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Streaming-Tipp

"Clean Slate": Eine queere Serie zum Entspannen!

In einer Zeit voller Rechtsruck, Queerfeindlichkeit und Hass braucht es Geschichten, die das Gegenteil erzählen – und genau das dachten sich auch die Macher*innen der neuen Amazon-Prime-Serie "Clean Slate" mit Laverne Cox.


Eine Serie über Eltern-Kind-Beziehungen: Henry (George Wallace) akzeptiert seine trans Tochter Desiree (Laverne Cox). Die trans Schauspielerin steht erstmals im Zentrum einer eigenen Serie (Bild: Prime Video)
  • Von Finn Nachfolger
    3. März 2025, 13:48h 3 Min.

Desiree Slate, gespielt von Laverne Cox, kommt nach vielen Jahren zurück in ihre Heimatstadt Mobile in Alabama. Sie ist pleite, am Ende einer mutmaßlich toxischen Beziehung und sucht nun Schutz bei ihrem Vater Harry Slate, gespielt von George Wallace.

Voller Begeisterung wartet Harry auf seinen Sohn und wird etwas überrumpelt von der stolzen trans Frau, die nun vor ihm steht. "I have always been Desiree", sagt sie und gibt ihm somit keine andere Wahl, als ihr neues, oder altes, Ich zu akzeptieren. Dies tut er auch. Gelegentlich landet zwar ein Dollarschein im "Pronoun Jar", doch die beiden rekreieren ihre Beziehung. Ein Neuanfang, wie auch schon der Titel verrät.

"Clean Slate" ist eine Serie über Eltern-Kind-Beziehungen, nicht nur bei Harry und Desiree, über Akzeptanz, Mobbing, Selbstverwirklichung und greift dabei auf angenehme Art und Weise beinahe schon nebenbei das Thema Transidentität und queeres Coming-out auf.

Die rasante Handlung ist sehr vorhersehbar


Poster zur Serie: "Clean Slate" kann exklusiv auf Prime Video gestreamt werden

Wer nach einem langen harten Tag etwas entspannen möchte, ist bei dieser Serie genau richtig. Denn leicht bleibt es. Leider. Es scheint, als würde die Geschichte jegliche Klischees aufgreifen vom Jahrmarktbesuch über der queeren Party bis hin zu spontanen Motivationsrede beim Career Day und sich dadurch selbst zurückzuhalten. Die Dialoge haben durchaus humorvolles Potential, welches jedoch ebenfalls tief in Klischee-Schubladen gegraben hat und sich nicht traut, sich von illustrierenden gedoppelten Witzen zu lösen.

Die Handlung scheint rasant, sehr vorhersehbar und gibt uns kaum Momente, zum Durchatmen, auch wenn das Atmen durchaus zum Thema wird. Daher erscheint eine Szene mit Stillstand im Kettenkarussell auf einmal sehr angenehm, und die Figuren wirken kurz nahbarer. Leider auch wieder nur kurz. Es scheint, als würde niemand wirklich auf die ruhigen Momente vertrauen, obwohl diese stark und notwendig sind.

Gelungenes Spiel mit den Erwartungen der Zuschauenden

Interessant bleibt auf der anderen Seite das Spiel mit Erwartungen. "Clean Slate" arbeitet bewusst mit Vorurteilen und sucht nach diesen, um mit ihnen zu brechen. So unter anderem beim ehemaligem Gefängnis-Insassen Mack, glaubhaft gespielt von Jay Wilkison. Wir müssen uns doch hin und wieder an der eigenen Nase fassen und selbst hinterfragen: Wie lesen wir Menschen und was interpretieren wir aufgrund einer Information, die wir bekommen?

Um ehrlich zu sein, scheint die gesamte Staffel eine Art Pilotfolge zu sein, und die Figuren müssen noch richtig gefunden werden. Das zeigt sich auch schauspielerisch. Laverne Cox, die unter anderem durch großartige Leistung bei "Orange Is the New Black" bekannt ist, bleibt auf Distanz und versteckt sich hinter ihrem schönen Lächeln, anstatt uns wirklich eintauchen zu lassen in die Welt ihrer Figur. Ihr Spiel wirkt ein bisschen over the top. Vielleicht passt das aber zum Genre der klassischen American Sitcom?

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur Serie
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"Clean Slate" macht Lust auf mehr

Im Gegensatz dazu glänzt Telma Hopkins als Ella, Mutter von Desirees bestem Freund Louis (D.K. Uzoukwu), schauspielerisch und gibt uns als Zuschauende wieder das Gefühl, ernst genommen zu werden. Sie und George Wallace treten wirklich in Verbindung miteinander vor der Kamera. Das macht Lust auf mehr, und gerade in unserer unsicheren Zeit brauchen wir Geschichten über queere Menschen, in denen Queerness gar nicht im Vordergrund steht und in denen gezeigt wird, dass Liebe und Akzeptanz möglich sind.

Also macht euch einen Yogi-Tee und taucht ein in diese liebliche und gemütliche Serie. Vielleicht hat die Pilotstaffel ja sogar genug überzeugt für eine zweite Staffel?

-w-