zum Erscheinungstermin des Coffee-Table-Books gibt's bei uns jeden Sonntag einen exklusiven Preview der ikonischen Bilder von F. G. Borghi und göttlichen Texte von Björn Koll.

Im zweiten Teil gehen wir mit Ursli von Einsiedeln, dem Schutzheiligen des Après-Ski, auf die Piste.

In der katholischen Kirche werden hunderte, wenn nicht sogar tausende von Schwarzen Madonnen verehrt, was ein untrügliches Zeichen dafür ist, wie liberal, aufgeschlossen und tolerant diese Glaubensgemeinschaft ist. Selbstverständlich hatten viele dieser Madonnen Kinder, darunter rein statistisch 51% Jungs und 49% Mädchen, von denen wiederum 7% schwul, lesbisch oder irgendwie nicht-heteronormativ tickten.

Die Schwarze Madonna von Einsiedeln oder auch Maria Einsiedeln ist 117 cm groß und wohnt seit Mitte des 15. Jahrhunderts in der Gnadenkapelle der Wallfahrts- und Klosterkirche des Klosters Einsiedeln im Kanton Schwyz. In ihrer rechten Hand hält sie ein Zepter und in der linken, etwas von sich weggestreckt, das nackte Jesuskind. Moderne Mütter und Väter wissen, dass man ein Baby auf keinen Fall auf diese Weise tragen sollte, schließlich muss eine Hand immer den Kopf stützen, aber das ist ein anderes Thema.

Madonnensohn Ursli, der spätere heilige Ursli von Einsiedeln, hat die fahrlässige Behandlung zum Glück unbeschadet überstanden und den Strapazen zum Trotz ein äußerst sonniges Gemüt entwickelt. Schon als Kind probierte er gerne die über dreißig verschiedenen Kleider seiner Mutter an und spielte mit ihrem Schmuck und Firlefanz. Darüber hinaus gilt Ursli von Einsiedeln als Erfinder des Wintersports und des modernen Schweiz-Tourismus. Hintergrund war, dass die Pilger, die seine Mutter besuchten, sehr geizig waren, in der Regel nur im Sommer nach Einsiedeln reisten und generell nie genug Geld in der Stadt ließen, um sie zu Wohlstand zu bringen.

Diesen prekären Umständen setzte Ursli ein Ende, indem er das Après-Ski erfand. Er organisierte winterliche Besäufnisse mit schlechter Musik, die so unwiderstehlich waren, dass sie einerseits die Touristen glücklich machten und andererseits die Kassen der Einheimischen klingeln ließen. Seine Affinität zu auffälliger Kleidung und übertriebenem Schmuck wusste Ursli dabei geschickt einzusetzen.

Diese Gabe muss er wohl von seiner Mutter gehabt haben. Nach den ersten Après-Ski-Erfolgen kam die Katholische Kirche auf den Geschmack und investierte im großen Stil in der Schweiz. In diesem Zusammenhang verwundert die Heiligsprechung des Ursli von Einsiedeln ebenso wenig wie die Tatsache, dass er besonders von Casino-Kapitalisten und Croupiers verehrt wird.

Die Heiligenbiografie des Ursli von Einsiedeln wäre natürlich nicht komplett, wenn Ursli nicht mit dem Erreichen des vierzigsten Lebensjahres den Ausstieg gewagt und sich auf eine einsame Almhütte zurückgezogen hätte. Dort lebte er glücklich und zufrieden mit seinem etwas jüngeren Freund Peter und ein paar Ziegen und betätigte sich in der Käseproduktion. Die Schriftstellerin Johanna Spyri griff die Geschichte der beiden 1879 in ihrem Buch Heidis Lehr- und Wanderjahre auf, verfälschte sie dabei aber so sehr, dass sie am Ende kaum noch zu erkennen war. Mit dem 1881 erschienenen Folgeband Heidi kann brauchen, was es gelernt hat ging die Geschichtsklitterung weiter. Historisch völlig unkorrekt. Im Gegensatz zu unserer formvollendeten Darstellung des heiligen Ursli von Einsiedeln.

Ursli kann angerufen werden, wenn beim Après-Ski der Alkohol ausgeht oder die Musikanlage ausfällt. Aber natürlich auch an seinem Gedenktag, dem 4. Mai, wenn auf der Alm der Frühling beginnt.

Der Text ist ein Vorabdruck aus dem neuen Buch "Unholy" von F.G. Borghi (Illustrationen) und Björn Koll (Text), das am 15. April 2025 bei Salzgeber erscheint. In der Vorbemerkung heißt es: "Was Sie in diesem Buch lesen, gehört in die Kategorie Historische Fiktion, einige würden vielleicht auch von Historischem Blödsinn sprechen. Will sagen: Keiner der hier beschriebenen Heiligen hat je gelebt und nichts von dem, was über sie behauptet wird, stimmt." Jetzt vorbestellen im Salzgeber.Shop.

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