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Songcontest bizarr

Prüde BBC geht erfolgreich gegen Maltas ESC-Song vor

Im letzten Jahr verbot die Europäische Rundfunkunion dem deutschen Sänger Isaak, beim ESC "shit" zu singen. Jetzt verbietet sie einer Sängerin das maltesische Wort für "Gesang", weil es im Englischen etwas anderes bedeutet.


Die Malteserin Miriana Conte erzürnte den Fernsehsender der ehemaligen Kolonialmacht (Bild: PBS)

  • 7. März 2025, 13:56h 2 Min.

"Serving Kant" – so wollte Maltas ESC-Kandidatin Miriana Conte beim diesjährigen Songfestival zwölf Punkte für ihr Heimatland holen und gleichzeitig die maltesische Sprache bekannter machen, denn "Kant" bedeutet in der Landessprache "Gesang". Der Rest des Songs ist auf Englisch.

Freilich handelt es sich dabei um ein Wortspiel: Denn "Kant" klingt fast genau so wie das englische Wort "Cunt", das eine Bezeichnung für das weibliche Geschlechtsteil ist – und auch ein geläufiges Schimpfwort, das bei abendlichen Pub-Besuchen in Großbritannien insbesondere zur Sperrstunde allgegenwärtig ist. "Serving Cunt" ist außerdem ein Begriff aus der queeren Ballroom-Kultur aus den USA – diese beiden Wörter soll spielerisch zeigen, dass eine Person selbstbewusst auftritt.

/ strauberrywine | Ein beispielhafte Benutzung des Begriffs "Serving Cunt"
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So etwas Obszönes rief ein Mitglied der Europäischen Rundfunkunion (EBU) auf den Plan: Die britische BBC protestierte gegen das Wortspiel – und hatte Erfolg. Conte muss daher mit einem anderen Text beim ESC antreten, der dem Sender der ehemaligen Kolonialmacht in Malta genehm ist.

"Ich bin schockiert und enttäuscht, zumal wir weniger als eine Woche Zeit haben, um den Song einzureichen, aber ich verspreche euch eines: Die Show wird weitergehen", erklärte die 24-jährige Sängerin auf Instagram. Ein neuer Text oder ein neues Lied muss bis Montag eingereicht werden, ansonsten darf Malta dieses Jahr nicht beim ESC mitmachen. "Diva NOT down", versicherte Conte.

Die BBC darf nach den puritanischen Regeln der Medienaufsichtsbehörde Schimpfwörter wie "Cunt" (und jetzt offensichtlich auch "Kant") erst nach 21 Uhr ausstrahlen – und auch nur dann, wenn sie das Publikum vorher vor "very strong language" gewarnt hat. Daher fand der maltesische Beitrag in der BBC-Berichterstattung praktisch nicht statt, wie die britische Tageszeitung "Guardian" berichtet (die sich selbst nicht traut, das C-Wort auszuschreiben).

Bereits im vergangenen Jahr machte der deutsche Teilnehmer Isaak Erfahrungen mit der ESC-Sprachpolizei – er durfte in seinem Lied das Wort "shit" nicht singen (queer.de berichtete). Das führte zu der bizarren Situation, dass der deutsche Kommentator Thorsten Schorn diese Auslassung nach dem Song erklärte – und dabei selbst das verbotene Wort in den Mund nahm. Dies war aber nur in der ARD zu hören und nicht bei der BBC. (cw)

Direktlink | Das C-Wort gilt im Englischen als eines der schlimmsten – wenn nicht gar das schlimmste – Schimpfwort
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