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Heimkino
Wo lesbische Liebe nicht geduldet wird
Rassismus, Homophobie und wirtschaftliche Umbrüche: In dem romantischen Drama "Polarized" hat Regisseurin Shamim Sarif auch ihre eigenen Erfahrungen in einer kanadischen Kleinstadt verarbeitet.

Lisa und Dalia treffen in ihrer aufkeimenden Beziehung immer wieder auf die engen Grenzen der vorurteilsbehafteten Kleinstadtmentalität (Bild: Pro-Fun Media)
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15. März 2025, 14:15h 4 Min.
Mähdrescher, riesig und unaufhaltsam, bahnen sich ihren Weg wie metallene Monster durch die goldgelben Felder von Manitoba. Die Sonne brennt heiß vom Himmel, und man spürt sofort, dass hier etwas Bleibendes verloren geht. Diese Maschinen sind Symbol für den technologischen Fortschritt und die Effizienz moderner Landwirtschaft – für Lisa hingegen bedeuten sie das Ende eines Lebens, das sie kannte. Denn mit jedem Schnitt verdrängen sie nicht nur das Getreide, sondern auch ihre Familie von einer Farm, die seit drei Generationen ihr Zuhause war. Dieses kraftvolle Bild setzt den Ton für einen Film, der sich mit Verlust, Veränderung und den Spannungsfeldern zwischen Moderne und Tradition auseinandersetzen will.
"Polarized" (Amazon-Affiliate-Link ) spielt in einer kanadischen Kleinstadt, in der die Räume eng und die Vorurteile groß sind. Lisa, eine junge Frau aus einer katholisch-konservativen Familie, träumt davon, Sängerin zu werden, sitzt aber zwischen den Schranken ihrer Lebensumstände fest: ihr Vater ist schwer krebskrank, ihre Homosexualität bleibt ein Tabuthema, und der Verlust der Familienfarm hat eine tiefe Wunde hinterlassen. Dalia, Personalchefin eines Agrarkonzerns und Teil einer palästinensischen Familie, hat es nicht leichter: Sie kämpft gegen patriarchale Strukturen in ihrem Beruf und rassistische Ressentiments in der neuen Heimatstadt. Zudem steht sie vor einer Ehe mit Omar, für den sie nur platonische Gefühle hegt.
Konversionsversuche und familiäre Streitereien

"Polarized" ist auf DVD und digital erhältlich
Diese beiden Welten prallen aufeinander, als Lisa nach einem rassistischen Ausbruch von Dalia gefeuert wird. Klingt nach einer explosiven Grundlage für Drama und Romantik – und tatsächlich schlummert unter der Oberfläche der Begegnungen eine Anziehungskraft, die die beiden nicht ignorieren können. Doch während Konflikte wie diese Funken sprühen könnten, verpufft das Feuer des Films, bevor es richtig entflammt.
Lisa und Dalia treffen in ihrer aufkeimenden Beziehung immer wieder auf die engen Grenzen der vorurteilsbehafteten Kleinstadtmentalität. Hier duldet man keine lesbische Liebe – stattdessen werden sie Ziel von Lästereien, Konversionsversuchen und familiären Streitereien. Besonders die männlichen Figuren des Films – ob Familienmitglied oder Arbeitskollege – stören und dominieren auf subtile wie offene Weise. Diese Konflikte könnten den Film mit Leben und Dramatik füllen, bleiben jedoch oft oberflächlich oder werden von hölzernen Dialogen ihrer Kraft beraubt.
"Polarized" überzeugt vor allem optisch
So spannend die Idee einer queeren Liebesgeschichte vor dem Hintergrund von Rassismus, Homophobie und wirtschaftlichen Umbrüchen ist, so enttäuschend ist die Umsetzung. Lisa und Dalia verlieben sich – aber zu schnell, zu oberflächlich und ohne echte emotionale Entwicklung. Die Dialoge zwischen ihnen wirken hölzern und blutleer, sodass selbst die talentierten Holly Deveaux und Maxine Denis nicht dagegen anspielen können. Ihre Chemie bleibt auf der Strecke, und die Momente, die das Herz des Films sein könnten, verpuffen in unglaubwürdigen Szenen.
Optisch hat "Polarized" durchaus seine Stärken: Immer wieder zeigt der Film weite, leere Landschaften, stillgelegte Gebäude und die riesigen Maschinen, die die landwirtschaftliche Arbeit dominieren. Diese Bilder schaffen eine Atmosphäre, die die Entfremdung der Figuren und die Kälte ihrer Umgebung spürbar macht. Doch gleichzeitig wirken sie oft zu steril und hinterlassen das Gefühl, dass dem Film – ähnlich wie den Figuren – die Seele fehlt.
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Ein überladenes Drehbuch
"Polarized" wurde in Kanada und im Vereinigten Königreich produziert, und wurde auf Englisch sowie Arabisch gedreht. Regisseurin Shamim Sarif verarbeitet darin zum Teil ihre eigenen Erfahrungen: Sie und ihre Partnerin Hanan Kattan, die als Produzentin des Films fungiert, mussten sich gegen Vorurteile und kulturelle Erwartungen durchsetzen. Diese Authentizität blitzt hier und da durch, reicht aber nicht aus, um die zahlreichen erzählerischen Baustellen zu überdecken. Das größte Problem des Films ist sein überladenes Drehbuch: Rassismus, Homophobie, Patriarchat, wirtschaftliche Umbrüche, Liebe – "Polarized" will alles, erreicht aber wenig. Statt einer tiefgehenden Erzählung gibt es flache Konflikte, und am Ende bleibt das Gefühl, ein unfertiges Puzzle gesehen zu haben.
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Es hätte ein bewegender Film über Liebe und Widerstand in einer intoleranten Gesellschaft sein können. Doch trotz seiner authentischen Ansätze und vielversprechenden Themen bleibt "Polarized" seltsam distanziert und langatmig. Ein stärkerer Fokus auf die Beziehung der Hauptfiguren und ein schlankeres Drehbuch hätten dem Film gutgetan.
Polarized. Dramedy. Großbritannien 2023. Regie: Shamim Sarif. Cast: Holly Deveaux, Maxine Denis, Hesham Hammoud, Abraham Asto, Tara Samuel, Sandrella Mohanna, Baraka Rahmani. Laufzeit: 104 Minuten. Sprache: englisch-arabische Originalfassung. Untertitel: Deutsch, Niederländisch (beide optional). FSK 12. Pro-Fun Media
Links zum Thema:
» "Polarized" auf DVD bei amazon.de
» Der Film bei Prime Video
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» auf sissymag.de
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