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Neuerscheinung
So wird man Ally: Über den Schmerz von Deadnames und Misgendern
Ein sehr persönlicher Grundkurs in gendergerechter Sprache: Als 16. Band der Essay-Reihe "in*sight/out*write" ist im Querverlag das Buch "Als in meinem Ausweis noch … stand" von Alex M. Gastel erschienen.

Alex M. Gastel ist Linguist*in und arbeitet als Diversity Trainer*in und Autor*in. Dey wohnt in Berlin und gibt Workshops zu Antidiskriminierung, inklusiver Sprache und queerem Empowerment (Bild: privat)
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22. März 2025, 04:29h 3 Min.
Die kleine Essay-Reihe "in*sight/out*write" aus dem Berliner Querverlag hat sich zu einem beeindruckenden Diskussionsforum entwickelt. Ein Blick in die Themenliste macht deutlich: Queere Themen sind immer auch gesamtgesellschaftliche Themen. Bei einem der gerade neu erschienenen Bände springt das einem förmlich ins Auge. Es geht um gendergerechte Sprache – für nicht wenige ein absolutes Aufreger-Thema.
Geschrieben hat den kleinen Band Alex M. Gastel, nichtbinär, in Berlin lebend. Gastel hat Linguistik studiert, beschäftigt sich mit empowerndem Schreiben, gibt Diversity-Trainings und Workshops zu Antidiskriminierung und inklusiver Sprache. Beste Voraussetzungen, um über Misgendern und Deadnaming zu schreiben, zumal hier alles auch noch aus eigener Erfahrung kommt. Erschienen jetzt als Band 16 unter dem Titel "Als in meinem Ausweis noch … stand" (Amazon-Affiliate-Link ).
Keine Frage des Könnens, sondern des Wollens

Der Essayband "Als in meinem Ausweis noch ... stand" ist Ende Februar 2025 im Berliner Querverlag erschienen
Auf die Frage, warum ausgerechnet die gendergerechte Sprache die Gemüter in der Mehrheitsgesellschaft so heftig bewegt mit einem klaren Votum der Ablehnung, darauf hat Gastel auch keine Antwort. Aber wie ließen sich Unvernunft und Hysterie vernünftig begründen? Geht natürlich nicht. Deshalb: Mehr als Ratlosigkeit fällt mir da auch nicht ein. Andererseits lässt sich mit Verboten gendergerechter Sprache politisch punkten, zumindest kalkulieren so einige Länderregierungen.
So betrachtet können wir froh sein, wenn wir wenigstens in unserem persönlichen Umfeld Menschen finden, die den abgelegten Namen dort lassen, wo er hingehört, nämlich in der Vergessenheit, und die sich die Mühe machen, uns mit dem richtigen Pronomen anzusprechen. Oft ist es allerdings nicht eine Frage des Könnens (Lernfähigkeit natürlich immer vorausgesetzt), sondern eine Frage Wollens. Und da liegt schließlich der Hund begraben, denn von Empathie und Respekt halten leider nicht alle Menschen gleichviel.
Üben, üben und noch mal üben
Doch die Sache ist zu ernst, um sich damit abzufinden. Und Gastel gibt eines Abends der befreundeten Person Ronja eine Gratis-Lektion, wie diese Ally wird und künftig alles richtig macht: Welche Fragen sind angemessen, welche unangemessen, wie verwende ich Neo-Pronomen, wie den Genderstern, wie ist das mit der Nichtbinarität, wie gehen wir mit freiwilligem oder unfreiwilligem Outing um, warum Deadnames Deadnames sind und noch mehr dieser Fragen?
Das geht die ganze Nacht hindurch und am frühen Morgen sind nicht nur alle Pfeffer-Chips und Milchschnitten aufgefuttert, sondern Ronja ist nun rundum gebrieft und weiß: Hier hilft nur üben, üben und noch mal üben, so die Erkenntnis, die uns und Ronja "Erklärbär" Alex vermittelt.
Anerkennung funktioniert nur im Dialog
Nicht so ganz klar geworden ist mir allerdings, warum Verletzlichkeit wie Verletzbarkeit so dominant im Zentrum unserer Wahrnehmung stehen, wo wir doch auf der anderen Seite so selbstbewusst sein können, selbstbestimmt zu sein: "Ich bestimme selbst über meinen Namen. Ich bestimme selbst über meine Identität." So heißt es jedenfalls am Anfang des Essays. Am Ende dann so eine Art Einsicht, dass Anerkennung nur im Dialog funktioniert:
Ich verlasse meine elektroumzäunte Weide und wieder schmettere ich meine Gefühle voll Vertrauen in die Welt. Ich habe Angst, und ich zeige dir meine Wunden […]. Ich glaube fest daran, dass sie dich verstehen lassen. Ich glaube an dich an mich und an die Macht der Sprache.
Alex M. Gastel: Als in meinem Ausweis … stand. Über den Schmerz von Deadnames und Misgendern – und wie es besser geht. Band 16 der Reihe in*sight/out*write. 64 Seiten. Querverlag. Berlin 2025. Taschenbuch: 8 € (ISBN 978-3-89656-355-2)
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