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Interview
ESC-Hottie Kyle Alessandro möchte der beste Ally für Queers sein
Mit gerade einmal 19 Jahren geht es für Kyle Alessandro demnächst nach Basel zum ESC. Im Interview spricht der Norweger über seinen frühen Ruhm, die emotionale Geschichte hinter seinem Song und sein Allyship.

Mit dem Popsong "Lighter" hat der 19-jährige Kyle Alessandro den norwegischen "Melodi Grand Prix" für sich entschieden und vertritt sein Land beim Eurovision Song Contest in Basel. (Bild: Julia Marie Naglestad / NRK)
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22. März 2025, 08:23h 5 Min.
In Norwegen ist Kyle Alessandro bereits seit rund einem Jahrzehnt bekannt, doch bald wird er sich auch in ganz Europa einen Namen machen: Als einer der jüngsten Kandidat*innen geht es für den 19-Jährigen demnächst nach Basel zum Eurovision Song Contest. Ein unglaubliches Abenteuer für den sympathischen Sänger, der bereits seit Kindertagen von dieser Chance träumt und es 2023 bereits beim ESC-Vorentscheid versucht hat. Damals landete er jedoch auf dem letzten Platz, und Alessandra, die queer.de ebenfalls bereits interviewte, durfte Norwegen vertreten.
Von dieser Erfahrung ließ sich Kyle Alessandro jedoch nicht unterkriegen. Schließlich steht er schon zu lange auf der Bühne: Im Alter von zehn Jahren nahm er an der norwegischen Castingshow "Norske Talenter" teil und brachte kurze Zeit später bereits ein Album heraus. Ob unter diesem frühen Trubel um seine Person seine Kindheit gelitten hat und wie er mit den Prognosen der Buchmacher*innen umgeht, verrät er im Interview mit queer.de.
Zunächst einmal, nachträglich alles Gute zum Geburtstag! Hast du dieses Jahr anders gefeiert – mit dem Wissen, dass du bald beim ESC auftreten wirst?
Danke! Nein, eigentlich nicht. Wir hatten Kuchen zu Hause und sind dann wie jedes Jahr in ein Restaurant gegangen.
Du bist erst 19 Jahre alt. Hast du das Gefühl, aufgrund deines Alters manchmal unterschätzt zu werden?
Eigentlich nicht. Ich habe gezeigt, was ich kann, und ich denke, die Leute respektieren das. Ich bin jetzt seit elf Jahren Künstler, und es ist nicht mein erstes Mal auf der Bühne. Die Leute in Norwegen kennen mich, seit ich elf war, daher fühle ich mich nicht unterschätzt. Aber wenn ich darüber nachdenke, könnte es sein, dass manche nicht gesehen haben, was ich vorher gemacht habe, also wissen sie vielleicht nicht alles über mich.
Du hast mit zehn Jahren an einer norwegischen Castingshow teilgenommen. Hast du jemals das Gefühl gehabt, eine "normale" Kindheit verpasst zu haben?
Ja und nein. Meine Eltern waren großartig darin, Struktur zu bewahren, sodass ich eine normale Kindheit neben meiner Karriere hatte. Ich ging zur Schule und hatte an den Wochenenden Konzerte, während sie dafür sorgten, dass wir auch Zeit für Ferien hatten.
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Gibt es etwas, das du gerne schon in jüngerem Alter gewusst hättest?
Vielleicht, mich nicht zu unterschätzen. Ich habe oft versucht, mich in einen bestimmten Stil oder ein Genre zu zwängen, aber ich habe einen reichen kulturellen Hintergrund, da ich zu 50 Prozent Norweger und zu 50 Prozent Spanier bin. Ich hätte von Anfang an alle Teile von mir selbst annehmen sollen.
Würdest du die bevorstehende Teilnahme am Eurovision Song Contest als den bislang größten Meilenstein in deinem Leben bezeichnen?
Absolut. Es war immer ein Traum von mir, besonders weil der ESC eine Familientradition ist. Wir haben uns immer versammelt, um ihn zu schauen, und ich erinnere mich, dass ich als Kind gesagt habe: "Das werde ich eines Tages sein." Jetzt sind wir hier. Es ist definitiv einer der größten Meilensteine in meinem Leben.
Du hast 2023 bereits versucht, teilzunehmen, aber es hat leider nicht geklappt. Wie hast du es geschafft, motiviert zu bleiben, es nochmal zu versuchen?
Als ich 2023 am Wettbewerb teilnahm, wusste ich, dass der Song vielleicht nicht perfekt für den ESC war. Aber ich war trotzdem froh über die Sichtbarkeit durch die nationale Auswahl, also war ich nicht enttäuscht. Und ich war wirklich froh, dass Alessandra gewonnen hat – das war so verdient. Die Motivation ist überhaupt nicht abgeflaut.
Kannst du uns etwas über deinen Song "Lighter" erzählen? Was ist die Botschaft dahinter?
Der Song handelt von meiner Mutter. Sie wurde im Herbst/Winter 2023 mit Krebs diagnostiziert, und man gab ihr nur noch sechs Monate zu leben. Aber jetzt ist sie krebsfrei. Nach diesem Arztbesuch sagte sie mir, dass ich niemals mein Licht verlieren dürfe. Wenn ich es je tun würde, müsste ich es wiederfinden, weil ich weit kommen werde. Das hat mich wirklich inspiriert, einen Song darüber zu schreiben, wie man seine eigene Flamme ist, sein inneres Licht. Ich habe auch Elemente der norwegischen Kultur in den Song eingebaut.
Momentan liegst du nicht ganz oben bei den Buchmacher*innen. Demotiviert dich das, oder spornt es dich an, noch mehr zu geben?
Nein, die Motivation ist immer noch da. Der ESC ist immer unberechenbar, und ich habe mir die Quoten nicht wirklich angeschaut. Aber wenn ich es richtig verstehe, geht es darum, wer auf dich setzt, und es geht mehr darum, den ersten Platz zu erreichen, als sich darauf zu konzentrieren, wo man am Ende landet. Ich denke, ich liege auf dem fünften Platz des Eurovision Scoreboards, was ein riesiges Kompliment ist, und dafür bin ich wirklich dankbar.
Hast du Favoriten aus anderen Ländern?
Ja, ich mag wirklich Abor & Tynnas "Baller", Klavdias "Asteromáta" aus Griechenland, "Voyage" von Zoë Më aus der Schweiz und "Kiss Kiss Goodbye" von Adonxs aus der Tschechischen Republik. Ehrlich gesagt höre ich mir alle Lieder aus dem Eurovision Song Contest an. Es gibt so viel großartige Musik.
Als queeres Medium interessiert uns natürlich noch, ob du in irgendeiner Weise eine persönliche Verbindung zur queeren Community hast?
Viele meiner Freunde sind queer, und ich unterstütze das voll und ganz. Durch meine Musik möchte ich die Menschen dazu inspirieren, sie selbst zu sein, denn wenn du es nicht bist, lebst du eine Lüge, und das ist nicht gut. Ich möchte die Menschen ermutigen, Selbstvertrauen zu haben, denn am Ende des Tages ist es das, was wirklich zählt: du selbst zu sein. Ich bin auch beim Pride in Norwegen aufgetreten. Ich versuche, der beste Ally zu sein, der ich sein kann.















